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Interviews, Analysen, Gelaber: die besten Musik-Podcasts | BR24

© Audio: BR/ Bild: Grzegorz von Pexels

Ohne Musik über Musik: Die Musik-Podcasts "Reflektor", "Quarantäne" und der "PULS Musikanalyse".

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Interviews, Analysen, Gelaber: die besten Musik-Podcasts

Musik-Podcasts haben es schwer in Deutschland. Mit "Reflektor", "Quarantäne" und der "PULS Musikanalyse" gibt es aber drei herausragende Formate, die zwar so gut wie keine Musik bringen, aber viel zum Mitnehmen bieten – und bestens unterhalten.

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Von
  • Hardy Funk

Podcasts über Musik sollten eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Immerhin kann man Musik – anders als etwa Kunstwerke oder Theaterstücke – auch einfach hören. Tatsächlich sind Podcasts über Musik aber so gut wie ein Ding der Unmöglichkeit. Denn noch fehlt ein Podcast-taugliches Gebührenmodell der Musik-Verwertungsgesellschaft GEMA. Was dazu führt, dass in Podcasts de facto nie mehr als 3 Sekunden Musik zu hören sind – außer natürlich GEMA-freie Musik. Und so ist, was theoretisch selbstverständlich sein sollte, praktisch fast unmöglich: Einen guten Musik-Podcast zu machen. Ein paar Ausnahmen gibt es mittlerweile trotzdem, auch ohne Musik. Und die sind nicht nur okay, sondern ziemlich fantastisch.

"Reflektor": Interviews unter Musikern

Zugegeben, die Idee hinter "Reflektor" – Interviews mit Musikern – klingt nicht besonders originell. Aber so in die Tiefe gehend gibt es das doch nur selten: Bis zu zwei Stunden spricht Jan Müller, hauptberuflich Bassist der Rockband Tocotronic, mit Musikern über deren Leben und Werk. Man erfährt, wie die Mutter von Gangster-Rapper Xatar auf dessen frauenfeindliche Textzeilen reagiert hat. Wie die Techno-DJ und -Produzentin Helena Hauff vom Kassetten-Hören zum Schallplatten-Auflegen fand. Oder wie Alphaville ihren Welthit "Forever Young" aufgenommen haben.

© Tina Zellmer / Viertausendhertz

Von Musiker zu Musiker: Jan Müller und sein Podcast "Reflektor"

Interviews, die sich wirklich Zeit nehmen für die Geschichten hinter den Songs und Musiker-Images. Die Idee dazu kam Jan Müller, weil er selbst gern Podcasts hört. Und weil Podcasts für ihn einen Do It Yurself Aspekt haben: "Das erinnert mich so ein bisschen an meine Jugend, wo ich zusammen mit dem Schlagzeuger meiner Band, Arne Zank, so Fanzines gemacht habe. Das waren kleine kopierte Heftchen mit Musik-Artikeln. Und ich finde in der Podcast-Szene weht ein ganz ähnlicher Wind im Moment. Man kann da mit viel Begeisterung und wenig Aufwand das machen, was einen begeistert."

Vielleicht sind die Gespräche bei Reflektor auch deshalb so gut, weil Jan Müller als Musiker einen anderen Zugang zu seinen Gästen hat – und diese zu ihm. Denn, so Müller: "Meist sind das ja Gespräche unter Kollegen. Das ist ganz interessant, weil die Gäste mir doch viel Vertrauen schenken. Das freut und wundert mich schon ein bisschen." Neben erwartbaren Namen lädt er auch immer wieder Musiker ein, die weit über den Dunstkreis der eigenen Band hinausgehen: Die Elektropop-Pioniere Yello etwa, die Rapperin Hayiti, die Kunstlied-Sängerin Sarah Maria Sun. Man darf gespannt sein, wer noch alles vorbeischaut bei Reflektor.

© XATAR, SSIO

Die Pandemie durch die Brille zweier Gangster-Rapper betrachten: Xatar und SSIO mit ihrem Podcast "Quarantäne".

"Quarantäne": Draufloslabern in Pandemiezeiten

Auch die Rapper Xatar und SSIO haben einen Podcast gestartet – wegen Corona hatten sie unerwartet viel freie Zeit. In "Quarantäne" labern die beiden Bonner Gangster-Rapper einfach drauflos über ihren Alltag in der Pandemie: Über Probleme mit dem WLAN. Über reiche Nachbarn, die Verschwörungserzählungen verbreiten. Oder über das Problem, wie man jetzt seine Wäsche wäscht.

"Quarantäne" hören ist, als würde man mit seinen Jugendfreunden auf einer gammeligen Couch abhängen und sich gegenseitig Geschichten von früher erzählen. Der Podcast lebt vom Humor der beiden – SSIO gilt nicht umsonst als witzigster Gangster-Rapper Deutschlands. Er und Xatar setzen sich aber auch mit den aufkommenden Verschwörungserzählungen auseinander – die sie für Quatsch halten. Leider pausiert der Podcast seit dem Sommer. Vielleicht haben Xatar und SSIO aber ja bald wieder Langeweile?

Anmerkung 04.01.: Tatsächlich: Seit heute ist eine neue Folge online!

© BR

Packen die großen Musik-Themen an: Fridl Achten und Tamara Güclü mit ihrem Podcast "PULS Musik Analyse"

"PULS Musikanalyse": Blick über den eigenen Tellerrand

Sind Musikpreisverleihungen ein Grund zum Feiern oder nur noch zum Fremdschämen? Ist es legitim, wenn Musiker gecancelt werden? Warum finden Verschwörungserzählungen gerade unter Musikern so viel Anklang? Fragen, die die "PULS Musikanalyse" versucht zu beantworten. Den Youtube Kanal PULS Musik Analyse mit Fridl Achten gibt es schon länger. Jetzt macht Fridl zusammen mit Tamara Güclü auch einen Podcast.

Und der unterscheidet sich deutlich: Statt kurzer Portraits von Musikern gibt es im Podcast etwa eine Stunde Diskussion zu einem Thema – unterstützt von einem zusätzlichen Experten aus der PULS Musikredaktion. So verkopft und vermint die Themen auch scheinen: Fridl, Tamara und ihr jeweiliger Gast bleiben stets auf dem Level eines lockeren Plauschs unter Freunden – die zufällig absolute Musiknerds sind.

Etwas lernen und dabei gut unterhalten werden: Das schaffen alle drei Musik-Podcasts – auf je eigene Weise.

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