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Digitales Trauern: Das Internet als Plattform für Trauerarbeit

Blogs, Gedenkseiten, Podcasts: Das Internet bietet viele Möglichkeiten, sich in allen Lebenslagen auszudrücken und mitzuteilen. Das gilt auch für die Trauer um eine geliebte Person, die immer mehr Menschen auch digital verarbeiten.

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Von
  • Barbara Schneider

Heutzutage gibt es eine Vielzahl von Trauerangeboten im Internet. Seiten, auf denen man eine Kerze anzünden und sein Mitgefühl ausdrücken kann, Blogs über Tod, Sterben und Bestattungen, Internetportale für Trauernde.

Eine virtuelle Kerze für Verstorbene

Vor drei Jahren starb Claudia Daigs Sohn Philipp. Er war erst 24 Jahre alt und schwer krank. Damals wollten sie und ihre Familie aus persönlichen Gründen keine Traueranzeige in der Zeitung.

Die Familie entschied sich stattdessen für eine Gedenkseite im Internet. Hier können Freunde und Verwandte seitdem ihre Trauer ausdrücken, eine Nachricht hinterlassen oder eine virtuelle Kerze für Philipp anzünden.

Claudia Daig ist heute noch oft auf der Seite und liest die Einträge.

„Ich weiß, dass die Seite immer noch sehr viel genutzt wird und für mich ist es einfach ein Trost zu sehen, dass auch nach drei Jahren viele diese Seite in Anspruch nehmen, und mir oder Philipp ihr Mitgefühl ausdrücken.“ Claudia Daig

Trauerpodcast: Ich bin hier und du bist tot.

Stephi und Jenni haben sich über ein Internetportal für Trauernde kennengelernt. Etwa zwei Jahre ist das her. Beide haben ihren Partner verloren. Trauerbücher halfen den beiden nicht, mit ihrem Verlust zurechtzukommen. Nichts, was sie darin lasen, schien auf ihre Situation zuzutreffen.

„Es kommt einem so vor, als lebt man in einer ganz anderen Welt, als alle Menschen um einen herum und niemand versteht einen so richtig. Am ehesten verstehen einen noch Leute, die auch jemanden verloren haben.“ Stephi und Jenni

Erfahrungsberichte von anderen Menschen, die jemanden verloren haben, das fehlte den beiden. Deshalb kamen die beiden Frauen auf die Idee, einen Podcast zu machen: Ein Trauerpodcast für alle, die den Tod eines geliebten Menschen erleben mussten. Aber auch für deren Freunde und Bekannte, die in solchen Situation helfen wollen, aber selber hilflos sind. Die Gespräche zwischen Stephi und Jenni im Internet sollen zu einem besseren Verständnis beitragen, was in Trauernden vor sich geht - so subjektiv das auch sein mag.

„Man macht komische Sachen, man steckt T-Shirts von seinem Freund - das hab ich zum Beispiel gemacht - in Gefrierbeutel, um seinen Geruch zu konservieren. Und wir wollen einfach in diesem Podcast den Leuten sagen: Hey, es ist alles gut mit Euch.“ Stephi und Jenni

Alle drei Wochen nehmen die beiden eine neue Folge auf, die sie dann ins Internet stellen. Sie sprechen darüber, wie sie die Trauer im Alltag begleitet. Sie erzählen von ihrer Angst, ihrer Wut oder auch davon, wie sie den ersten Todestag erlebt haben.

Ein Patentrezept wollen die beiden nicht geben. Sie wollen ihre Gefühle und Erfahrungen teilen und so anderen helfen.

Trauerfeiern online

Johannes Bauer ist Bestatter. Er hat täglich mit Tod und Sterben zu tun, seit einiger Zeit auch online: Auf seiner Webseite hat er ein Gedenkportal eingerichtet, hier informiert er aber auch über seine Arbeit oder über die Friedhöfe in der Region.

„Unsere Branche war schon immer sehr unflexibel und verstaubt, und ich dachte mir: Ich will neue Wege gehen und was wagen. In dem Sinne: Das Internet ist sehr groß und weit, und auch da will ich gesehen und gehört werden.“ Johannes Bauer, Bestattungen Burger in Fürth

Die Corona-Krise hat Johannes Bauer zudem auf eine weitere Idee gebracht: Trauerfeiern über eine Internetplattform zu streamen. Wer nicht zur Beerdigung kommen kann, hat die Möglichkeit, zu Hause am Computer an der Trauerfeier digital teilzunehmen.

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Blogs, Gedenkseiten, Podcasts: Das Internet bietet viele Möglichkeiten, auch mit der eigenen Trauer umzugehen.