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"Eigensinn und Stärke": Kunstförderpreise gehen an vier Frauen | BR24

© Jean-Marc Turmes/Metropoltheater München

Vanessa Eckart (Mitte) in Aktion: Auszeichnung für die Schauspielerin

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    "Eigensinn und Stärke": Kunstförderpreise gehen an vier Frauen

    Sie haben, so Kunstminister Bernd Sibler, noch eine "große Karriere" vor sich: Die Sängerinnen Jihyun Cecilia Lee und Camille Schnoor, sowie die Schauspielerinnen Vanessa Eckart und Gro Swantje Kohlhof. Das Preisgeld beträgt je 6000 Euro.

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    Diesmal machten die Frauen das Rennen unter sich aus: Der renommierte Bayerische Kunstförderpreis zur Förderung von begabten, jüngeren Bühnenkünstlern, geht an Sängerinnen und Schauspielerinnen, die in Augsburg und München auf der Bühne stehen. "Wir zeichnen vier wunderbare Darstellerinnen aus, die mit Sicherheit noch eine große Karriere vor sich haben", so Kunstminister Bernd Sibler in einer Pressemitteilung vom Sonntag: "Die diesjährigen Preisträgerinnen bestechen durch ihre authentische Bühnenpräsenz, ihre unglaubliche Wandlungsfähigkeit, ihre eindringlichen Stimmen und ihr bewegendes Spiel. In ihren Rollen konfrontieren sie uns mit Verlust, Reue und Zerbrechlichkeit, aber auch Eigensinn, Stärke und Leidenschaft. Mit dem Kunstförderpreis möchten wir dieses facettenreiche Talent würdigen und den Künstlerinnen für ihre Kunst danken."

    Eckart demnächst in den "Rosenheim-Cops"

    Die Münchnerin Vanessa Eckart ist seit 2016 am Metropoltheater in München engagiert, wo sie in "Die Wiedervereinigung der beiden Koreas" zu sehen war, einem Abend aus rund zwanzig Kurz-Szenen über die Gefährlichkeit von Paarbeziehungen von Joël Pommerat. Sie übernimmt auch immer wieder Rollen in Fernsehproduktionen und als Synchronsprecherin. So war sie in Episodenrollen in der ZDF-Krimiserie "SOKO München" und bei "Inga Lindström" zu sehen. Im Juli 2019 wurde bekannt, dass sie ab 2020 die Rolle der aus Bielefeld kommenden Kriminalhauptkommissarin Eva Winter in der ZDF-Fernsehserie "Rosenheim-Cops" als zweite Ermittlerin nach Kriminaloberkommissarin Verena Danner (Katharina Abt) übernehmen soll. Für den Kunstförderpreis empfohlen hat sich Eckart nach Auffassung der Jury allerdings besonders durch ihre Rolle in der Produktion des Metropoltheaters.

    © Jan Pieter Fuhr/Theater Augsburg

    Jihyun Cecilia Lee in "Orpheus und Eurydike"

    Gro Swantje Kohlhof, geboren 1994 in Hamburg, ist seit Januar 2018 festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele und wird dem Ensemble auch unter der neuen Intendanz von Barbara Mundel angehören. Sie studierte Schauspiel an der Universität der Künste in Berlin. 2016 erhielt sie den Günter-Strack-Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Nachwuchsdarstellerin". Bei der Experten-Umfrage von Theater heute wurde sie für ihren Auftritt in der zehnstündigen Marathon-Produktion "Dionysos Stadt" zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2019 gekürt. Seit Januar 2018 ist Kohlhof festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Im Mai erhielt sie außerdem den mit 5000 Euro dotierten Förderpreis des Vereins zur Förderung der Münchner Kammerspiele. "Sie ist mit ihrer Aufmerksamkeit immer voll da, zuletzt auch in ihrem liebevoll anarchischen Online-Format 'Hogwarts-Exkursion'", hieß es damals zur Begründung.

