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Diesmal darf gelacht werden: Auftakt in Bayreuth | BR24

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Schwitzen ist angesagt für die Wagner-Verehrer: Mit dem "Tannhäuser" eröffnen die Festspiele, erstmals auch teilweise "open air". Die Proben verliefen ungewöhnlich heiter, der Dirigent verspätete sich mehrmals. Und der nächste "Ring" wird ein Wagnis.

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Diesmal darf gelacht werden: Auftakt in Bayreuth

Schwitzen ist angesagt für die Wagner-Verehrer: Mit dem "Tannhäuser" eröffnen die Festspiele, erstmals auch teilweise "open air". Die Proben verliefen ungewöhnlich heiter, der Dirigent verspätete sich mehrmals. Und der nächste "Ring" wird ein Wagnis.

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Am heißesten Tag der Woche werden die Bayreuth-Pilger abermals ohne Klima-Anlage durchhalten müssen - dafür wurden im Festspielhaus feuerfeste Türen erneuert. Klimatechnisch sei nicht mehr drin, so Geschäftsführer Holger von Berg. Grund dafür: Weil die Türen in den jeweils einstündigen Pausen zu lange offen stehen, würde eine Kühlung ohnehin versagen.

Täglich ab 14.00 Uhr wollen die Bayreuther Festspiele erstmals und ab sofort sogenannte Hörplätze verkaufen, also Sitzplätze ohne Sicht auf die Bühne. Ein Angebot für leidenschaftliche Wagner-Fans, die kurz entschlossen sind. Allerdings können auch alle anderen einen Blick risikieren auf die diesjährige Premiere, den "Tannhäuser".

"Drag Queen" als Pausen-Attraktion

Entweder live im Kino oder als Zaungast vor Ort, denn in der ersten Pause wird der Park vor dem Festspielhaus von einer "Drag Queen" bespielt, kündigte Regisseur Tobias Kratzer an: "Es ist ein angenehmer Nebeneffekt, dass die Festspiele sich zur Stadt hin öffnen können und auch Leute, die keine Karten haben, vorbeikommen können. Grundsätzlich schien es mir interessant, hier so eine Art Gegenspielstätte zu schaffen, es ist ja doch eine sehr abgeschlossene Burg, die auf dem Hügel thront. Das fand ich spannend und habe mich sehr gefreut, dass die Festspielleitung das alles möglich gemacht hat."

"Teils auch witzig"

Festspielleiterin Katharina Wagner zeigte sich angetan von den Probenarbeiten - und ließ sehr vorsichtig durchblicken, dass es diesmal im Festspielhaus heiterer zugehen könnte als sonst üblich: "Ich möchte nicht zuviel vorwegnehmen, aber ich persönlich finde das Ergebnis extrem spannend, teils auch witzig, wenn ich das sagen darf. Die Generalprobe hat mir auch recht gegeben, es wurde ein paar Mal herzhaft gelacht im Publikum."

© Matthias Merz/dpa

Es steht bereit: Bayreuther Festspielhaus

Humor ist nun nicht gerade das Kennzeichen der Bayreuther Festspiele, und einiges war auch dieses Jahr wenig amüsant. Der russische Dirigent Valery Gergiev, der mit dem "Tannhäuser" betraut ist und zu den Freunden von Vladimir Putin zählt, ist international dermaßen viel beschäftigt, dass er quasi nur stundenweise in Bayreuth sein kann - und auch das nicht immer pünktlich. Katharina Wagner: "Ich möchte nicht leugnen, dass er zwei Mal zu spät war, aber er war da. Es war mitnichten so, dass er eine Probe, die er vertraglich fixiert hatte, nicht wahrgenommen hätte. Das ist nicht der Fall!"

