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Vier Film-Highlights vom Münchner DOK.fest 2019 | BR24

© Mindjazz Pictures

Szene aus "The Whale and the Raven"

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Vier Film-Highlights vom Münchner DOK.fest 2019

Dokumentationen sind Miniaturen der Wirklichkeit. In München gibt es davon Jahr für Jahr im Mai quasi eine Best-Of-Sammlung: beim Filmfestival DOK.fest. Die kinokino-Redaktion empfiehlt diese vier Beiträge.

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"The Whale and the Raven" von Mirjam Leuze

Michaela May führt uns im Eröffnungsfilm des Festivals an die Westküste von Kanada. "The Whale and the Raven" erzählt von einem bedrohten Paradies für Wale. Ein Fjord am Pazifik, an dem Walforscher seit zwei Jahrzehnten die sanften Riesen beobachten. Hier gibt es Orcas, aber seit einigen Jahren auch wieder die riesigen Buckelwale, deren Gesänge mit Unterwassermikrofonen im Fjord aufgezeichnet und den Walfamilien zugeordnet werden. Aber in dieses Walparadies kracht nun die Industrie und will Supertanker mit Flüssiggas-Transporten durch den Fjord schicken. Die Folge: Lärm, Stress und Gefahr für die gesamte Tierwelt. "The Whale and the Raven" ist kein kämpferischer Dokumentarfilm im Stile von Michael Moore, sondern eine stille, meditative Hymne darauf, im Einklang, im Respekt mit der Natur zu leben. Ein leiser und zugleich berührender Weckruf, was unseren Umgang mit dem Planeten angeht.

© BR

Mit "The Whale and the Raven" eröffnete das DOK.fest dieses Jahr. Der Film erzählt von einem bedrohten Paradies für Wale: einem Fjord am Pazifik, an dem Walforscher seit zwei Jahrzehnten die sanften Riesen beobachten.

bundesweiter Kinostart: 05. September 2019

"Die Rote Linie – Widerstand im Hambacher Forst" von Karin de Miguel Wessendorf

Der Hambacher Forst ist seit Jahren eine Kampfzone. Baumhaus-Aktivisten und empörte Bürger machen seit Jahren gegen den Energieriesen RWE und den Braunkohle-Tageabbau mobil. Der Dokumentarfilm "Die Rote Linie" liefert hautnah die Bilder zu den nüchternen Meldungen aus den Nachrichten. Regisseurin Karin de Miguel Wessendorf begann ihre Dreharbeiten bereits 2015. Es geht um den enormen CO2-Ausstoß, der beim Verbrennen von Braunkohle zur Stromgewinnung freigesetzt wird. Und um Natur- und Landschaftszerstörung, die in der Gesellschaft große Gräben aufgerissen hat. Ganze Dörfer müssen weichen, nur Wenige harren trotzig aus. Erst werden die Häuser abgerissen, dann kommt der Tagebau-Bagger. Die Rodung des Hambacher Forsts ist zwar bis 2020 gestoppt, die Fronten aber sind verhärtet. "Die Rote Linie – Widerstand im Hambacher Forst" stellt sich klar auf die Seite der Wald- und Klimaschützer. Der Film erklärt ihre Motive, rüttelt auf, ist politisch – und ein Beispiel dafür, wie dicht dran am aktuellen Geschehen Dokumentarfilme sein können.

© BR

Seit Jahren ist der Hambacker Forst eine Kampfzone gegen den Braunkohle-Tagebau. Nicht nur eingefleischte, teils Militante Aktivisten machen gegen den Energieriesen RWE mobil, sondern auch empörte Bürger.

bundesweiter Kinostart: 23. Mai 2019

"Push – Für das Grundrecht auf Wohnen" von Fredrik Gertten

Am eigenen Leib bekommen auch immer mehr Menschen das zu spüren, was der Film "Push – Für das Grundrecht auf Wohnen" aufgreift: Es geht um die stetig steigenden Kosten auf dem Immobilienmarkt. Der schwedische Regisseur und Journalist Fredrik Gertten zeigt, dass Preisexplosionen und Gentrifizierung ein weltweites Phänomen sind und die Mittelschicht aus den Städten verdrängt. Ein weiterer schockierender Effekt: Wertvolle Häuser stehen dadurch leer. Wie in London. Milliardenschwere Hedge- und Pensions-Fonds sind die Big-Player und Preistreiber auf dem Wohnungsmarkt. Die 'Heldin' des Dokumentarfilms ist die UN-Sonderberichterstatterin Leilani Farha, die den krassesten Fällen der Wohnraum-Spekulation nachspürt, den Opfern der Gier eine Stimme gibt. Das Wohnraum-Problem spaltet die Bevölkerungen weltweit längst in arm und reich, in Immobilienbesitzer und überforderte Mieter. "Push" zeigt, dass die Verdrängung aus den Städten zwangsläufig ist, wenn die Politik nicht handelt. Das Wohnen, die Städte dürfen nicht dem Raubtier-Kapitalismus überlassen werden. Das ist die Aussage von "Push", einem Film mit eindringlicher, menschlicher Botschaft.

© BR

Stetig steigende Kosten auf dem Immobilienmarkt - ein weltweites Problem. Preisexplosionen und Gentrifizierung verdrängen die Mittelschicht aus den Städten, wertvolle Häuser stehen dadurch leer.

bundesweiter Kinostart: 06. Juni 2019

"Woodstock: Three days that defined a generation" von Barak Goodman

Über einhundert Stunden Material wurden gesichtet für "Woodstock", eine Dokumentation zum 50. Jubiläum des – ja, doch – berühmtesten Festivals der Welt. In der BR-Koproduktion gelingt es Regisseur Barak Goodman, die Atmosphäre des Events wiederauferstehen zu lassen. Hippieglück, total entspannt. Teilnehmer, Organisatoren und Besucher, die aus aller Welt nach New York aufs Land reisten, erinnern sich im Film an die Freiheit der damaligen Zeit. "Woodstock" rekonstruiert das Festival mit spektakulären Archivaufnahmen aus allen Perspektiven. Der Film bietet wenig überraschend Neues. Aber er entführt visuell überwältigend in eine Epoche, in der die Hoffnung auf ein friedliches, neues Zeitalter keimte. Eine Zuversicht, die heute meilenweit entfernt scheint.

© BR

Seinen 50. Jahrestag feiert das legendäre Woodstock-Festival diesen Sommer. Grund genug, ihm eine neue Doku zu widmen. Über 100 Stunden Material sichtete Regisseur Barak Goodman, dem es gelingt die Atmosphäre des Events wiederauferstehen zu lassen.

TV-Ausstrahlung: 31. Juli 2019, 22:45 Uhr, ARD

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