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Fontane-Klassiker feiert Musical-Premiere

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Effi Briest als Musical – Uraufführung in Nürnberg

Effi Briest als Musical – Uraufführung in Nürnberg

Mit einem Jahr Verspätung feiert im Nürnberger Heilig-Geist-Saal das Musical "Effi Briest" seine Uraufführung. Vergangenes Jahr musste es wie der Christkindlesmarkt abgesagt werden. Nun fiebert das Ensemble des Musicalnetzwerks der Premiere entgegen.

Mit "Christa", "Norika" oder "Die Seelenhändlerin" spielten die Produktionen des Stadtmusicals Nürnberg bisher immer in der Region. Nun blicken sie "über den Tellerrand", so der Vereinsvorsitzende Christoph Ackermann. "Effi Briest" passe perfekt in die Stadt der Menschenrechte, geht es doch um die Rolle der Frau, um Unterdrückung und bürgerliche Konventionen, die über den Menschen gestellt werden.

Musik zu Effi Briest in den Musical-Album-Charts

Durchaus ein aktueller Stoff, auch wenn "Effi Briest" in der wilhelminischen Zeit spielt, im ausgehenden 19. Jahrhundert. Den Fontane-Klassiker kennen viele aus dem Deutschunterricht, haben da aber nicht immer gute Erinnerungen. "Das ist eigentlich ein toller Stoff", meint Komponist Philipp Polzin, "wir haben die Konstellation einer Frau, die zwischen zwei Männern steht. Die Geschichte bietet Dramatik, wir haben ein Duell drin. Die Geschichte fand ich schon immer toll, sie ist nur bei Fontane etwas verschachtelt erzählt."

Zusammen mit Christian D. Dellacher schrieb er Buch und Musik. Nach einer Musicalfassung des "Fliegenden Holländers" die zweite Zusammenarbeit der beiden. Die Musik zu "Effi Briest" hat sich sofort in den deutschen Musical-Album-Charts platziert und im Februar Platz vier erreicht.

Gleichberechtigung – nach wie vor Fehlanzeige

Nun wollen sie zeigen, dass sie auch live auf der Bühne das Herz des Publikums treffen können. Ein nach wie vor aktueller Stoff, findet Carina Krämer, die Hauptdarstellerin des Musicals. "Sicherlich ist es in Deutschland heute nicht mehr so wie 1890, aber es gibt trotzdem noch Hürden, es gibt eine Ungleichheit" – und man könne natürlich aktuell in den Iran sehen, dort seien Frauen noch weit entfernt von Gleichberechtigung. "Effi Briest" sei eine spannende Frauengeschichte "um eine Befreiung und die Ächtung einer Frau", meint Regisseur J Quirin. "Weil diese Geschichte absolut zeitgemäß ist, wie wir sie heute nicht nur im Iran und Irak oder der Türkei finden, sondern auch in Europa." Frauen hätten einfach nicht so viele Rechte wie Männer. Und sie würden dafür schwer bestraft.

Hoffen auf zahlreiche Zuschauer beim Nürnberger Musical

Die Musicalmacher sind gespannt, ob nach den regionalen Stoffen "Effi Briest" beim Nürnberger Publikum einschlägt. Vergangenes Jahr mussten sie schweren Herzens die Aufführungen absagen. "Der Verein ist total abgebrannt nach zwei Jahren Corona", erklärt Christoph Ackermann, der Vorsitzende des Musicalnetzwerkes Nürnberg. Doch als wieder losging, fieberten alle der Premiere entgegen. Engagierte Laien zusammen mit Musical-Profis auf der Bühne, dieses Konzept verfolgt der Verein nach wie vor. Hauptdarstellerin Carina Krämer schätzt diese familiäre, aber professionelle Atmosphäre in Nürnberg, sagt sie. Und der Vereinsvorsitzende ist nach wie vor überzeugt, mit "Effi Briest" den richtigen Stoff gefunden zu haben. "Wir finden, es passt zu Nürnberg, der Stadt der Menschenrechte", so Ackermann.

Nun hoffen sie, dass möglichst viele die Gelegenheit nutzen, sich "Effi Briest – das Musical" anzusehen. Vorpremiere ist am 25. November und die Premiere am 26. November. De Aufführungen laufen dann bis zum 7. Januar 2023. Und wer wieder regionale Themen im Musical sehen will: In einem Jahr wollen die Veranstalter mit einem Dürer-Musical an den Start gehen.

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