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Zentralmoschee der DITIB in Köln
© picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa

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Zentralmoschee der DITIB in Köln

Jahrzehntelang wurde verhandelt und ein Ansprechpartner gesucht, Unterrichtsbücher getestet und Modellversuche erprobt. Kein Wunder, dass im März 2014 so mancher froh war über eine Initiative der DITIB in Bayern. Als größter Moschee-Verband wollte die DITIB damals endlich einen muslimischen Religionsunterricht auf die Beine stellen.

Der Vorsitzende der DITIB in Südbayern, Aykan Inan, hatte große Pläne: "Wir als DITIB wollen die Verantwortung tragen und für alle muslimischen Schüler in Bayern diesen Islamunterricht organisieren." Vorbild dafür war das Bundesland Hessen. Hier wurde die DITIB als Religionsgemeinschaft anerkannt und darf damit in Hessen einen Religionsunterricht inhaltlich mitverantworten. Die DITIB in Bayern wollte aber noch mehr: "Wir sehen uns als eine Brücke für die Eltern mit dem Kultusministerium, weil wir sie als DITIB Dachverband viel besser erreichen können", so Aykan Inan damals.

Islamexperte: DITIB weit entfernt von Brückenfunktion

Beim bayerischen Kultusministerium blieb der Antrag der DITIB aber erstmal liegen. Man wolle den Antrag sorgfältig prüfen, hieß es aus dem Kultusministerium. Der Antrag wird 5 Jahre später immer noch geprüft. Die zurückhaltende Politik des Bayerischen Kultusministeriums ist mittlerweile jedoch eher ein Glücksgriff als ein Ärgernis, denn viel hat sich verändert in den letzten Jahren. Weit entfernt ist die DITIB heute von einer Brückenfunktion.

Vor allem nach dem Putschversuch in der Türkei habe sich bei der DITIB vieles verändert, sagt der Islamexperte der Erzdiözese München und Freising Andreas Renz: "Weil sich auch die innertürkische Situation, politisch und religiös gesehen, deutlich verschlechtert hat, was die Gewaltentrennung, die Medienfreiheit anbelangt." Auch der Einfluss der Politik auf religiöse Strukturen sei deutlich schärfer geworden, "während die Gülen-Bewegung verfolgt wird und das hat auch gravierende Auswirkungen auf die Situation in Deutschland."

Das Problem der DITIB: Abhängigkeit von der Türkei

Der christlich - muslimische Dialog habe darunter sehr deutlich gelitten, sagt der Theologe Andreas Renz. Die deutschen Vereine von Gülen und der türkischen DITIB reden nicht miteinander, sondern vielmehr übereinander. Aufgrund der politischen Entwicklungen in der Türkei gehen zudem auch viele christliche Verbände auf Distanz zur DITIB. Doch auch hier gebe es lokal deutliche Unterschiede. "Es gibt an der Basis eine gute Zusammenarbeit an vielen Orten", so Andreas Renz, "aber auf der offiziellen Ebene ist es schwieriger geworden." Es gäbe Dokumente von der türkischen Religionsbehörde Diyanet, in denen der interreligiöse Dialog als Gefahr betrachtet wird.

Das Grundproblem der DITIB bleibt aber weiterhin die Abhängigkeit von der Türkei. So sind fast alle Imame der DITIB Angestellte der türkischen Botschaften in Deutschland. Meist sind diese Imame nur etwa drei Jahre in Deutschland und haben so wenig Interesse, die deutsche Sprache zu lernen. "Nach wie vor sind die Imame von der Religionsbehörde in Ankara entsendet", sagt Andreas Renz, "auch in der DITIB-Zentrale sind viele von Diyanet im Vorstand und auch im Beirat. Die Verbindungen zu den türkischen Behörden sind eher noch stärker geworden und von daher sehe ich da keine Veränderung."

Mehr zum Thema Islam in Bayern hören Sie am 11. Februar 2019 ab 21 Uhr in Theo.Logik auf Bayern 2. Weitere Artikel aus dem Bereich Religion finden Sie hier.