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Der Heilige Franz von Assisi ist einer der bekanntesten Heiligen. Zu Lebzeiten irritierte er den höheren Klerus mit einem Leben in Armut und Demut.

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Ein Leben für die Armen: 800 Jahre Franziskaner in Deutschland

Vor 800 Jahren kamen die ersten Franziskaner von Italien über die Alpen nach Deutschland. Noch heute leben die Ordensbrüder nach dem Vorbild von Franz von Assisi: Ein Leben in Einfachheit, für die Armen der Gesellschaft.

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Von
  • Barbara Schneider
  • Andrea Neumeier

Vor 800 Jahren kamen die ersten Franziskaner nach Deutschland. 25 Brüder zogen damals ins Deutsche Reich. Auf persönlichen Wunsch des Ordensgründers Franziskus kamen sie von Trient aus über die Alpen. Ein erster Versuch zwei Jahre zuvor, in Deutschland Fuß zu fassen, war an mangelnden Sprachkenntnissen gescheitert.

Im Jahr 1221 jedoch gelang es den ersten Franziskanern, nördlich der Alpen Niederlassungen zu gründen. Bis heute gibt es Ordensgemeinschaften, die sich auf den Heiligen Franziskus berufen, unter anderem in München, wo die deutsche Franziskanerprovinz ihren Sitz hat.

Essen für Obdachlose wegen Corona nur To-Go

In der Elisabeth-Stube bei den Franziskanern in München laufen morgens um 8.15 Uhr die Vorbereitungen auf Hochtouren. Ein Ehrenamtlicher schneidet Brot, auf einem der Holztische stapeln sich Kisten mit Äpfeln und Bananen. Es sind Lebensmittel, die die Franziskaner mittags an Obdachlose ausgeben werden.

Wegen der Corona-Pandemie, sagt Bruder Hans-Jürgen Feiten, ist gerade nur Essen To-Go möglich. "Es werden Brote geschmiert, mit Margarine und Griebenschmalz. Danach wird eingetütet zur Ausgabe von Obst und Gemüse. Heute gibt es Paprika, die wir den Leuten mitgeben", sagt Feiten. Vor 20 Jahren ist er in den Franziskanerorden eingetreten. Damals war er 40 Jahre alt und hängte seinen Job als Biochemiker an den Nagel. Zweifel trieben ihn um, er stellte sich die Frage, was seinem Leben Sinn gibt.

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Auf der Suche danach beschäftigte sich Feiten auch mit dem Leben des Heiligen Franziskus: "Es ist die Frage: Was ist eine lebenswerte Zukunft? Ist eine lebenswerte Zukunft, die uns die Biotechnologie beschert oder verheißt?", beschreibt der Franziskaner seine Zweifel. "Ich habe mich dann relativ schnell entschieden, mir einen ganz anderen Arbeitsbereich zu suchen, in dem ich mehr Sinn in die Arbeit setzen kann. Und damit bin ich zu den Franziskanern gekommen."

Franz von Assisi hatte zu Beginn des 13. Jahrhunderts sein privilegiertes Leben als Sohn eines reichen Tuchgroßhändlers aufgegeben. In seinem Verständnis von Nachfolge wollte er ungebunden, arm und helfend durchs Land ziehen, so wie es von Jesus überliefert ist.

Franziskus Lebensgeschichte sei "legendär"

Christoph Nebgen, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Saarbrücken, beschreibt Franziskus' Lebensgeschichte als "legendär": "Er war jemand, der die persönliche Konversion vom reichen Bürgersohn zum Lebemann erlebt hat, hin zu einem, der plötzlich diesen Reichtum freiwillig aufgibt und ein Leben in der Nachfolge Christi anstrebt. Dann ändert er radikal seinen Lebenswandel und plötzlich sucht er ganz gezielt die Nähe der Aussätzigen, der Kranken und Ausgestoßenen in der Gesellschaft."

Heute gibt es mehrere Orden, die sich auf Franziskus berufen: Die Minoriten, die Kapuziner, aber auch die Franziskaner. Sie stehen für einen einfachen Lebensstil in der Nachfolge Jesu Christi - lange wurden sie auch "Bettelorden" genannt.

60 Menschen holen sich täglich ein Lunchpaket ab

Wie vielen anderen Orden fehlt auch den Franziskanern heute der Nachwuchs, einige Klöster in Deutschland mussten sie bereits aufgeben. In Bayern gibt es Franziskanerklöster unter anderem in Füssen, Garmisch-Partenkirchen und am Kreuzberg in Unterfranken. Im Franziskanerkloster in München leben noch 20 Brüder, sagt der Leiter des Hauses, Franz Josef Kröger.

"Das Gelübde besagt ein Leben in Einfachheit, in Gehorsam und Ehelosigkeit, aber eben auch unterwegs zu sein, das Evangelium leben. Das war dem Gründer Franziskus wichtig: Das, was er vom Evangelium verstanden hat, auch wirklich im Alltag zu leben und umzusetzen. Ein Leben in der Nähe von Benachteiligten, mit Menschen auf dem Weg zu sein", erklärt Kröger. In München geschehe das ganz praktisch: Täglich kommen rund 60 Menschen zur Elisabeth-Stube der Franziskaner, um ein Lunchpaket und eine warme Suppe abzuholen.

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