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Dieser Film zeigt, wie sich eine Frau gegen die Milchmafia wehrt | BR24

© Alamode Film

Große Schauspielleistung: Arndís Hrönn Egilsdóttir als Milchbauerin Inga

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Dieser Film zeigt, wie sich eine Frau gegen die Milchmafia wehrt

Allein gegen die mächtige Genossenschaft: Der Film "Milchkrieg in Dalsmynni" erzählt vom einsamen Kampf einer Milchbäuerin. Eigentlich wollte Regisseurs Grímur Hákonarson eine Doku drehen.

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Esprit macht diese Frau nicht aus, noch nicht einmal eine besondere Art trockenen Humors könnte man ihr unterstellen. Auch der Wunsch, attraktiv, verführerisch zu sein, spricht längst nicht mehr aus ihren Gesten. Inga ist schlicht, was das Leben von ihr verlangt: pragmatisch und zupackend. Mit ihrem Mann betreibt sie einen Hof in Island – die beiden arbeiten und leben Seite an Seite, sind einander zugewandt und doch verpassen sie die Momente, in denen einer von ihnen noch wach und beherzt genug wäre, um wieder einmal zärtlich zu sein.

Es ist diese Form der Einsamkeit auf engem Raum, die den Zuschauer zuerst interessiert – an einem Film, der von ganz unterschiedlichen Formen der Einsamkeit zu erzählen weiß: "Ich glaube, die Einsamkeit ist ein Teil des bäuerlichen Lebens in Island", sagt Regisseur und Drehbuchautor Grímur Hákonarson. "Es gibt einfach wenige Leute auf dem Land – deshalb sind sie isoliert, allein und vielleicht sind sie deshalb auch so viel auf Facebook wie Inga. Als Filmemacher ist das verlockend, weil du weniger über Dialoge erzählen musst und mehr über die Kameraarbeit, über die Umgebung."

Schachfigur im Spiel der Mächtigen

Hákonarson vertraut ganz auf die Umgebung seiner Figuren. In der Musik schreiben sich die Geräusche der landwirtschaftlichen Maschinen fort, die Kameraarbeit spiegelt die Ruhe oder auch die Eintönigkeit der Landschaft, die es zu beackern gilt. Und das Wetter wird zum Spiegel der Protagonistin – was plakativer klingt, als es aussieht. Denn diese Frau ist in feinen Nuancen gezeichnet, überhaupt reagiert sie selten mit großen Gefühlsäußerungen auf die Schicksalsschläge, die sie erlebt. Und so sind auch die Veränderungen in der Natur erst nach und nach wahrnehmbar.

Was sie erlebt? Der Ehemann stirbt, da ist der Film noch nicht weit gekommen. Selbstmord, wie es bald heißt, ohne dass dieses Wort etwas erklären könnte: Warum er im Laster den Hang hinabgestürzt ist? Warum er Inga mit Hof und Schulden allein gelassen hat? All das versteht sie erst nach und nach – als sie hört, dass die Genossenschaft, auf die alle Bauern im Ort angewiesen sind, ihren Mann unter Druck setzte, dass er eine Art Spitzel wurde, um den eigenen Hof zu retten, eine Schachfigur im Spiel der mächtigen Vereinigung.

© Alamode Film

Ein einsamer Kampf: Inga auf ihrem Hof

Wahre Geschichte von Traurigkeit und Aufbegehren

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte aus der Gegend des Regisseurs im Nordwesten Islands. Zu Recherchezwecken sei er dorthin gefahren – mit dem Ziel, eine Dokumentation darüber zu machen: "Ich habe dort auch Leute getroffen, die mit mir reden und ihre Geschichten erzählen wollten, aber ich habe gemerkt, dass sie es lieber nicht vor der Kamera tun." Um die Geschichte dennoch zu verfilmen, wählte Hákonarson die fiktionale Form. Mit Inga, der starken und von Arndís Hrönn Egilsdóttir stark gespielten Hauptfigur, erlebt der Zuschauer zuerst den Alltag auf dem Land und später ihr Aufbegehren gegen die Genossenschaft und überhaupt gegen ein Leben, das allein der Arbeit verschrieben ist, Sinnfragen, Sinnsuchen nicht zulässt.

Und so zeigt dieser Film die beiden Kämpfe dieser Frau: den Kampf mit der eigenen Traurigkeit und die aufkeimende und belebende Kampfeslust. Dieser Film ist zu still, als dass man davon sprechen könnte, er "begeistere" einen. Aber er nimmt einen doch sehr ein – mit seinem unaufgeregten Blick für die kleinen Spuren, die auf Gesichtern und in der Landschaft vom gelebten Leben erzählen.

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