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Diese Doku zeigt, wie die Bee Gees die Welt zum Tanzen brachten | BR24

© Audio: BR / Bild: Verleih

Die Bee Gees, drei weiße Typen, die die Welt mit Disco-Hymnen verzauberten.

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Diese Doku zeigt, wie die Bee Gees die Welt zum Tanzen brachten

Songs schreiben, singen, Musik machen: Die Bee Gees haben nie etwas anderes getan, das aber großartig: Wie die drei Brüder aus Australien in den 70ern mit schwülstigen Hits begeisterten und als Boygroup zum Mythos wurden, erzählt nun eine Filmdoku.

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Von
  • Markus Mayer

Musikjournalisten wird oft vorgeworfen, dass sie zu viele Namen verwenden, die die breite Masse nicht kennt, und Fachbegriffe, die man nicht braucht, um die Musik zu mögen. Frank Marschalls fundierter Dokumentarfilm "The Bee Gees: How Can You Mend a Broken Heart" tut genau dies: Er zeigt nicht nur die Hauptakteure Barry, Robin und Maurice Gibb, also die Bee Gees, sondern auch deren Umfeld, er skizziert Milieus und zeitgeschichtliche Strömungen. Zu Wort kommen die Begleit-Musiker, die Produzenten, Tontechniker und die Strippenzieher, Robert Stigwood etwa, ihr außergewöhnliche Manager. Sie alle stehen hinter dem Mega-Erfolg der Bee Gees, jenen drei Brüdern aus Australien, die nie etwas anderes getan haben, außer Songs zu schreiben, zu singen, Musik zu machen.

Von Swinging London in die Welt

Marshalls Dokumentarfilm erzählt die Geschichte der Band schön brav chronologisch, also Schritt für Schritt nach. Wie drei Brüder aus Brisbane eine Teeniegruppe bilden und nach ersten Erfolgen nach Swinging London übersiedeln. Hier erfinden britische Bands gerade die Popmusik neu. Die Bee Gees, deren schwülstige Balladen sich durch exzellenten Chorgesang auszeichnen, werden Teil des Sixties Pop. Ihr Manager Robert Stigwood, selbst Australier, arbeitet für Brian Epstein, den spiritus rector der Beatles. Stigwood regt Cream an, die erste Supergroup des Rock. Nach deren Ende betreute er weiterhin deren Gitarrist Eric Clapton, die Bee Gees aber sind seine Lieblinge. Leider kommt es unter den Brüdern immer wieder zu heftigen Reibereien zwischen dem introvertierten Maurice, der für Superschnulzen wie "Massachusetts" sorgt, und Barry, dem viril-aggressiven Partylöwen und Aushängeschild der Band. Zwischen beiden vermittelt Robin als unauffällige Frohnatur.

Nach einer zeitweiligen Trennung feiern die Bee Gees 1970 zwar ein Comeback, spätestens 1974 aber ist die Luft raus. Jetzt müssen die Jungs durch miese, kleine Clubs tingeln, bis ihnen Eric Clapton den Tipp gibt, es doch mal bei der nächsten Albumproduktion in Miami zu versuchen. Die Bee Gees haben nichts zu verlieren und gehen mit ihren Begleitmusikern nach Florida. Hier beginnen sie Songs aufzunehmen, die am Miami Soul orientiert sind, einer frühen Form von Disco.

Künstlerisch übernimmt jetzt Barry das Steuer. Oft singt er im engelsgleichen Falsett, ein Stilmittel der schwarzen Popmusik. Den phantastischen Chorgesang setzen die Bee Gees in tanzbaren Uptempo-Songs jetzt wie Bläsersätze ein.

Eine unpolitische Mega-Boygroup wird zum Mythos

Musik ist nie nur das Produkt eines Einzelnen oder einer einzelnen Gruppe. Sie entsteht immer im sozialen Raum, im Austausch von Menschen und Milieus, von Szenerien, Publikum und Unterhaltungs-Industrie. Marshalls differenzierter Dokumentarfilm kommt ohne allwissenden Kommentar aus. Das Tolle daran ist, dass sich nachvollziehen lässt, welchen Nerv die Mega-Boygroup während der 70er Jahre trifft. Und auch, warum sie aufgrund ihres kastratenhaften Gesangs zum Feindbild weißer Rockfans wird. Man versteht, warum sich diese als unpolitisch verstehenden Pop-Künstler nach dem Mega-Erfolg in den 70er Jahren mit 220 Millionen verkaufter Platten, nur noch aufs Songschreiben konzentrieren.

Heute sind die Bee Gees längst ein Mythos, Vorbild für jüngere Entertainer wie Oasis, Justin Timberlake und den unvermeidlichen Chris Martin von Coldplay. Das machen Auftritte und Statements deutlich. Mit 150 Minuten ist der Film zwar etwas lang, dafür aber bleibt kaum eine Frage offen. Eine gut recherchierte Doku über eine Popkarriere, die nur während der Hochzeit einer nahezu allmächtigen Musik-Industrie entstehen konnte. Überaus sehenswert.

The Bee Gees: How Can You Mend A Broken Heart? von Frank Marshall ist auf Amazon prime und auf diversen streaming-Plattformen abrufbar.

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