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Dresdner Autor Uwe Tellkamp spricht von "Gesinnungskorridor" | BR24

© dpa

Uwe Tellkamp

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    Dresdner Autor Uwe Tellkamp spricht von "Gesinnungskorridor"

    Mit einer erbitterten Polemik wendet sich der preisgekrönte, aber auch sehr umstrittene Schriftsteller gegen die "Erklärung der Vielen", die sich gegen Rassismus und Rechtsradikalismus richtet. Außerdem betreibt Tellkamp heftige Medienschelte.

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    Der umstrittene und als rechtskonservativ geltende Dresdener Autor Uwe Tellkamp hat in einem Offenen Brief die von 300 deutschen Kulturinstitutionen, darunter Opernhäuser, Orchester, Galerien und Museen, unterzeichnete "Berliner Erklärung der Vielen", die sich gegen Rassismus und Ausgrenzung richtet, harsch kritisiert. Der Schriftsteller bezeichnete den Text als "Tiefpunkt der Debatten- und Toleranzkultur" und vermutete als Ursache "Hysterie". Die Initiatoren der Erklärung wollen sich nach eigenem Bekunden an Kampagnen und Demonstrationen zur Verteidigung der offenen Gesellschaft beteiligen. Außerdem soll mit Mitarbeitern über Rassismus und andere gesellschaftliche Entwicklungen diskutiert werden, die potentiell die Demokratie gefährden könnten. Wenn einzelne Künstler oder Institutionen von Rechtsradikalen geschmäht oder gar bedroht werden, wollen die Unterzeichner künftig gemeinsam dagegen vorgehen.

    Gibt es einen "Gesinnungskorridor"?

    Tellkamp spottet in seiner Stellungnahme darüber, dass die "Erklärung der Vielen" "offenbar breiteste Unterstützung bei Medien- und Kulturschaffenden" erfahre. Polemisch vergleicht er den Text mit "Binsen" und ergänzt: "Eine solche institutionell getragene Intoleranzmaßnahme und –erklärung, ihr Auftritt allerdings mit Rettungs-Goldfolie und im Ton der lautersten Moral und Selbstgerechtigkeit, hat es seit der Biermann-Affäre nicht mehr gegeben. Das sind die Zustände, das ist das Land." Wörtlich heißt es in Tellkamps Stellungnahme: "Diese Erklärung, ein weiteres Dokument, für das sich einige der Unterzeichner vielleicht einmal schämen werden, zeigt den viel bestrittenen Gesinnungskorridor ebenso erschütternd wie deutlich. Man wolle diskutieren, Meinungen, die nicht passen, aber kein Forum bieten. Wer zieht die Grenze? Wie will man diskutieren, ohne ein Forum zu bieten?" Bereits im März hatte Tellkamp bei einer öffentlichen Debatte in Dresden von "Gesinnungsdiktatur" gesprochen, woraufhin sich der Suhrkamp-Verlag, wo seine Bücher erscheinen, von ihm distanzierte.

    Heftige Medien-Schelte

    Zu den Integrationsbemühungen von Flüchtlingen behauptet Tellkamp, der mit seinem Dresden-Roman "Der Turm" 2008 den Deutschen Buchpreis erhielt, die Assimilation sei mehr "Wunschdenken" als "Realität". ARD und ZDF, sowie einem Großteil der deutschen Zeitungen und Zeitschriften einschließlich der BILD-Zeitung, wirft der Autor unausgewogene Berichterstattung vor: "Sachsen sind nicht qua Erbanlage presse- und demokratiefeindlich. Genau das wird aber implizite unterstellt, wenn man sich so manches Presse- oder Sendeerzeugnis ansieht." Zu häufig werde von Journalisten "Ursache und Wirkung" miteinander vertauscht: "In den Sozialen Medien herrscht, soweit ich das beurteilen kann, eine ausgeglichenere Abbildung der Lage und der Meinungen als in den meisten klassischen Medien. Oft sind die Sozialen Medien ein Ventil für Stimmen, die anderswo keine Chance mehr haben, gehört zu werden."

    Werbung für die AfD?

    Konkret verteidigt Tellkamp mit seiner ersten politischen Äußerung seit langem die Dresdener Buchhändlerin Susanne Dagen, die dafür kritisiert wird, dass sie im Netz gemeinsam mit Rechtsextremen ein Diskussionsforum unter dem Titel „Aufgeschlagen. Zugeschlagen. Mit Rechten reden.“ betreibt. Das interpretieren viele Kulturschaffende in der sächsischen Landeshauptstadt als Werbung für die AfD. Dazu meint Tellkamp: "Es ist alles leider nicht so einfach. Und nur, weil Dagen und ich uns erlauben, nicht mit Scheuklappen durch unsere Wirklichkeit zu gehen, sind wir nicht zum Abschuss freigegeben."