BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Down-Syndrom bei Zwillingen: Voneinander lernen und sich stärken | BR24

© BR/ Stationen

Zoe und Maya sind Zwillingsschwestern.

Per Mail sharen

    Down-Syndrom bei Zwillingen: Voneinander lernen und sich stärken

    Zoe und Maya sind Zwillingsschwestern. Die werdenden Eltern freuten sich sehr auf beide Kinder, bis sie bei einer Untersuchung erfahren, dass sich eines anders entwickelt. Plötzlich standen die Eltern vor der schwierigsten Entscheidung ihres Lebens.

    Per Mail sharen

    Zoe und Maya Engelhart sind zwei aufgeweckte und fröhliche Mädchen, die beide gerne lachen. Sie sind sich sehr ähnlich, sagen die zweieiigen Zwillingsmädchen aus Neusäß bei Augsburg über sich selbst. Und doch könnten sie nicht unterschiedlicher sein: Maya hat das Down-Syndrom, Zoe nicht.

    Diagnose mit Folgen

    Kinder wie Maya sind in Deutschland selten geworden. 90 Prozent der Embryonen, bei denen der Verdacht auf Trisomie 21 besteht, werden während der Schwangerschaft abgetrieben.

    Auch für Familie Engelhart stand dieses Thema im Raum, als sich in der elften Schwangerschaftswoche herausstellte, dass etwas nicht stimmt.

    Die werdenden Eltern erlebten die ganze Maschinerie der Pränataldiagnostik. Vor allem die Gespräche über eine mögliche partielle Abtreibung waren schrecklich für das Paar.

    "Maya hätte dann eine Natriumchloridspritze ins Herz bekommen, dabei hätte ich auf dem Bildschirm zugucken dürfen. Und dann wäre sie in meinem Mutterleib verstorben und ich hätte sie aber weiterhin austragen müssen die ganze Schwangerschaft. Zur Geburt wären beide geboren worden, das eine Kinde lebendig, das andere tot." Sandra Engelhart, Mutter der Zwillinge

    Undenkbar für Sandra Engelhart und ihren Mann. Ebenso wie die Vorstellung, jeden Geburtstag des gesunden Kindes mit einem dunklen Schatten zu feiern.

    Ein Gespräch bei einer Schwangerschaftsberatung macht den Engelharts klar: Sie wollen beide Kinder bekommen.

    In Deutschland gibt es etwa 50.000 Menschen mit Down-Syndrom. Sie haben 47 statt der üblichen 46 Chromosomen, weil das Chromosom Nr. 21 dreifach statt doppelt vorhanden ist. Das kann zu verschiedenen geistigen und körperlichen Besonderheiten führen. Bei zweieiigen Zwillingen ist es höchst unwahrscheinlich, dass beide das Down-Syndrom haben.

    Voneinander lernen

    Einige Monate später kommen die Zwillinge zur Welt. Maya hatte einen Herzfehler und musste in den ersten Monaten operiert werden. Inzwischen sind Zoe und Maya zwölf Jahre alt und entwickeln sich prächtig: Zoe geht aufs Gymnasium, Maya auf eine Förderschule. Maya darf einmal in der Woche zur Reit-Therapie auf den Ziegelhof, manchmal begleitet ihre Schwester sie. Dann ist Zoe oft ein bisschen eifersüchtig, dass sie nicht reiten darf, aber sie weiß, die Therapie tut Maya gut, um ihr Selbstbewusstsein zu fördern.

    Doch am Wichtigsten für Mayas Entwicklung ist ihre Schwester, denn Zoe schont Maya nicht, ist immer ehrlich und direkt zu ihr. Doch auch Zoe lernt von ihrer Schwester, erzählen die Eltern.

    "Beide profitieren auf ihre Art. Maya kann unheimlich viel lernen von Zoe und macht nach, was sie kann. Und Zoe ist sehr empathisch, sie kann sich wunderbar in andere hineinversetzen." Sandra und Uwe Engelhart, Eltern der Zwillinge

    Früher hatten die beiden Mädchen sogar eine Art Geheimsprache: Die Engelharts nannten sie "Mayisch". Auch heute noch verbringen die Zwillinge viel Zeit miteinander, spielen gemeinsam und haben ähnliche Interessen.

    Trotzdem ist es nicht immer einfach für die Familie, vor allem für Zoe, die manchmal hinter den Bedürfnissen ihrer Schwester mimt Behinderung zurückstehen muss. Doch Engelhardts achten darauf, beiden Mädchen die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken.

    Die ganze Familie ist glücklich über den unbekümmerten und unvoreingenommenen Blick, den Maya ihnen auf die Welt zeigt.

    "Maya macht einfach und denkt nicht bei allem so viel drüber nach: 'Was meinen denn die anderen dazu?' Das ist sehr befreiend. Wir sind 'Gegen-den-Strom-Schwimmer' geworden." Sandra und Uwe Engelhart, Eltern der Zwillinge

    Der Newsletter von BR Religion bringt jeden Freitag die neuesten Nachrichten, Themen und Sendungen aus der Redaktion Religion und Orientierung in Ihre Mailbox. Hier geht’s zur Anmeldung!