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Ein Künstler als Gewinner der Corona-Pandemie | BR24

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Bildrechte: BR/Chris Baumann

Thomas Schöne vor seinem Haus im Dorf Frankau.

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    Ein Künstler als Gewinner der Corona-Pandemie

    Die Pandemie trifft die Künstler besonders stark. Ein Kampf ums Überleben: keine Auftritte, keine Aufträge, kein Geld. Im Ostallgäu lebt jedoch ein Künstler, der in der Pandemie inzwischen mehr Aufträge bekommt als vorher.

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    Von
    • Chris Baumann

    Das Leben als Künstler in der Corona-Pandemie ist schwierig. Ausstellungen fallen weg. Ebenso Veranstaltungen, um zum Beispiel Schnellzeichnungen zu machen oder Kontakte mit möglichen Auftraggebern zu knüpfen. Düstere Aussichten und das schon seit über einem Jahr. Ganz anders geht es dem Künstler Thomas Schöne aus Rettenbach am Auerberg im Ostallgäu.

    Zuerst Ernüchterung und Schockzustand

    Vor einem Jahr hat Thomas Schöne die Corona-Pandemie zuerst kalt erwischt, denn "gerade zu der Zeit habe ich an der VHS Füssen Kurse gegeben und da hat es dann gleich geheißen, die fallen aus", erzählt Schöne. "Das ist ja auch etwas, was mir Geld gebracht hat. Das war bei mir der Anfang der ganzen Sache."

    Wie fast alle Künstler hatte er große Existenzangst. Schließlich ist er wie die meisten freischaffend und hat nicht jeden Monat sein festes Gehalt auf dem Konto. Seine Angst war, dass "die Leute dann wieder wie in irgendwelchen Wirtschaftskrisen plötzlich alle still sind und ich dann sehen muss wie ich mit meinem Ersparten klar komme".

    Seine Vielfalt rettete den Künstler

    Aber Thomas Schöne ist ein Tausendsassa und sehr breit aufgestellt. Sein Spektrum reicht von der Malerei über Skulpturen, Schmuck und Puppen bis hin zur Raumgestaltung. Das war sein großer Pluspunkt in der Pandemie, denn nach ungefähr drei Monaten kamen die ersten Anrufe und Emails. Die Menschen waren viel mehr daheim und hatten Ideen, wie "jetzt reißen wir den Kachelofen weg. Der Kachelofen war dann auch weg aber auch zwei Löcher, wo die sich dann gedacht haben warte mal, wir kennen da einen, der Thomas Schöne der hat doch immer so Innenausbau gemacht."

    Andere Auftraggeber fanden ihn durch seine Homepage im Internet, holten sich dort Anregungen und kontaktierten ihn. Die Kunstfreunde konnten nicht zur Kunst gehen, also wollten sie die Kunst zu Hause haben. Die Anfragen waren in erster Linie Portraits, aber auch Skulpturen, und über Weihnachten hat Schöne viele Stofftiere entworfen und genäht. "Es war nicht nur eine Sache da, sondern plötzlich aus allen Sachen musste ich wieder irgendwas kreieren, das war eine ganz große Überraschung", erzählt Schöne.

    Auch den Hund auf Rädern, wie man ihn früher hatte, ließ er wieder aufleben. Und zu Ostern sind seine kreierten Figuren aus Eiern auf der Homepage ein Highlight zum Ansehen.

    Statt Künstler nennt er sich Kunsthandwerker

    Der 60-Jährige sieht sich nicht als reinen Künstler, denn der Begriff ist für ihn "ausgekaut und langgezogen". Heute nenne sich ja jeder Künstler, sagt er. Er sieht sich eher als Kunsthandwerker, auch weil er sich für alte Handwerkstechniken interessiert.

    Zu erkennen ist das auch an seinem Haus im Dorf Frankau in der Gemeinde Rettenbach am Auerberg im Ostallgäu. Es sieht aus wie aus einem Märchen entsprungen: Ein Brunnen mit golden glänzendem Einhorn, eine halbrund aus großen Flusssteinen gemauerte drei Meter hohe Wand vor der Terrasse und eine knorrige Holztür, über der steht: "Ewig ist mein Streben, für die Kunst zu leben."

    Ein Wohnhaus fast wie ein Märchenschloss

    Sein Haus mit niedriger Holzdecke ist auch gleichzeitig sein Lebenswerk. Der 60-jährige hat immer wieder neue Ideen zum Umgestalten, sei es jetzt die Küche im mittelalterlichen Stil mit beige strukturierten Wänden, die absichtlich leicht rußig aussehen, oder die Drachenhöhle, die an die Grotte von Schloss Neuschwanstein angelehnt ist. An dem Haus bleiben dann auch immer wieder Wanderer und Radfahrer stehen.

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