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Davon träumen junge Mädchen und Frauen | BR24

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Dass sie immer im Sportunterricht Bodenturnen muss - das nervt, findet die 13-jährige Anna Schiller. STATIONEN trifft alle drei Frauen-Generationen ihrer Familie und dabei wird schnell klar: "Typisch Frau?" ist keine Frage des Alters.

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Davon träumen junge Mädchen und Frauen

Dass sie immer im Sportunterricht Bodenturnen muss – das nervt, findet die 13-jährige Anna Schiller. STATIONEN trifft drei Frauen-Generationen einer Familie und stellt fest: "Typisch Frau?" ist keine Frage des Alters.

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Zuhause bei Familie Schiller in Oberasbach bei Nürnberg. Großmutter Renate aus Fürth ist zu Besuch, ihre beiden Enkelinnen Anna (13) und Clara (16) stehen in der Küche und backen Muffins. Auf den ersten Blick repräsentieren die Schillers drei ganz typische Frauengenerationen: Renate Schiller, Jahrgang 1941, blieb als Hausfrau bei den vier Kindern. Ihre Tochter Kathi arbeitet in Teilzeit als Realschul-Lehrerin und Clara und Anna sind selbstbewusste Schülerinnen, die in ihrer Freizeit für den Klimaschutz demonstrieren.

Anna und Clara füllen den klebrigen Muffin-Teig in die Förmchen, fürs Backen begeistern sich bei den Schiller-Frauen nur die Jüngsten, Mama und Oma schauen lieber vom Esstisch aus zu. Renate Schiller hat eine eher pragmatische Einstellung zur Küchenarbeit. Auf Werbe-Sprüche wie "Verwöhnen Sie ihre Lieben jeden Tag mit einem anderen Rezept" reagiert sie allergisch: "Ich finde das schrecklich, ich habe eher sachlich notwendig gekocht, Hauptsache es gibt Kartoffeln." Und wenn schon Kuchen, dann stellt sie ihn mit viel Liebe "her", sagt die 78-Jährige. Und zwar von der Gefriertruhe auf den Tisch.

Stark, selbstbewusst und unabhängig

Backen: Für die Schillers ist das schon mal nicht "typisch" Frau – sondern reine Geschmackssache. Aber was ist es dann? Typisch Frau, sagt Kathi Schiller, ist für sie das Soziale: "Dass wir miteinander reden, dass wir Sachen reflektieren, die Gemeinschaft, das Netzwerk." Für ihre Mutter ist es die Fähigkeit zum Multitasking. Und Anna und Clara sagen, dass die beiden älteren Schillerfrauen ihnen vorleben, was typisch Frau sein sollte: "Dass Frauen stark sind, dass Frauen selbstbewusst sind, ihre eigene Meinung haben und unabhängig sind."

Typisch Frau sollte es auch sein, nicht immer in Schubladen gesteckt zu werden, findet Anna: Das Klischee, Mädchen mögen keinen Fußball, nervt sie total: "Wir müssen jede Stunde Bodenturnen und die Jungs dürfen jede Stunde Fußball spielen, das regt mich echt auf." Ihre Mutter regt das Klischee der modernen "Super-Frau" auf, die locker alles gleichzeitig gebacken kriegt: Karriere und Familie.

Typisch Schiller-Frau: kritisch und politisch

Diesen Familien-Job-Vereinbarkeits-Stress kennt ihre Mutter Renate nicht: Als sie Anfang der 60er-Jahre heiratete und Kinder bekam, gab sie ihren Beruf als Lehrerin auf. Ein Heimchen am Herd war die Pfarrersfrau aber mitnichten. Renate Schiller nahm und nimmt an Demos und Diskussionen teil, engagierte sich in den 80er-Jahren bei der Südafrika-Boykott-Bewegung und beim Weltgebetstag der Frauen, der ältesten und größten Frauenbewegung weltweit, mischt sie bis heute mit.

Mit ihrem Engagement ist sie den anderen Schiller-Frauen ein großes Vorbild. Anna und Clara waren erst vor ein paar Tagen wieder in Nürnberg für den Klimaschutz demonstrieren. Auch Kathi Schiller fuhr schon als Schülerin mit einer Jugendgruppe nach Wackersdorf, heute leitet sie an ihrer Realschule eine Anti-Rassismus-AG. Seit 30 Jahren Jahren kommentiert sie die Unwegsamkeiten des Frauseins mit ihrem musikalischen Frauenkabarett "Die Avantgardinen".

Typisch Frau: Bei allen drei Schiller-Generationen heißt das also: kritisch, engagiert und politisch sein. Und wovon träumen die vier Frauen? "Vielleicht ist mein Traum, dass es die Frage nach Gleichberechtigung nicht mehr geben muss, weil es selbstverständlich geworden ist, dass jeder machen kann was er will", meint Anna. Ihre Schwester Clara wünscht sich, dass es nicht gesetzt ist, dass nur Frauen alles unter einen Hut bringen müssen, sondern dass es in der Familie besprochen wird, was für alle am besten ist. Renate Schiller träumt von einer familienfreundlicheren Arbeitswelt. Und Kathi Schiller wünscht sich für ihre Töchter, dass ihnen möglichst viel offen steht ohne in feste Rollenbilder gedrängt zu werden: "Ich habe ein bisschen Angst, dass das Frauenbild in der Gesellschaft wieder enger wird, traditioneller." Ihr Traum: Dass ihren Töchtern all die Freiheit erhalten bleibt, die ihre Generation so genießt.

Mehr zum Thema "Typisch Frau" am Mittwoch, 22. Mai 2019 in STATIONEN im BR-Fernsehen, oder im Anschluss in der Mediathek.