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"Ein gutes Gedicht lässt uns die Welt anders sehen"

Der Lyriker Jan Wagner sieht in seiner Kunst - im Gedicht - einen großen Raum der Freiheit. Auf engstem Platz könne alles gedacht werden, sagte der Büchner-Preisträger des Jahres 2017 in einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Von Niels Beintker

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"Auch die Sprache kann etwa gegen alle grammatikalisch gültigen Regeln gebraucht werden", so der vielfach ausgezeichnete Lyriker, dem in dieser Woche der Georg-Büchner-Preis zugesprochen worden ist. "Das Gedicht ist ein Raum, der alle Freiheiten zulässt - ohne dass man sich bewegen muss."

Vom großen Staunen

In vielen Gedichten des 1971 geborenen Lyrikers lernt man das Staunen mit Blick auf die Dinge, die uns umgeben. Ein Mückenschwarm erinnert an tanzende Buchstaben, eine Qualle wird zu einer Lupe, die den Ozean vergrößert, Silberdisteln werden zu Sternen. "Als Leser mag ich Gedichte, bei denen ich lerne, die Dinge und die Sprache, mit der diese beschrieben werden, neu zu betrachten." Beides leiste ein gutes Gedicht.

"Man sieht die Welt um sich herum - und die eigene Rolle in ihr - schlagartig neu. Und man bedenkt die Sprache, mit der man sie zu fassen versucht, ebenfalls neu. Das geschieht in einem Gedicht." Jan Wagner

Klangmagier und Leser

Zu den Autoren, die sein Schreiben beeinflusst haben, zählt Jan Wagner nicht zuletzt wichtige Vertreter der modernen angelsächsischen Poesie, etwa Dylan Thomas. "Er ist ein Klangmagier, der ein ungeheures Vokabular hat und mit der Sprache auf eine Weise umgeht, die sagenhaft ist."

Die Lektüre der Werke Georg Büchners - Namensgeber des wichtigsten deutschen Literaturpreises - wurde dagegen für den Leser Jan Wagner entscheidend. "Er ist kein genuiner Lyriker gewesen und gehört deshalb nicht zu meinen Lehrmeistern. Aber er hat so große Dichtungen geschrieben. Ähnlich wie die Werke Shakespeares können sie als großes Rollengedicht gelesen werden."