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Bildrechte: Foumy Mario/Picture Alliance

Diese Eichen müssen weichen

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    Eichen für Notre-Dame: Empörte Baumschützer reden von "Ökozid"

    Für den Wiederaufbau des Dachstuhls der berühmtesten französischen Kathedrale müssen rund 2.000 Eichen gefällt werden. Dagegen protestieren mittlerweile rund 42.000 Umweltschützer mit einer Petition. Die Waldwirtschaft wiegelt ab.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Mit typisch französischem Humor sieht die Waldwirtschaft mal wieder lauter "Dogmatixe" am Werk, nämlich Baumschützer, die jeden Eingriff in die Forste kritisch sehen und beim Fällen von 2.000 Eichen einen "Ökozid" heraufziehen sehen. Aus Sicht der Waldbesitzer sind das gerade mal 0,1 Prozent der jährlichen Gesamternte, also eine Menge, die nicht der Rede wert ist, zumal mit den Stämmen der Wiederaufbau der Kathedrale Notre-Dame im Herzen von Paris vorankommen soll. Doch offenbar gibt es viele umweltbewusste Franzosen, die das empörend finden. Schon 41.551 von ihnen haben eine Petition an Umweltministerin Barbara Pompili unterschrieben, um die Fällarbeiten zu stoppen.

    Zwanzig Sägewerke bekommen zu tun

    "Ein hundert Jahre alter Baum ist Teil unseres Naturerbes und repräsentiert ein Ökosystem für sich. Unser Land ist in Gefahr, unsere Wälder leiden unter der globalen Erwärmung, diese Wahl ist unverständlich", heißt es in der Protesterklärung. Es sei dem 21. Jahrhundert nicht angemessen, eine derart "umweltschädliche" Architektur umzusetzen: "Was macht eine Eichen-Konstruktion für einen Sinn, die per Definition unter dem Dach verborgen sein wird und nur von wenigen Privilegierten in Augenschein genommen werden kann?" Solange Frankreich andere Länder über Umweltthemen belehre, müsse eine andere Wahl des Baumaterials getroffen werden.

    Das sah der französische Präsident Emmanuel Macron ganz anders: Er hatte im Juli 2020 angekündigt, Notre-Dame werde nach dem verhängnisvollen Großbrand vom 15. und 16. April 2019 im historischen Stil mit Eichen und Blei wiederaufgebaut. Andere Kathedralen, etwa die von Reims oder Nantes, waren auch mit Betonelementen stabilisiert worden.

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    Motorsäge im Einsatz

    Der Plan sieht nun vor, bis Ende des laufenden Jahres rund 1.000 Eichen zu fällen, zu trocknen und in zwanzig Sägewerken zu massiven Stützen zu verarbeiten. Die Bäume sind angeblich rund 230 Jahre alt. Ab 2023 soll das Material für das Dachgerüst von Notre-Dame eingesetzt werden. In einem zweiten Schritt sollen weitere 1.000 Stämme für das historische Gerippe unter dem Dach gefällt werden, das auch als "Wald von Notre-Dame" bekannt ist.

    Forstverwaltung: Es wachsen mehr Eichen nach als gefällt werden

    Die Eichen kommen aus einem Staatsforst bei Bercé an der Sarthe bei Le Mans. Kulturministerin Roselyne Bachelot hatte in der Nationalversammlung darüber aufgeklärt, dass der Wald ohnehin wirtschaftlichen Zwecken diene, die Bäume also gepflanzt wurden, um sie eines Tages zu "ernten". Es gebe weder Vandalismus, noch Baum-Piraterie oder irgendeinen unziemlichen Eingriff in die Ökologie.

    Die Forstverwaltung schloss sich diesem Urteil an und ordnete den Umfang der jetzt diskutierten Fällarbeiten ein: Demnach werden jährlich in Frankreich etwa zwei Millionen Festmeter Eichen gefällt, aber drei Millionen Festmeter wüchsen nach. Im Übrigen erfreue sich Eiche bei Möbelherstellern und Architekten als umweltfreundlicher Rohstoff höchster Wertschätzung.

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