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Dieser Comic erzählt vom vergessenen FC Bayern-Star Oskar Rohr | BR24

© Audio: Bayern 2 / Bild: Carlsen Verlag

Die Graphic Novel "Ein Leben für den Fußball" erzählt nicht nur vom wichtigsten Spiel, das Oskar "Ossi" Rohr für den FC Bayern drehte, sondern auch von seinem Leben davor und danach. Ein schönes Tor!

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Dieser Comic erzählt vom vergessenen FC Bayern-Star Oskar Rohr

Beim Finale der Deutschen Meisterschaft 1932 schoss Oskar "Ossi" Rohr den FC Bayern per Elfmeter in Führung. Nicht nur für ihn ein wichtiges Tor. Die Comic-Autoren Julian Voloj und Marcin Podolec haben die Lebensgeschichte des Spielers rekonstruiert.

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Die Partie Eintracht Frankfurt gegen den FC Bayern, das Endspiel der 25. Deutschen Meisterschaft, lief bereits eine halbe Stunde, als der Schiedsrichter – nach einem Handspiel im Strafraum der Eintracht – einen Elfmeter gab. Die Bayern-Spieler auf dem Feld beratschlagten, wer ihn ausführen sollte. Und baten einen der jungen im Team: Oskar "Ossi" Rohr, damals gerade 20 Jahre alt.

Er schoss ins rechte Eck, der Ball unhaltbar für den Frankfurter Keeper. Eine Staubwolke wirbelte auf. Das zeigt ein Foto vom Spiel. Und das zeigen nun auch Julian Voloj und Marcin Podolec in ihrer Graphic Novel über Oskar Rohr. Julian Voloj, geboren in Münster, seit vielen Jahren zu Hause in New York, hat das Szenario geschrieben. Sein aus Frankreich stammender Agent, so erzählt er, habe ihn auf den vergessenen Torschützen aufmerksam gemacht.

Bayern erstmals Deutscher Meister

"Es gab damals verschiedene Unterligen wie Süd, Südwest", erklärt Julian Voloj im Gespräch. "Dann haben alle die verschiedenen Meister der verschiedenen Ligen gegeneinander gespielt. Die Bayern hatten zuvor schon gegen Frankfurt ein Spiel gehabt, das sehr kontrovers war. Und das war die Revanche. Aber Eintracht Frankfurt war der Favorit des Ganzen. Die Bayern hatten eine sehr junge Mannschaft, Präsident Kurt Landauer investierte in die Jugend."

Das Spiel, ausgetragen in Nürnberg, endete 2:0. Die Bayern unter Kurt Landauer gewannen ihren ersten Meistertitel, was damals, anders als heute, nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit war. Julian Voloj und Marcin Podolec beginnen ihre Graphic Novel "Ein Leben für den Fußball" mit dem denkwürdigen Spiel, blenden dann aber rasch zurück zur eigentlichen Biographie von Oskar Rohr.

© Carlsen Verlag

Autor Julian Voloj erzählt in seinen Comic-Szenarien immer wieder Biographien, die auf besondere Weise mit der Zeitgeschichte verbunden sind.

Leben für den Fußball

Oskar Rohr, geboren 1912, wuchs in Mannheim auf. Zum Leidwesen seines Vaters war er nicht nur fußballverrückt, sondern auch talentiert. Richard Dombi"Little Dombi" – wurde schließlich sein Trainer in Mannheim und nahm ihn dann mit nach München, als ihn wiederum Präsident Kurt Landauer als Coach für die Bayern verpflichte.

"Das Buch ist zwar die Biographie oder ein Teil der Biographie von Oskar Rohr", erklärt Julian Voloj. "Es ist aber auch eine Hommage an die Pionierzeit des deutschen Fußballs. Dombi selber, wie viele der Pioniere, war auch jüdisch. Er war eigentlich als Richard Kohn geboren worden. Dombi ist ein ungarisches Wort, das grob übersetzt 'Eminenz' heißt, weil er auf dem Fußballfeld so prominent wurde. Der Spitzname wurde dann sein Legalname. Und als er in Mannheim Trainer war und später auch in München, hieß er legal Richard Dombi. Dombi glaubte an Oskar Rohr."

