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Ein Mahnmal für den Frieden: die Ausstellung "Kunst hält Wache" | BR24

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Ausstellung "Kunst hält Wache" in Landsberg am Lech

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Ein Mahnmal für den Frieden: die Ausstellung "Kunst hält Wache"

Freiheit und Wohlstand sind keineswegs selbstverständlich, darauf wollen Kunstschaffende in Landsberg am Lech hinweisen. Ihre Schau "Kunst hält Wache" ist keine leichte Kost – und wirft die Frage auf: Wie gefährdet ist der Frieden in unserem Land?

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"Das wird Ihnen eine Lehre sein, das sagen wir nicht ein zweites Mal, wer nicht hören will muss fühlen", wie ein Verhör wirkt die Installation von Janos Fischer. Große schwarze Lautsprecher sind auf den Besucher gerichtet, der auf einem Stuhl sitzt. Dadurch, dass die Fragen sich an ihn richten, ist er unmittelbar betroffen. Eine "Vorladung", aber vor was für eine Institution? "Das kann natürlich vielerlei sein, so dass man eigentlich nie genau definieren kann, in welcher Rolle man sich befindet", sagt Fischer.

Eine Schau mit Galgen und Falltür

Janos Fischer und 25 weitere Künstler machen ausgerechnet in einer alten Munitionsfabrik der Nationalsozialisten eine Schau für den Frieden. Die NS-Zeit ist dabei aber nur ein Teil der Ausstellung in Landsberg am Lech. "Wir haben ja keine Frieden, wie haben hier Frieden im eigenen Land ja, aber wir sind glaube ich an Nummer Vier als Waffenexporteur, wir sind an zahlreichen Konflikten direkt oder indirekt beteiligt und deshalb sind wir natürlich nicht im Frieden", sagt Organisator Franz Hartmann.

Die Schau ist keine leichte Kost. Den Besucher erwartet ein Galgen, per Knopfdruck kann er die Falltür betätigen. An der Wand steht in blutroten Lettern: "Hängt das Schwein." Nur ein paar Räume weiter sind Bilder von Bernd Zimmer zu sehen. Den Vertreter der Neuen Wilden inspirierte ein ganz bestimmtes Ereignis. "Was viele nicht wissen, dass er sich 91/92 in den Zeiten des ersten Golfkrieges ganz intensiv mit Krieg und Tod in seinen Werken beschäftigt hat", sagt Organisator Hartmann. Auf den ausgestellten Bildern zu sehen sind Knochen, Totenköpfe, Gebeine. Verkauft habe der Künstler davon nur zwei Stück, so Hartmann: "Weil das hängt sich natürlich keiner ins Wohnzimmer."

Dass die Werke ihre Wirkung entfalten, hat auch mit den Räumen zu tun. Statt geschniegelter weißer Galeriewände sieht man hier den Putz bröckeln. Eine Glühbirne wirft fahles Licht auf die vergilbte Decke.

© Lina Hartmann

"Hängt das Schwein" steht mit blutroter Farbe an der Wand neben einem Galgen

Schicksale von Menschen auf der Flucht

Kristina Milz hat Schicksale von Menschen gesammelt, die auf ihrer Flucht gestorben sind. Ihr Buch ist 500 Seiten dick geworden. Ein langer Gang schlängelt sich durch die Ausstellung und führt die Besucher links wie rechts in kleine Räume. Jeder von Ihnen gleicht einer Überraschung: Installation, Malerei, Comics oder Aktionskunst. Konstantin Wecker projiziert Bilder des US-Bombardements während des Golfkriegs in eine Badewanne. Der Friedensaktivist war 2003 kurz vor den US-Angriffen nach Bagdad gereist.

Doch die Ausstellung streift auch die Gegenwart. Simon Weckert, der erst kürzlich Google Maps mit einer ganzen Sackkarre voll Handys einen Stau in Berlin vorgegaukelt hatte und damit international durch die Medien ging, kritisiert hier die moderne Kriegsführung.

Nicht nur namhafte Künstlerinnen und Künstler

Es sind nicht nur namhafte Künstler, die in der Ausstellung mit ihren Arbeiten Wache halten. Die Schülerin Anna Münkel hat aus Papier Friedenstauben gebastelt: "Und dann hab ich einfach versucht alle Tauben mit Friedenszitaten von Mahatma Gandhi, Maria Montessori und vielen weiteren zu versehen." Münkel ist 18, im selben Alter starben andere im Zweiten Weltkrieg.

Nie wieder! so das Plädoyer der Ausstellung. Und dafür, so die Macher, muss man den Frieden erst richtig schätzen lernen.

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