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So funktioniert das Münchner DOK.fest als Online-Filmfestival | BR24

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Aus dem Eröffnungsfilm "The Euphoria of Being"

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So funktioniert das Münchner DOK.fest als Online-Filmfestival

Die Kinos müssen geschlossen bleiben, in gewohnter Form kann das Münchner Dokumentarfilmfestival DOK.fest also nicht stattfinden. Als erstes großes deutsches Filmfest wird es nun digital – und zeigt im Netz 121 Dokus aus 42 Ländern.

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Im weiträumigen Büro des DOKfestes in der Dachauer Straße in München herrscht gähnende Leere. Da sitzen nur vier Leute. Sonst war hier ein paar Tage vor Festivalbeginn immer der Teufel los. Aber jetzt sind die meisten der rund 40 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Homeoffice. Das wirkt schön beschaulich, die ungewohnte Ruhe hat auch ihre Vorteile, sagt die stellvertretende Festivaldirektorin Adele Kohout: "Ja, na klar, aber ich finde, das Adrenalin fehlt ein bisschen. Wir haben sonst Massen an Team, alle rödeln und laufen heiß – und jetzt ist man nicht mehr physisch in einem Raum. Dadurch überträgt sich eine Euphorie oder eine Anspannung nicht mehr so richtig. Du bist für Dich alleine und musst schauen, dass Du Deinen Tag strukturierst."

Festivalleiter Daniel Sponsel hat es in der Online-Pressekonferenz zum 35. Münchner DOK.fest philosophisch ausgedrückt: "Das Virus ist die einfachste aller Lebensformen – also wesentlich einfacher als zum Beispiel ein Bakterium. Und diese einfachste aller Lebensformen bringt das Leben der höchsten aller Lebensformen, nämlich unser aller Leben, ziemlich durcheinander." Es ist ein Experiment am offenen Festivalkörper. Sponsel wagt seit ein paar Wochen mit seinem Team die Metamorphose. Es gibt keine Routinen, keine Automatismen, keine Erfahrungen. Alles neu.

Das erste große Filmfestival geht online

Mitte März verschickte Adele Kohout eine Mail, in der stand, dass man die Voraussetzungen für die Durchführung des Festivals prüfe. Ein paar Tage später war dann alles, worauf man sich ein Jahr lang vorbereitet hatte, Makulatur: Nun griff Plan B – das Münchner DOK.fest findet online statt, als das erste der großen deutschen Festivals mit weit über 100 Filmen.

Seitdem sind erst sechs Wochen vergangen. Von heute auf morgen alles auf Anfang. Zwar stand das Programm, aber es mussten viele finanzielle, technische, logistische und vor allem rechtliche Fragen geklärt werden: Darf man einen Film, der sonst zweimal im Kino gelaufen wäre, auch für zweieinhalb Wochen online präsentieren? Ziemlich verzwickt. Zudem verlangte die digitale Erscheinungsform nach einer radikalen Überarbeitung der Website.

© Moritz Holfelder / BR

Festivalleiter Daniel Sponsel in seinem leeren Büro

Programm und Preise

Die Navigation des DOK.festes im Internet wurde komplett neu gebaut. Man kann sich nun leichter über Filme, Länderschwerpunkte oder bestimmte Themen einen Überblick verschaffen, ob es nun um Frankreich, die Kunst der Stunde oder das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren geht.

Wer ab dem Tag nach der Eröffnung einen Film sehen will, kann in der Programm-Übersicht Filme auswählen und online bezahlen. Alle Infos zu teilweise zeitlichen oder rechtlichen Beschränkungen werden direkt angegeben. Ein Film kostet 4,50 Euro, wer einen Euro mehr bezahlt, unterstützt damit die diesmal leer bleibenden Partnerkinos. Außerdem gibt es für 50 Euro einen Festivalpass.

Wer das DOK.fest bereits kennt, findet alle bekannten Programmreihen wieder. Die Wettbewerbe zu DOK.international, DOK.deutsch oder DOK.horizonte finden wie gewohnt statt. Alle Preise werden wieder regulär von unabhängigen Jurys verliehen. Die diesjährige Schwerpunktreihe DOK.focus lasting memories beschäftigt sich mit Zeitzeug.innen des Nationalsozialismus und dem Umgang der nachfolgenden Generationen mit ihrem Vermächtnis.

Corona-Dokumentation von Elke Sasse

Zu sehen ist auch der erste Dokumentarfilm über das Virus: "Corona-Chroniken" von Elke Sasse. Die Regisseurin zeigt eine Kompilation von Aufnahmen mit der Handykamera, mit denen 50 Menschen auf der ganzen Welt ihr Leben in der Krise dokumentieren – vom chinesischen Studenten über die Näherin in Benin bis zur Krankenschwester in der Intensivpflege in Spanien.

Die Eröffnung am kommenden Mittwoch wird als digitale Gala stattfinden, teilweise als Live-Event mit interaktiver Filmemacherbefragung, teilweise vorab aufgezeichnet. Natürlich hoffen alle für nächstes Jahr wieder auf ein analoges Festival, aber das Onlineformat bietet auch Vorteile: Das Münchner DOK.fest dauert diesmal eine Woche länger als sonst, bis 24. Mai, und es kann bundesweit besucht werden.

© DOK.fest München

Plakat DOK.fest München 2020

Das DOK.fest München läuft vom 6.-24. Mai 2020. Alle Informationen dazu dazu finden sie hier.

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