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Gemeinsam mit anderen wird Judi Dench mit ihrer Erblindung fertig

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    "Du kommst damit klar": Judi Dench spielt trotz Erblindung

    Sie lernt ihre Texte mit Hilfe von Freunden und baut auf Kollegen, die sie über die Bühne dirigieren: Mit 86 denkt die britische Schauspielerin nicht ans Aufhören, obwohl sie fast blind ist: "Irgendwann kommst du auch über schwierige Dinge hinweg."

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    Von
    • Peter Jungblut

    Es ist der häufigste Grund für eine Erblindung: Mehr als sieben Millionen Deutsche sind von einer altersbedingten Makula-Degeneration betroffen. Dabei sterben Sinneszellen in der Netzhaut ab, was die Sehfähigkeit immer mehr einschränkt. Das bekommt auch Judi Dench seit einigen Jahren zu spüren, denkt aber trotz ihres hohen Alters nicht daran, deshalb ihren Beruf an den Nagel zu hängen. Jetzt hat sie in einem Interview für den britischen Blindenbund, die "Vision Foundation", über ihre Erfahrungen berichtet. Die Schauspielerin, die von 1995 bis 2012 in sieben James-Bond-Filmen die Agentenchefin "M" spielte und 1988 von Königin Elisabeth II. zur "Dame Commander" geadelt wurde, will allen, die ähnliche Gesundheitsprobleme haben, vor allem Mut machen: "Du findest einen Weg, mit den Dingen, die du erst wahnsinnig schwer findest, letztlich zurecht und darüber hinweg zu kommen."

    So lässt sie sich ihre Texte von guten Freunden wieder und wieder vorlesen, um sie im Gedächtnis zu behalten: "Ich lerne also durch Wiederholung und kann nur hoffen, dass die Leute nicht merken, dass das völlig hoffnungslos ist." Und mit typisch britischem Humor erzählt Dench eine Anekdote aus ihrer Theaterarbeit. Am Ende von Shakespeares "Wintermärchen" habe sie als Paulina einen längeren Monolog aufsagen müssen. Nach einer Vorstellung habe ihr der prominente Partner Kenneth Branagh zugerufen: "Judi, wenn du deinen Part zwei Meter weiter rechts spielst, würdest du zu mir sprechen und nicht zum Bogen über der Proszeniumsloge!"

    "Ich kann es eh nicht ändern"

    Schon die Mutter von Dench hatte im Alter ähnliche Sehprobleme und inzwischen lasse sich auch schon ihre Tochter regelmäßig untersuchen, so die Schauspielerin: "Aber immerhin ermöglicht es dir eines, nämlich das du den Leuten sehr nahetreten musst, bevor du sie erkennst. Während des Lockdowns habe ich gedreht und musste bei den Proben in die Nähe der Kollegen kommen, die einen Mundschutz trugen. Das ist schon irgendwie ein Privileg und die gute Seite daran, und so muss man es nehmen." Tatsächlich gehe sie regelmäßig an guten Bekannten vorbei, ohne sie wahrzunehmen, habe sich aber daran gewöhnt: "Ich kann es eh nicht ändern."

    Dench ist ungeachtet ihrer Krankheit auch in den letzten Jahren bei Theater und Film schwer beschäftigt: So trat sie in Produktionen wie "Cats" auf, übernahm die Hauptrolle in "Six Minutes to Midnight", ein Weltkriegsdrama, das im März starten soll, und war als "Commander Root" in Kenneth Branaghs Fantasy-Abenteuerfilm "Artemis Fowl" zu sehen, der im letzten Sommer Premiere hatte.

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