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Kultur

Ein Fest für den genialen Entwerfer Koloman Moser | BR24

© Aslan Kudrnofsky/MAK

In der MAK-Ausstellungshalle: KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann

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    Ein Fest für den genialen Entwerfer Koloman Moser

    Das Museum für Angewandte Kunst in Wien widmet dem Designer, Maler und Architekten Koloman Moser zum 100. Todestag eine große Retrospektive. Neben Klimt, Schiele, Gerstl oder Kokoschka war er einer der wichtigsten Künstler seiner Zeit.

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    Eines der Highlights in dieser Schau ist ein graziler Holzschrank, den Fische aus Pailletten zieren – sie schwimmen zwischen aus Leder gefertigten Algen, darunter Elemente aus Seide. All diese aufwändig gestaltete Kostbarkeit ist geschützt durch eine Glasscheibe, in die liebevoll Wellen und kleine Luftbläschen geschliffen wurden. Dieser Schrank von Koloman Moser ist zum ersten Mal in Wien ausgestellt – er stammt aus dem Budapester Kunstgewerbemuseum. Und steht für die edle Handarbeit, auf die die Wiener Moderne viel Wert legte. Es ist eine Handwerksqualität, die in Wien eine lange Tradition hat. Umgeben von einer beeindruckenden Fülle von edlen Sekretären, Sitzmöbeln, Lederarbeiten und originellen Gürtelschnallen, sowie einer zeitlos schönen kompletten Innenraumgestaltung aus Koloman Mosers Villa auf der Hohen Warte, fühlt man sich hier in ein Gesamtkunstwerk versetzt – wie es die Wiener Secession propagierte. Das Ziel sollte es sein, die Welt zu retten - durch Schönheit im Alltag. So gründete Koloman Moser 1903 gemeinsam mit dem Architekten Josef Hoffmann und dem Industriellen Fritz Waerndorfer die Wiener Werkstätte nach Vorbild des britischen Arts and Crafts Movement.

    Ringen um die Form

    Die vielen kleinen Entwürfe von Koloman Moser, die in dieser Schau erstmals ausgestellt sind, verleihen den Ausstellungsräumen ein bisschen das Flair eines Künstlerstudios. Man kann an zahllosen Zeichnungen ablesen, wie intensiv Koloman Moser um die Form seiner Geschirre, Möbel oder Schmuckstücke gerungen hat. Da wird eine Eidechse durch eine Elypse gehalten, dort fliegt ein Vogel durch ein Quadrat. Die malerische Qualität ist auch Koloman Mosers ersten Stoffentwürfen anzusehen. Immer wieder fällt die Nähe zu Josef Hoffmann auf, mit dem Kolo Moser eng zusammengearbeitet hat und mit dem er befreundet war. Bei manchen Objekten könnte man schwer sagen, ob sie Moser oder Hoffmann zuzuordnen sind.

    Auch wenn der Verkauf der Alltagsgegenstände aus der Wiener Werkstätte zeitweise so erfolgreich war, dass Verkaufsstellen in New York, Berlin und Zürich eingerichtet wurden, blieb die wirtschaftliche Effizienz immer wieder ein Problem. 1908 verlässt Koloman Moser nach fünf Jahren die Wiener Werkstätte wegen wirtschaftlicher Kontroversen und kehrt zurück zur Malerei. Die in dieser Schau ausgestellten Gemälde zeigen, wie sehr er sich an Vorbildern wie dem Schweizer Maler Ferdinand Hodler oder an Gustav Klimt orientierte. Auch wenn er sich selbst wohl eher als Maler definiert hätte – zur ersten Liga der Maler seiner Zeit wie Klimt, Schiele, Gerstl oder Kokoschka gehörte er nicht. Dafür sind aber seine handwerklichen Entwürfe einzigartig im feinsinnigen Zusammenspiel kostbarer Materialien.

    Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. April im Museum für Angewandte Kunst in Wien.

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