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"Dispatches From Elsewhere": Serien-Schnitzeljagd für Sinnsucher | BR24

© 2020 AMC Networks Inc.

Peter (Jason Segel) entdeckt die Welt mit neuen Augen – und Simone (Eve Lindley).

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    "Dispatches From Elsewhere": Serien-Schnitzeljagd für Sinnsucher

    Jason Segel ist als Marshall Eriksen in der Sitcom "How I Met Your Mother" berühmt geworden. Jetzt ist er zurück auf den Bildschirmen mit seiner abgedrehten Serie "Dispatches from Elsewhere", in der auch André 3000 und Sally Field mitspielen.

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    "Dispatches from Elsewhere" sei eine magische, aufregende Selbsterkundungsreise, beschreibt Jason Segel seine erste selbsterdachte und produzierte Serie: "Ich denke, sie kommt Kindheitsträumen aus Filmen wie 'Die Goonies' und 'Harry Potter' sehr nahe – aber für Erwachsene."

    Segel übernimmt darin selbst auch eine der Hauptrollen: Er ist Peter, ein verschlossener Datenanalyst, der für einen Streamingdienst arbeitet und ein ziemlich langweiliges Leben führt. Bis ihn die sogenannte Elsewhere Society anruft und ihn überzeugt, Teil einer großen Mission zu sein. Peter folgt den Anweisungen der mysteriösen Stimme am Telefon und gerät in eine merkwürdige Schnitzeljagd. Zusammen mit Janice (Sally Field), einer älteren Lady, dem schrulligen Verschwörungstheoretiker Fredwynn (André Benjamin) und der Kunststudentin Simone (Eve Lindley) soll er ein verschwundenes Mädchen finden. Wie Peter fühlen auch sie sich allein und sind auf der Suche nach Sinn und Bedeutung in ihrem Leben. Zu viert versuchen sie, das immer größer werdende Rätsel zu lösen, und herauszufinden, ob die Schnitzeljagd nur ein ausgeklügeltes Spiel ist, oder vielleicht doch ernste Realität.

    Das Spiel mit der Empathie

    Jede Folge ist aus einer anderen Perspektive erzählt. Im Vorspann fordert uns der Erzähler (Richard E. Grant) auf, uns in die jeweilige Figur hineinzuversetzen.

    Auch wenn es auf Anhieb nicht so wirkt: Wir haben alle etwas gemeinsam mit den Serienfiguren – und sei es nur die Liebe für die Krimiserie "Law & Order", die auch Janice und Peter trotz ihres Altersunterschiedes miteinander verbindet. Empathie ist der Motor von "Dispatches From Elsewhere" und das hebt die Serie auf die Metaebene: Wir stecken in Peters Körper, starren wie er auf einen Bildschirm und folgen den Hinweisen, die die Gang einsammelt. Wie sie müssen wir ständig hinterfragen, was wir sehen – und lassen uns an der Nase herumführen, weil das Erlebnis selbst so schön ist.

    Wie viele seiner Projekte ist auch "Dispatches from Elsewhere" ein sehr persönliches Projekt für Jason Segel. Die Idee zur Serie hatte er, als er die Dokumentation "The Institute" sah, über ein faszinierendes Alternate Reality Game. Das ist eine Art aufwändige Schnitzeljagd, die von der Agentur Games of Nonchalance in San Francisco ausgerichtet wurde. In Alternate Reality Games verschmelzen Spiel und Realität miteinander, weil Komparsen und im Stadtbild versteckte Hinweise die Spielenden zu neuen Stationen führen. Das verleitet die Teilnehmenden dazu, überall nach Zeichen und dem tieferen Sinn hinter dem Spiel zu suchen. Das Konzept faszinierte Jason Segel so sehr, dass er die Macher kontaktiert und das ganze selbst auch ausprobiert hat, erzählt er im Interview: "Für einen kurzen Moment in meinem Leben habe ich mich gefühlt, als wäre meine Identität nicht an meinen Job geknüpft oder wer ich bin – und das ist echt schwierig, durch meine Bekanntheit. Ich hatte einfach Spaß. Und das war wirklich befreiend für mich."

    Für die Charaktere in "Dispatches from Elsewhere" ist die Schnitzeljagd eine Erfahrung, die alles verändert. Weil sie ihre festgefahrenen Wege verlassen, neuen Menschen näher kommen und ihre Weltsicht hinterfragen. Durch ihre neue Freundschaft finden sie auch langsam zu sich selbst.

    Fantasievoll wie ein Michel Gondry-Film

    Jason Segel hat sich bei seiner Serie wirklich viel gedacht und sie sehr warmherzig erzählt. Wie in einem schrägen Michel-Gondry-Film hat er die vielen bizarren und absurden Momente visuell sehr liebevoll und kreativ umgesetzt. Wer ein Faible für philosophische und doppelbödige Stories hat wie in der Serie "Lodge 49", sich auch auf surreale Serienwelten wie in "Maniac" einlassen kann und den schrägen Humor von "Pushing Daisies" mag, wird "Dispatches from Elsewhere" lieben. Für mich ist sie bisher eine der schönsten und ungewöhnlichsten Serien des Jahres.

    Die Serie startet am 08. Mai bei Amazon Prime Video.

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