Vom Sport zur Zeitgeschichte

Julian Voloj findet für seine Comic-Szenarien immer wieder Lebensgeschichten, die auf besondere Weise mit der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts verbunden sind. So auch im Fall von Oskar Rohr. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten bedeutete eine existentielle Zäsur, auch für ihn und viele Spieler vom FC Bayern. Der talentierte Stürmer ging erst, Richard Dombi folgend, in die Schweiz und dann ins französische Straßburg. Zunächst konnte er seine Karriere dort fortsetzen, erzählt Julian Voloj.

"Da wurde Oskar Rohr zum absoluten Knaller", weiß der Szenarist. "Er wurde Torschützenkönig der französischen Liga. Natürlich war das einfacher für ihn in Strasbourg, im Elsass, in einer Region, wo Deutsch gesprochen wurde und die auch kulturell ihm näher stand als später in Sète, im Süden von Frankreich. Er bekam für die Unterzeichnung seines Vertrages gleich ein Cabriolet geschenkt. Er war für die damaligen Verhältnisse ein Superstar des Fußballs. Natürlich nicht zu vergleichen mit den verrückten Millionengehältern heute. Aber er verdiente wohl sehr gut und war auch ein Lebemann in Frankreich und genoss das."

© Carlsen Verlag

Der polnische Künstler Marcin Podolec hat die Geschichte von Oskar Rohr mit Bunt- und Bleistift aufgezeichnet.

Krieg, Gefangenschaft, Einberufung

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs und dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich war es freilich vorbei mit dem Fußballleben. Oskar "Ossi" Rohr ging in den Süden des Landes, 1942 wurde er in Marseille von der französischen Polizei verhaftet und an die Deutschen ausgeliefert. Er wurde einige Wochen in einem Konzentrationslager bei Karlsruhe inhaftiert und musste Zwangsarbeit leisten. Nach der Entlassung wurde er umgehend zum Kriegsdienst an die Ostfront eingezogen, als angeblicher Vaterlandsverräter. Die Nazis nannten das "Bewährung". Auch davon erzählt die Graphic Novel von Julian Voloj und Marcin Podolec.

"Er ist ein Spielball der Geschichte", sagt Julian Voloj. "Er hatte wenig Einfluss auf das, was er machen kann. Er wurde dann auch verletzt. Die Anekdote, die überliefert ist, ist die, dass die Maschine, die die verletzten Soldaten herausbrachte, eigentlich schon voll war, aber einer der Piloten erkannte ihn als ehemaligen Bayern-Star und meinte: 'Es ist noch Platz, komm mit'. Und somit überlebte Oskar Rohr den Krieg. Es hätte aber auch ganz anders sein können. Einige seiner Mitspieler von der 32er-Meisterschaft starben als Soldaten im Zweiten Weltkrieg."

Dynamische Bildsprache

Der Comic "Ein Leben für den Fußball" schließt mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in Trümmern und Ruinen. Wie in allen Comics, für die Julian Voloj das Szenario geschrieben hat, gibt es auch in diesem Buch einen Anhang mit Materialien, darunter auch zu den Biographien von anderen Spielern und Akteuren wie etwa von Kurt Landauer, der zeitweise im Konzentrationslager Dachau inhaftiert war.

Marcin Podolec wiederum, ein polnischer Künstler, hat die Geschichte mit Bunt- und Bleistift gezeichnet, die Bilder, immer wieder durch Schraffuren bestimmt, haben so eine besondere, intensive Dynamik, der Farbton wechselt – dem Verlauf der großen Geschichte folgend – vom Hell ins Dunkel, mehr noch: in die tiefe Dunkelheit. Einmal mehr kann man begreifen, wie tief der Einschnitt war, der mit dem 30. Januar 1933 verbunden ist. Abgesehen davon gilt für die Graphic Novel von Julian Voloj und Marcin Podolec: Ein schönes Tor!

© Carlsen Verlag

Oskar "Ossi" Rohr, wirbelte nicht nur beim FC Bayern Staub auf. "Ein Leben für den Fußball" erzählt die Geschichte von Oskar Rohr.

Die Graphic Novel "Ein Leben für den Fußball. Die Geschichte von Oskar Rohr" von Julian Voloj und Marcin Podolec ist im Carlsen-Verlag erschienen.

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