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Sufi Boris tanzt vor dem Konzentrationslager in Dachau
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Sufi Boris tanzt vor dem Konzentrationslager in Dachau

Im Tanz, in der Drehung, weiß sich Sufi Boris Kammin mit Gott und mit allen Menschen spirituell verbunden. Durch die Drehung entsteht ein Flow, erklärt er. Seiner Ansicht nach löst sich die Seele beim Tanz aus der Einheit mit Gott und verbreitet, begleitet von Engeln, göttliches Bewusstsein. Seinen Tanz führt Boris Kammin kurz vor Weihnachten auf dem Christkindlmarkt in Dachau auf.

"Wir versuchen die Trennung aufzuheben und in Liebe zu leben: Wie gehe ich im Alltag mit meinem Partner um, wie bin ich in meinem Berufsleben? Ich bewege mich also nicht nur in sphärischen Welten, auch wenn ich beim Drehen so wirke." Boris Kammin, Sufi

Seine Tanzaufführung vor der KZ-Gedenkstätte Dachau widmet Boris Kammin der in der NS-Zeit ermordeten Tochter seines Ordensgründers Hazrat Inayat Khan, dessen Inayat-Orden er angehört. Inayats Tochter Noor Nisa wird 1914 in Moskau geboren, sie lebt später in London. Als Spezialagentin und Widerstandskämpferin wird sie im Auftrag britischer Streitkräfte in Paris gegen das Naziregime eingesetzt. Schlagartig verändert sich ihr Leben, als ihre Spionagetätigkeit auffliegt. Noor Nisa wird enttarnt und ins Konzentrationslager nach Dachau gebracht. Sie wird von den Nazis gefoltert, missbraucht und mit anderen Widerstandskämpferinnen 1944 ermordet.

Noor Nisa wird in Dachau erschossen, nur wenige hundert Meter von dem Ort entfernt, wo heute das Kloster der Karmelitinnen steht. Am Todestag von Noor Nisa gedenken auch einige Ordensschwestern an der Seite der Sufis in ihrer Kapelle der Friedensmission der Widerstandskämpferin. Bis heute beziehen Sufis klar Position gegen Gewalt und Verbrechen auf. Es ist Teil ihrer Spiritualität.