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Drei Gründe, die Caravaggio-Ausstellung in München zu besuchen | BR24

© Vatikanstadt, Musei Vaticani, Pinacoteca Vaticana

Caravaggio "Die Grablegung Christi" (1602/03) - Ausschnitt

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Drei Gründe, die Caravaggio-Ausstellung in München zu besuchen

Caravaggio: Der Künstlername steht für Michelangelo Mersi, für schonungslosen Realismus und dramatische Lichtführung. Der Stil inspiriert junge Künstler aus Holland und ganz Europa, wie jetzt die Ausstellung "Utrecht, Caravaggio und Europa" zeigt.

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Hätte Caravaggio in einer Band gespielt, es wären die Sex Pistols gewesen. Denn Caravaggio, im Italien des ausgehenden 16. Jahrhunderts zuhause, war nicht nur einer der spektakulärsten Maler seiner Zeit, sondern auch der radikalste. Durch extreme Hell-Dunkel-Kontraste schuf er elektrisierende Szenen. Und hatte dabei keine Scheu, die Welt zu zeigen, wie sie ist: dreckig, lüstern, morbid. Dieser Stil Caravaggios beeindruckte. In Holland bildete sich eine ganze Nachahmer-Szene heraus: die Caravaggisten.

Die Alte Pinakothek in München widmet bis zum 21. Juli die Sonderausstellung „Utrecht, Caravaggio und Europa“ dem Skandal-Maler aus dem Frühbarock und dessen zahllosen Adepten in Holland und Europa. Es gibt drei gute Gründe, warum Sie diese Ausstellung sehen sollten:

1. Blockbuster der Malerei

Gewöhnlich hängt Caravaggios „Die Grablegung Christi“ in den Vatikanischen Museen in Rom. Das Bild zeigt das weite Spektrum des Schmerzes und der Trauer, als die Angehörigen den Leichnam Jesu zu Grabe lassen. Das Gemälde gilt als eines der Meisterwerke Caravaggios Es war von Napoleon zwischenzeitlich nach Paris verfrachtet worden, bevor es ab 1817 zurück in päpstlichen Besitz gegeben wurde. In München ist das Monumentalwerk nun deutschlandweit zum überhaupt ersten Mal zu sehen.

2. Caravaggios Einfluss auf Europa

Für eine Handvoll junge Maler aus Holland veränderten die Bilder Caravaggios komplett ihre Herangehensweise zur Malerei. Die eindrücklichen Farbkontraste, die Dramatik der Komposition, der schonungslose Realismus. Hendrick ter Brugghen, Gerard van Honthorst und Dirck van Baburen adaptierten den Malstil des mit 39 Jahren verstorbenen Meisters, brachten ihn nach Holland, von wo aus er in ganz Europa Wellen schlug. Die Ausstellung stellt die Bilder Caravaggios den Arbeiten seiner Nachahmer gegenüber und unterstreicht so dessen immense Wirkkraft für die europäische Geschichte der Malerei.

© bpk / Staatliches Museum Schwerin / Gabriele Bröcker

HENDRICK TER BRUGGHEN: DIE BEFREIUNG PETRI, 1629, Ausschnitt

3. Hochemotionale Szenen übersetzt in Musik

Welche Wirkung haben diese Bilder auf den heutigen Betrachter? Ist für uns neben einer symbolischen Lesart etwa einer Kreuzigungsszene auch eine unmittelbar emotionale möglich? Um diesen Effekt auch in einer Museumssituation wieder stärker zu provozieren, haben Studenten der Münchner Musikhochschule 60 Musikstücke zu den einzelnen Gemälden komponiert. Im Audioguide sollen die kleinen Stücke helfen, dem ursprünglichen Geist der Bilder näherzukommen.

© National Gallery of Art, Washington, Patrons' Permanent Fund and Florian Carr Fund

GERARD VAN HONTHORST, DAS KONZERT, 1623

Die Ausstellung "Utrecht, Caravaggio und Europa" ist bis 21. Juli in der Alten Pinakothek München zu sehen.

© Bayern 2

"Utrecht, Caravaggio und Europa" - Stefan Mekiska besucht die Ausstellung und spricht mit dem Kurator der Schau, Bernd Ebert.

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