Franz Wipplinger wurde nach seiner Kritik am NS-Regime 1944 hingerichtet. Nun ehrt ihn die Stadt München mit einem Erinnerungszeichen.
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Franz Wipplinger wurde nach seiner Kritik am NS-Regime 1944 hingerichtet. Nun ehrt ihn die Stadt München mit einem Erinnerungszeichen.

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    Ehrung für NS-Gegner Franz Wipplinger in München

    Ehrung für NS-Gegner Franz Wipplinger in München

    "Sorge, Vernunft und radikale Ablehnung": darauf setzte der Priesterseminarist Franz Wipplinger in der NS-Diktatur. Seine Haltung gegenüber den Nazis kostete dem Münchner das Leben. Jetzt ehrt ihn die Landeshauptstadt mit einem Erinnerungszeichen.

    "Hitler wird [...] nicht mehr verhindern können, daß trotz aller Stumpfheit, Massenpsychose und Furchtsamkeit der Deutschen das geknechtete Gewissen sich rührt und Sorge, Vernunft und radikale Ablehnung lauter und lauter werden."

    So notiert es der Priesterseminarist Franz Wipplinger im August 1943 in seinem Tagebuch, das er während der NS-Diktatur im Dritten Reich führte. In vielen, von ihm erhaltenen Briefen geht der gebürtige Münchner auf Distanz zum Hitler-Regime und äußert sich erschüttert über den Krieg. Er wird denunziert, inhaftiert und am 24. Oktober 1944 im Gefängnis Berlin-Spandau hingerichtet.

    Erinnerungszeichen an ehemaligem Wohnort in München

    Am Dienstag ehrt die Stadt München den NS-Gegner, dessen Aufzeichnungen nahelegen, dass der Priesterseminarist auch den Inhalt der Flugblätter der "Weißen Rose" um die Geschwister Scholl kannte. Zu Ehren Wipplingers wird an seinem ehemaligen Wohnort in der Maistraße 31 ein Erinnerungszeichen angebracht.

    Wipplinger, Jahrgang 1915, war nie Mitglied der Hitlerjugend, sondern gehörte einer katholischen Jugendgruppe an. Nach dem Abitur am Münchner Theresiengymnasium trat er ins Priesterseminar auf dem Freisinger Domberg ein und studierte Philosophie und Theologie. Im September 1939 wurde Franz Wipplinger zur Wehrmacht einberufen. Nach einer schweren Verwundung an der Ostfront wurde er ab Dezember 1942 als Schreiber beim Heer in München eingesetzt.

    Wipplinger verfügte über "feindliche Flugblätter"

    Nachdem er für seine Kritik am NS-Regime denunziert worden war, kam Wipplinger am 4. Dezember 1943 in Untersuchungshaft im Militärgefängnis München. Die Vernehmungsakten werfen ihm vor, dass "feindliche Flugblätter mit staatsgefährlichem und zersetzendem Inhalt" bei ihm gefunden worden seien. Wegen der Zersetzung der Wehrmacht wurde Wipplinger am 31. August 1944 in Berlin zum Tode verurteilt, seine Hinrichtung am 24. Oktober in Berlin-Spandau vollzogen.

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