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Neben einer Minnie-Maus steht ein Mann mittleren Alters

Der Disney-Chef Bob Chapek

Bildrechte: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Kin Cheung
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    "Don’t Say Gay"-Gesetz in Florida: Disney-Konzern unter Druck

    Schluss mit Diskussionen über sexuelle Orientierung in der Schule: Weil sich der Disney-Chef nicht gegen ein LGBTQ-feindliches Gesetz in Florida ausspricht, kommt es zu Boykottaufrufen. Selbst die Enkelin eines der Gründer zeigt sich entsetzt.

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    Manchmal ist Schweigen eben nicht "Gold", wie gerade der Disney-Konzern in den USA erfahren muss: Dort hatte sich der Vorstandschef des Unternehmens, Bob Chapek, zunächst geweigert, zu einem umstrittenen Gesetzesvorhaben in Florida klar Stellung zu beziehen – der sogenannten "Don’t Say Gay"-Gesetzgebung, und damit den Zorn vieler Bürgerinnen und Bürger, der LGBTQ -Community und vieler Angestellten des Unternehmens auf sich gezogen.

    Das höchst umstrittene und landesweit kontrovers diskutierte Gesetzesvorhaben würde in Kindergärten und an Schulen des US-Bundesstaates bis zur dritten Jahrgangsstufe verbieten, dass es Diskussionen über sexuelle Orientierungen und Geschlechteridentität gibt. Unterricht in diesen Themengebieten wäre in höheren Klassen auch nur dann erlaubt, wenn er altersgerecht oder der Entwicklung der Kinder angemessen wäre. Eine eher vage Definition. Eltern betroffener Schüler könnten zudem klagen, wenn sie einen Verstoß dagegen sehen.

    Nur der Ex-Disney-Chef kritisierte zunächst "Don’t Say Gay"

    "Don’t Say Gay“ wurde bereits am 24. Februar durch das Repräsentantenhaus in Florida verabschiedet. Einen Tag danach äußerte sich der ehemalige Disney-Chef Robert Iger kritisch auf Twitter. Ein solches Gesetz würde junge LGBTQ-Menschen "in Gefahr" bringen.

    Im Disney-Konzern gab es, so berichtet die New York Times, seitdem Drück auf den aktuellen Chef, sich auch entsprechend zu positionieren, zumal Disney gut 80.000 Personen in dem Bundesstaat beschäftigt und zu den einflussreichsten Unternehmen in dem Bundesstaat zählt. Auch Angestellte in mehreren Unternehmensteilen, etwa bei Lucasfilm in San Francisco oder Walt Disney World in Florida, hätten sich mittlerweile bei ihren Vorgesetzen deswegen beschwert, so der Bericht der New York Times weiter .

    Doch zu all dem wollte man bei Disney offenbar zunächst lieber schweigen. Zur Begründung hieß es, Statements von Unternehmen würden wenig bewirken, um ein Ergebnis oder die Gesinnungen zu verändern. Stattdessen würden sie von der einen oder anderen Seite als Waffe benutzt werden, um eine Spaltung weiter voranzutreiben. Dazu kam heraus, dass Disney offenbar in der Vergangenheit Geld an zahlreiche Politiker gespendet hatte, darunter auch an die Unterstützer des Gesetzes.

    Auf Twitter trendete zwischenzeitlich unter #BoycottDisney Kritik am Verhalten des Konzerns. Sogar Abigail Disney, eine Enkelin der Gründer des Unternehmens, zeigte sich entsetzt, dass das Unternehmen offenbar denke, es könne einfach wegsehen, und attestierte einen "fehlerhaften moralischen Kompass". Die Los Angeles Times kommentiert das Verhalten als "neuen Standard für unternehmerische Feigheit". Disney habe sich in eine hausgemachte Krise manövriert.

    Mittlerweile versucht der Konzern die Wogen wieder zu glätten. Da man seit Jahrzehnten starker Unterstützer der Community sei, verstehe er die Verärgerung vieler, weil man sich nicht von Anfang an gegen das Gesetzesvorhaben ausgesprochen habe, sagte Chapek bei einem Treffen mit Aktionären des Unternehmens am Mittwoch dieser Woche. Er verkündete dabei, man werde fünf Millionen Dollar an Organisationen spenden, die LGTBQ+-Rechte einsetzen. Darunter auch an die Human Rights Campaign, die sich aber vorerst weigerte, das Geld anzunehmen.

    Die "Don’t Say Gay"-Gesetzesvorlage passierte diese Woche den Senat in Florida und liegt nun zur Unterschrift beim republikanischen Gouverneur Ron DeSantis. Chapek will sich nun persönlich mit DeSantis, treffen, um über das Gesetz zu sprechen. Der hat allerdings schon signalisiert, dass er sich davon nicht umstimmen lassen will.

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