"Galavorstellungen würden Bayreuth widersprechen"

Zu den Höhepunkten der diesjährigen Saison werden zwei Auftritte von Sopran-Superstar Anna Netrebko am 14. und 18. August als Elsa im "Lohengrin" gehören. Dabei will Bayreuth eigentlich gerade keinen Starrummel fördern: "Gott sei Dank, sie hat ein großes Interesse daran, in Bayreuth aufzutreten und wir freuen uns natürlich, dass sie da ist, dass sie kommt. Aber ich möchte noch mal betonen, dass sehen Sie auch am Gagen-System in Bayreuth, wir bezahlen pro Partie und nicht pro Namen, und ich finde, dass ist eine sehr schöne Aussage, dass hier wirklich jeder Künstler wichtig ist. Es würde absolut dem Sinn der Bayreuther Festspiele widersprechen, dass man hier Galavorstellungen einführt."

© Daniel Karmann/dpa

Richard Wagner-Denkmal im Festspielpark

Nächstes Jahr endet Katharina Wagners Vertrag. Doch ihre Zukunft als Festspielleiterin scheint ungefährdet, seit sie kürzlich den Bayerischen Verdienstorden erhalten hat, meinte Aufsichtsratschef Toni Schmid: "Ich glaube, dass das nicht der Fall gewesen wäre, wenn man nicht davon ausgehen würde, dass Katharina Wagner auch weiterhin die Festspiele leiten wird. Wir haben ein bisschen mehr Abstimmungsbedarf als ein normales Stadt- oder Staatstheater. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg!"

Wegen Karten "nicht in Panik verfallen"

Holger von Berg, der Geschäftsführer der Bayreuther Festspiele, lüftete das Geheimnis, warum es entgegen mancher Erwartung online und beim Besucherdienst doch immer wieder Karten gibt: "Bevor die Karten auf dem Schwarzmarkt landen, nehmen wir sie lieber zurück und verkaufen sie an unsere Kunden. Und deswegen brauchen Sie nicht in Panik zu verfallen, dass Bayreuth nicht ausverkauft ist, wenn im Internet oder wenn an der Abendkassen Karten auftauchen. Wir nehmen sie zurück, nehmen sie in Kommission und verkaufen sie weiter."

Verlegenheitslösungen beim "Ring"?

Den nächsten, vierteiligen "Ring des Nibelungen" wird in Bayreuth im kommenden Jahr der völlig unbekannte, junge österreichische Regisseur Valentin Schwarz inszenieren. Wagner-Erfahrung hat er nicht und auch erste wenige größere Opern auf die Bühne gebracht. Allerdings wurde er 2017 mit dem prestigeträchtigen "Ring"-Award ausgezeichnet, einem Nachwuchspreis für Regisseure. Eine überraschende Entscheidung, vielleicht auch abermals eine Verlegenheitslösung, denn die in Opernfachkreisen profilierte Tatjana Gürbaca hatte Verhandlungen abgebrochen, weil ihr die Probenzeiten nicht reichten.

Dazu Katharina Wagner: "Ich habe oft sehr viele Wunschkandidaten. Mit einigen klappt es leider nicht, weil man zeitlich, probentechnisch oder finanziell nicht zusammenkommt, in letzter Zeit auch lustiger Weise immer wieder, weil man urlaubstechnisch nicht zusammenkommt." Manche Mitwirkende, so erläuterte die Festspielleiterin durchaus ernsthaft, hätten Angst um ihre Ehe, wenn sie den Sommer in Bayreuth arbeiten würden.

"Ring"-Dirigent wird der Finne Pietari Inkinen, auch er ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, obwohl er in Australien und Palermo Wagner-Opern geleitet hat, in Melbourne auch den kompletten "Ring". Künstlerisch ein echtes Wagnis und ebenfalls ein Ersatzkandidat, denn lange galt der ungleich prominentere Italiener Daniele Gatti als gesetzt, doch dem wurde in Amsterdam beim Royal Concertgebouw Orchestra letztes Jahr ungebührliches Verhalten gegenüber Musikerinnen vorgeworfen. Das machte ihn für Bayreuth offenkundig unmöglich.

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