    "Souveräne und glanzvolle" Jihyun Cecilia Lee

    Die Südkoreanerin Jihyun Cecilia Lee ist am Theater Augsburg engagiert, wo sie zuletzt in der teils virtuellen Produktion "Orpheus und Eurydike" von Christoph Willibald Gluck die Eurydike sang. Im Dezember 2019 war sie als "Lustige Witwe" zu erleben: " Jihyun Cecilia Lee als Hanna Glawari spielt und singt sich souverän und glanzvoll durch das Geschehen, elegant zwischen Lebedame und liebendem Mädchen pendelnd", urteilte damals eine Kritikerin. Im BR hieß es nach der Premiere der Oper "Solaris" nach dem Roman von Stanisław Lem im Mai 2018: "Die koreanische Sopranistin Jihyun Cecilia Lee singt und spielt die Erscheinung der Hari, der verstorbenen Ehefrau von Kris Kelvin, unglaublich intensiv und authentisch. Mit ihrer Verletzlichkeit, ihrer Zurückhaltung, ist Lee ein ergreifend realistisches Solaris-Trugbild."

    Seit 2008 studierte Lee Gesang, zunächst in Seoul, dann ab 2012 an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste in Mannheim. In der Spielzeit 2015/16 war sie am Opernstudie des Teatro alla Scala engagiert. Seit 2017/18 ist sie Ensemblemitglied des Staatstheaters Augsburg und fällt in ihrem Stimmfach lyrischer Sopran immer wieder als herausragende Interpretin auf, die schauspielerisch kein Risiko scheut.

    © Christian POGO Zach/Gärtnerplatztheater München

    Camille Schnoor als Tatjana in "Eugen Onegin"

    Camille Schnoor, geboren 1986 in Nizza, studierte zunächst Klavier und ab 2020 am Conservatoire "Maurice Ravel" in Paris Gesang. 2014 bis 2016 gehörte sie zum Ensemble des Theaters Aachen, seit der Spielzeit 2016/17 ist sie am Staatstheater am Gärtnerplatz engagiert, wo sie gerade als Tatjana in Peter Tschaikowskys "Eugen Onegin" begeisterte. Der Münchner Merkur nannte Schnoor bei der Gelegenheit eine "verblüffende Entdeckung": "Die Premiere wird zum Abend von Camille Schnoor. Ihre Tatjana ist von dunkler, klarer, nie verhangener Tonschönheit und Intensität, eine Sopranistin, die genau um ihre lyrische Sozialisation weiß und Emphase kontrolliert."

    Im November 2016 zog Schnoor als "Julie" alle Aufmerksamkeit auf sich, im damaligen Ausweichquartier des Gärtnerplatztheaters bei der Uraufführung der Oper "Liliom" nach dem Erfolgsroman von Ferenc Molnár (Musik Johanna Doderer). Kritiker verwiesen damals auf das "ergreifende Sterbelied", dass die Sopranistin für ihren unglücklichen Gatten sang, dem rabaukenhaften Karussell-Ausrufer Liliom, der bei einem versuchten Raubüberfall tödlich verletzt wird. Schnoor selbst sagte damals dem "Deutschlandfunk" über die Rolle der Julie: "Ich sehe sie als ganz stark liebende Frau. Sie duldet natürlich auch, aber das ist eine Konsequenz. Sie liebt bedingungslos, und ihre Liebe geht über alles. Das ist eine Form der Liebe, die nicht wirklich greifbar und nicht erklärbar ist – und deswegen so unglaublich schön ist.“

    Außergewöhnliche Begabungen

    Jedes Jahr verleiht der Freistaat bis zu 16 Kunstförderpreise in den vier Sparten "Musik und Tanz", "Bildende Kunst", "Darstellende Kunst" sowie "Literatur". Die ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler, Duos oder auch Ensembles werden von einem 12-köpfigen Fachgremium vorgeschlagen. Die Preisträgerinnen und Preisträger verfügen als Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchskünstler über eine abgeschlossene Ausbildung und zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Begabung aus, die sie bereits unter Beweis stellen konnten. Die Preise für Einzelkünstler sind mit je 6.000 Euro dotiert, für Ensembles mit 10.000 Euro.

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