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Autor Dieter Forte gestorben | BR24

© Niklaus Stauss/picture alliance

Dieter Forte

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    Autor Dieter Forte gestorben

    Ein Roman-Vierteiler über eine Seidenweber-Familie wurde zu seiner Lebensaufgabe. Daneben war er als Fernseh- und Hörspiel-Autor und als Dramatiker tätig. Am Ostermontag ist Dieter Forte mit 83 Jahren in Basel gestorben.

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    1970 verließ Dieter Forte im Zorn seine Heimatstadt Düsseldorf, weil sein kirchenkritisches, auf neun Stunden Aufführungsdauer berechnetes Stück "Martin Luther & Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung" auf Druck der Stadtverwaltung nicht im dortigen Schauspielhaus aufgeführt werden durfte. Forte war bereits einige Jahre zuvor aus der Kirche ausgetreten. Das vom Spiegel als "differenziert, witzig und theaterwirksam" bezeichnete Drama wurde dann im schweizerischen Basel uraufgeführt, wo Forte eine neue Heimat fand.

    Die großen Geschichtsthemen waren die Leidenschaft des Autors, der 1960 als Hospitant am Düsseldorfer Schauspielhaus begonnen hatte und 1962 in die Fernsehspielabteilung des NDR nach Hamburg wechselte. Ein Jahr später kehrte er als freier Autor nach Düsseldorf zurück. Zuletzt sorgte Forte im vergangenen März mit seinem schmalen Band "Als der Himmel noch nicht benannt war" für Aufsehen, ein Überblick über nicht weniger als 5.000 Jahre Menschheitsgeschichte. Getreu seinem humanistischen Vorbild Erasmus von Rotterdam forschte der Dichter dafür in seiner 75.000 Bände umfassenden Lieblingsbibliothek, der "Allgemeinen Lesegesellschaft Basel". In dem sehr poetischen und persönlichen Rückblick lässt Forte eine Sterbende auftreten, denkt über Sprache und Worte nach und schließt mit dem Satz: "Er legt das Buch zur Seite, schließt die Augen und bleibt in der Stille."

    Hauptwerk ein episches Historiengemälde

    Als Hauptwerk von Dieter Forte gilt die Roman-Tetralogie über das Leben einer italienisch-französisch-polnischen Seidenweber-Familie in den Düsseldorfer Vorkriegs- und Nachkriegsjahren. 1992 erschien mit "Das Muster" der erste Teil, in dem es um die Auswanderung nach Deutschland aus religiösen und politischen Gründen ging. In "Der Junge mit den blutigen Schuhen" (1995) lässt Forte seine Romanhelden die Zeit des Nationalsozialismus durchleben, den Terror und den Bombenkrieg. Vorerst abgeschlossen wurde der Zyklus mit "In der Erinnerung" (1998), einem Band, in dem ein zehnjähriger Bub das Kriegsende und die Jahre des Wiederaufbaus erlebt. Die Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT bezeichnete "Das Muster" als "ungemein lesbaren Familienroman", sprach von einer Mischung aus "Heldenepos, Ahnengalerie, Historiengemälde und Berufskunde". Forte war dabei genau in seiner Beschreibung der lokalen Verhältnisse, so spielt der Oberbilker Markt in Düsseldorf als Schauplatz eine wichtige Rolle.

    © BR Bild

    Große Geschichtsthemen

    Ringen mit dem Großprojekt

    Nach 14 Jahren Arbeit an seinem Großprojekt sagte Forte dem Deutschlandfunk erleichtert: "Dieser Stoff wuchs und wuchs und wuchs. Ich war einesteils vom Können noch nicht fähig, so einen großen Stoff anzufangen, oder ich habe mich gescheut davor, obwohl meine Theaterstücke ja auch nicht besonders kurz sind. An diesen Stoff heranzugehen fiel mir zunächst sehr schwer. Ich habe das sehr lange zurückgedrängt, auch vergessen, nicht wissen wollen, mich nicht erinnern wollen, was bestimmte Teile des Romans ganz sicher betrifft – und sehr lange gezögert. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mir selbst klar darüber wurde: Wenn ich jetzt nicht anfange, dann fange ich nie mehr an, dann erzähle ich das nie mehr, dann schaffe ich das auch nicht mehr."

    2004 vollendete Forte seine Tetralogie mit "Auf der anderen Seite der Welt" über das Leben in einem Lungensanatorium auf einer Nordsee-Insel. Kritisch werden dabei die "Wirtschaftswunderjahre" hinterfragt. Der Dichter war Mitglied im Deutschen PEN-Zentrum und für ARD und ZDF an mehreren Fernsehfilmen beteiligt, u.a. 1975 an "Sonntag", "Achsensprung" (1977) und "Der Aufstieg oder ein Mann geht verloren" (1980). Im Hörspiel-Bereich war er zuletzt 1994 mit "Die Erinnerung. Das Vergessen" für den WDR befasst.

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