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Zum Tod von Doris Day: Amerikas Sauberfrau | BR24

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Sie war die Anti-Monroe, Amerikas Prototyp der Sauberfrau, der Hollywoodstar next door: Doris Day. Von der Leinwand hatte sie sich schon lang verabschiedet, ihren letzten Film hatte sie 1968 gedreht. Jetzt ist sie im Alter von 97 Jahren gestorben.

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Zum Tod von Doris Day: Amerikas Sauberfrau

Sie war die Anti-Monroe, der Hollywoodstar next door: Doris Day. Von der Leinwand hatte sie sich schon lang verabschiedet, ihren letzten Film 1968 gedreht. Jetzt ist die Schauspielerin und Sängerin im Alter von 97 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

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Sie war ein wilder Feger. Sie war erst 19, als 1942 ihr Sohn Terry zur Welt kam. Bereits seit gut zwei Jahren zog die junge deutschstämmige Sängerin Doris Kappelhoff da schon durch amerikanische Bars und Clubs. Und nachdem sie 1944 mit "Sentimental Journey" ihren ersten Nummer-Eins-Hit landen konnte, bekam sie den Künstlernamen Doris Day verpasst. Spätestens ab da war die junge Frau eine gefragte Sängerin in der Jazz-Szene: Doris Day arbeitete unter anderem mit Frank Sinatra und Bob Hope zusammen, dann, 1948, sprang sie für die erkrankte Hauptdarstellerin im Kino-Musical "Zaubernächte in Rio" ein.

Es war der Beginn ihrer Filmkarriere. An ihrer Seite agierte der Gelegenheitsschauspieler Oscar Levant. Vier Jahre später, als Doris Day kein wilder Feger mehr war, sondern das Image einer etwas prüden Hausfrau zu erfüllen hatte, prägte er den schönen Satz: "Ich kannte sie, bevor sie Jungfrau wurde."

Ein Leben mit 30 Hunden

2012, kurz vor ihrem 90. Geburtstag, schickte ich Doris Day ein Fax nach Carmel an ihren kalifornischen Wohnort, wo sie in den 90er-Jahren begann, ein kleines Hotel zu betreiben, und ich fragte, ob ich sie interviewen könne. Ich wollte auch wissen, wann sie nun wirklich geboren wurde: 1922 oder 1924. Ersteres gilt inzwischen als wahrscheinlich, aber absolut ist es eben nicht. Ein Angestellter schrieb zurück, Doris spreche nicht mehr mit der Presse, sondern nur noch mit ihren Tieren. Sie lebe mit rund 30 Hunden zusammen und engagiere sich für den Tierschutz.

Wie erinnert sich Doris Day selbst an ihr Leben? In ihrer Biografie heißt es:

"Ich wurde als ein noch junges Ding verheiratet mit einem psychopathischen Sadisten, und nach dem Tod meines dritten Ehemannes, mit dem ich immerhin 17 Jahre lang gern zusammen gewesen war, stellte ich fest, dass er nicht nur all die Millionen, die mir gehörten, zum Fenster rausgeschmissen hatte – nein, er hatte mir auch noch eine halbe Million Dollar Schulden hinterlassen. Ja, hier spricht Amerikas gli-gla-glückliche Jungfrau."
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Die legendäre Hollywood-Schauspielerin und Sängerin Doris Day ist tot. Sie sei im Alter von 97 Jahren gestorben, teilte ihre Stiftung mit.

Ich mochte ihren selbstironischen Humor – auch in den vertrackt-schamhaften Schlafzimmerkomödien mit Rock Hudson, die in Deutschland in den 70er-Jahren im Nachmittagsprogramm liefen, als jugendfrei galten und das Image von Doris Day als erotischer Sauberfrau festigten. Sie war Anfang der 60er-Jahre der größte weibliche Star Hollywoods. Dabei besaß die strahlende Blondine, die in ihren Filmen so wunderbar energiegeladen präsent sein konnte, durchaus neurotische Züge und dunkle Geheimnisse. Alfred Hitchcock war der Einzige, der diese Bewusstseinsebenen freilegte: in dem Thriller "Der Mann, der zu viel wusste", an der Seite von James Stewart. Doris Day sang hier erstmals ihren größten Ohrwurm "Que sera, sera".

Auf ihre Art war Doris Day aufregender als die Monroe. Sie gab die Anti-Monroe, sie lebte deutlich selbstbestimmter und zog sich – wie sie das formulierte – nie aus, weil sie das nicht nötig hatte.

"Ich tanzte nie durch männliche Fantasien – zumindest nicht nackt und ich glaube, dass ich deshalb Attribute wie prüde, langweilig oder unbekümmert angeklebt bekam. Und da kleben sie heute noch. Ich gehöre zu den wenigen Frauen im Filmgeschäft, die darauf verzichteten, ihre Bedeutung oder Wirkung durch das Eingehen auf die Wünsche eines Mannes zu erzielen. Ich war eine gradlinige, sonnige, verkappte Vorstadt-Emanze."

Nun ist Doris Day in ihrem Haus in Carmel gestorben.

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Autor
  • Moritz Holfelder
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