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Droht das Sterben der Kirchenzeitungen? | BR24

© BR / Markus Kaiser

Bayerische Kirchenzeitungen

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    Droht das Sterben der Kirchenzeitungen?

    In fast jedem katholischen Bistum in Deutschland gibt es eine eigene Kirchenzeitung. Doch wie lange noch? Das ist die Frage in Zeiten, in denen die Kirche Mitglieder verliert und die Auflagen von Zeitschriften und Zeitungen ohnehin schrumpfen.

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    Das Missbrauchs-Verfahren um den australischen Kardinal Pell, die Ankündigung des Papstes, neue Kardinale zu ernennen oder der Tag des offenen Denkmals: Mit Themen wie diesen erreicht die Verlagsgruppe Bistumspresse in zwölf Bistümern eine Auflage von 94.000 Exemplaren wöchentlich. Noch. Denn in vier Jahren werden es deutlich weniger sein.

    Die Bistümer Mainz, Limburg und Fulda haben sich entschieden, ihre Zeitungen einzustellen und aus dem Kirchenzeitungsverbund auszusteigen. Der Grund: Die Auflage ist zu gering. Ulrich Waschki, Chefredakteur und Geschäftsführer der Verlagsgruppe Bistumspresse bedauert diese Entscheidung. Ziel sei es, möglichst hohe Qualität zu möglichst günstigen Preisen zu produzieren. "Wenn einer aussteigt, dann hat das Konsequenzen für alle, sie müssen höhere Kosten tragen oder Kosten reduzieren", so Waschki.

    Weniger Geld für Qualität

    Und das geht dann zu Lasten der Qualität. Den Anspruch, eine fünfte Gewalt zu sein, hätten Kirchenzeitungen nie gehabt. Ulrich Waschki versteht Kirchenzeitungen eher als wohlwollende Kritiker aus den eigenen Reihen. Eine Stimme, die aber für die Kirche sehr wichtig sei. Allerdings ist ihm bewusst: Die Leserschaft wird immer älter. Und eine neue kommt nicht nach.

    "Alle Medien stehen vor der Herausforderung, wie sie in Zukunft ihr Geschäft betreiben. Für die Kirchenmedien kommt hinzu, dass die Kernzielgruppe kleiner wird. Weil Menschen die Kirche verlassen oder sterben. Unser Markt schrumpft." Ulrich Waschki, Verlagsgruppe Bistumspresse

    Dabei hatte die konfessionelle Presse mal ein ziemliches Gewicht: Nach dem Krieg hatten die Kirchenzeitungen der deutschen Bistümer eine Auflage von mehr als zwei Millionen Exemplaren. Zeitschriften wie der eher katholische Rheinische Merkur oder das eher evangelische Allgemeine Deutsche Sonntagsblatt hatten mehr Leser als die Wochenzeitung "Die Zeit".

    Abwärtstrend seit dem Missbrauchsskandal

    "Das Jahr 2010, beherrscht von den Missbrauchsskandalen, wurde für die Kirchenpresse zur Katastrophe", hieß es in der Süddeutschen Zeitung 2011. Zwar ist der Abwärtstrend in Bayern nicht ganz so stark, und doch geht es nach unten. Aktuell liegen die sieben bayerischen Kirchenzeitungen bei 130.000 Exemplaren – vor zehn Jahren lagen sie noch bei 186.500. Von den mehr als 200.000 Abonnenten, die der christlich-konservative Rheinische Merkur, Konrad Adenauers Lieblingsblatt, einmal hatte, sind sie damit weit entfernt.

    Das Nachfolgeprodukt "Christ und Welt", das der Wochenzeitung "Die Zeit" beiliegt, sei qualitativ sehr hochwertig, wie der Medienwissenschaftler von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Christian Klenk, ausführt. Vom Einfluss des Rheinischen Merkur ist das heutige "Christ und Welt" aber weit entfernt. "Die Zeitung positioniert sich in gesellschaftspolitischen Fragen und lässt auch die Kirche zu Wort kommen", sagt Klenk, "trotzdem kann sie natürlich nicht die Rolle eines Rheinischen Merkur einnehmen, weil da schlichtweg die Reichweite fehlt. Sie hat um die 15.000 Abonnenten." Denn die "Christ und Welt" liegt nicht der gesamten "Zeit" bei.

    Bistum Essen setzt auf kostenlose Briefkastenzeitschrift

    Ganz eingestellt hat bislang nur das Bistum Essen seine Wochenzeitung "Ruhrwort". Hier versucht man es jetzt mit einer Art bistumsweitem Pfarrbrief, also einer Verteilzeitschrift, die fünf Mal im Jahr gratis in jeden katholischen Haushalt flattert.

    "Diese Erscheinungsweise hat zur Folge, dass die Inhalte andere sind", sagt Medienwissenschaftler Christian Klenk. "Man kann so keine aktuelle Berichterstattung machen, wie in einer wöchentlichen Kirchenzeitung, und sie richtet sich an einen breiteren Leserkreis, sie geht an jeden katholischen Haushalt." Die Rückmeldungen ans Bistum seien durchaus positiv. Und trotzdem: Geld verdienen lässt sich mit so einem Modell nicht. Schließlich handelt es sich um ein Gratisblatt und nicht um eine Abo-Zeitung.

    Dass das große Kirchenzeitungssterben bislang ausgeblieben ist, liegt laut Christian Klenk auch daran, dass sich die 27 Bischöfe ihre Zeitungen unterschiedlich viel kosten lassen. "Um zu prognostizieren, wann welche Kirchenzeitung eingestellt wird, müsste man wissen, wie viel die Bistümer gegebenenfalls jetzt schon subventionieren müssen, um die Zeitungen zu erhalten. Wir haben inzwischen einige Bistumszeitungen, die nur noch eine Auflage um die 10.000 Exemplare haben, zum Beispiel Eichstätt, Passau oder Regensburg."

    Mehr Geld ist nach den Worten des Eichstätter Medienwissenschaftlers nicht die Lösung des Problems. Auch ein Verbund wie die Verlagsgruppe Bistumspresse aus Osnabrück könne so kleinen Zeitungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr das Überleben sichern.