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Berufung Dorfhelferin: Zwischen Rindern und Kindern | BR24

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Dorfhelferin Dina Haas

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    Berufung Dorfhelferin: Zwischen Rindern und Kindern

    Dina Haas ist Dorfhelferin. Wenn eine Bäuerin krank wird oder dringend Unterstützung benötigt, ist sie da. Sie hilft nicht nur im Stall, sondern auch im Haushalt und bei der Betreuung der Kinder. Warum Dina ihre Berufung auf dem Dorf gefunden hat.

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    Kurz vor halb 6 Uhr morgens beginnt der Tag für Dina Haas. Sie springt ein für eine Bäuerin, die sich im Stall den Fuß gebrochen hat. Plötzlich fehlen zwei starke Hände am Hof und die Kühe warten nicht. Also übernimmt Dina vorerst das Ausmisten und Melken.

    Hilfe auf dem Hof und im Haus

    Dina ist selbst am Hof groß geworden, dieser Erfahrungsschatz hilft ihr heute in ihrem Beruf. Das benötigte Wissen hat sie in drei Jahren Hauswirtschaftsschule und anschließend in zwei Jahren Fortbildung mit viel Praxis gelernt. Dass sie mal Dorfhelferin werden würde, war für die 22-Jährige aus dem Oberallgäu nicht immer klar. Heute sieht sie ihre Aufgabe als Berufung.

    "Einmal war mein Traum Floristin, dann Tierarzthelferin, als ganz kleines Kind Bäuerin. Dann hab' ich Hauswirtschafterin gelernt und da bin ich dann draufkommen, dass ich noch Dorfhelferin machen könnt. Jetzt hab' ich alles: was mit Blumen, mit Kindern und mit Viechern. Ich hab' jetzt eigentlich alles." Dina Haas, Dorfhelferin

    Der Bauernfamilie entstehen keine Kosten. Die Unterstützung durch Dina übernimmt die Krankenkasse. Häufig fallen die Bäuerinnen wegen Verletzungen aus, aber auch bei einer schwierigen Schwangerschaft oder – immer häufiger – bei psychischen Erkrankungen ist Dina Haas eine wichtige Hilfe.

    Harte Arbeit mit viel Feingefühl

    Sie muss schnell zurechtkommen. Nicht nur im Stall, auch im Haus und mit den Menschen, die alle unterschiedliche Vorstellungen und Gewohnheiten haben. So hilft Dina auch bei Familien mit kleinen Kindern und spielt mit ihnen, wenn sich zum Beispiel die Mutter in ihrer Elternzeit verletzt hat. Für kurze Zeit wird die junge Frau ein Teil der Familie und sie muss sich dem Rhythmus anpassen.

    Für Dina Haas und die Menschen, denen sie hilft, ist jeder Tag eine neue Herausforderung. Denn einen fremden Menschen im eigenen Haus zu haben, ist nicht immer einfach für die selbstständigen Bäuerinnen. "Man muss das annehmen", sagt Bäuerin Christine Enderle, auch wenn es am Anfang komisch ist. "Aber man lernt dann auch draus – sie hat ja auch gekocht und das ist ganz interessant, wenn jemand kommt und etwas anders macht."

    "Man bekommt viel zurück"

    Der Verdienst einer Dorfhelferin entspricht etwa dem einer Erzieherin. Vielen ist das zu wenig. "Manche sagen, es ist krass mit der Arbeitszeit, du musst einiges zurückstecken", sagt Dina. Denn sie ist viel mit dem Auto unterwegs, muss früh raus oder kommt erst spät nach Hause. Doch sie nimmt es gelassen: "Ich hab echt viele schöne Einsätze."

    Dabei nimmt sie auch in Kauf, dass sie auch mal auf wenig Offenheit und Sympathie stößt. "Es gibt auch Menschen, mit denen man nicht so warm wird, das ist dann aber auch kein Horror, das überlebt man schon." Dina Haas spürt die Sicherheit, dass sie von den meisten Begegnungen in ihrem Beruf viel zurückbekommt. "Dorfhelferin ist nicht nur ein Beruf. Man sagt, dass es eine Berufung ist. Entweder einem liegt das und man geht darin auf - oder man muss wieder aufhören, wenn's nix ist."

    Mehr über die Dorfhelferin erfahren Sie in STATIONEN vom Mittwoch, den 17. Juli 2019 in der BR Mediathek.