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© Constantin Television Mike Kraus
Bildrechte: Constantin Television Mike Kraus

Filmklassiker als Serie: "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo"

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    Diese Serien sorgen seit Februar für Diskussionsstoff

    Von einer teuren deutschen Fantasy-Dystopie bis hin zu einem britischen Polit-Drama, wartet der Februar mit groß gedachten Serien auf. Darunter ein skurriles Juwel und die Serien-Werdung von "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo".

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    Von
    • Katja Engelhardt

    Im Februar finden Sie die viel gelobte britische Serie "Bodyguard" kostenlos in der ZDF Mediathek, sucht Aylin Tezel auf eigene Faust Gerechtigkeit in "Unbroken" bei ZDFneo und macht Disney+ den warmherzigen Coming-out Film "Love, Victor“ zum mehrteiligen "Love, Simon". Und auch diese Serien sollten Sie nicht verpassen...

    "Roadkill": Drama-Thriller-Serie mit Augenzwinkern

    Publikumsliebling Hugh Laurie spielt Peter Laurence, einen zweitrangigen, konservativen Minister im britischen Kabinett. Laurence ist der Typ Boris Johnson, einer der mit der Wählerschaft gut kann und gerne steile Thesen in die Welt entlässt – zum Beispiel bei seinem wöchentlichen Auftritt in einer populistischen Radioshow. Laurence ist sehr beliebt, obwohl er die Regeln und Gesetze gern mal in seine Richtung biegt und dabei keine Rücksicht auf andere nimmt. Auf seinem Weg nach oben bleiben so einige auf der Strecke, als "Roadkill" eben.

    An "House of Cards" ist gar nichts so falsch, nur dass diese Story nicht ganz so abgedreht ist und persönlicher: Der Pfad der Zerstörung zieht sich in "Roadkill" auch durch das sehr komplizierte Familienleben von Peter Laurence. Der nicht nur eine Geliebte, sondern auch eine Tochter mit Drogenproblem hat. Hugh Laurie spielt mit Charme und schaltet ohne Mühe hin und her zwischen gewitztem Gentleman und gewissenlosem Raubtier. Allerdings fehlen ihm die ebenbürtigen Gegenspieler. In der vierteiligen ersten Staffel weckt das fast das Gefühl, für Menschen wie Peter Laurence gäbe es keinen Gegenpol. Und das wäre in der jetzigen Zeit eine ganz schön deprimierende Message.

    Bei MagentaTV sind die Folgen von "Roadkill" streambar.

    "Magnus – Trolljäger": Charmanter Fantasy-Krimi aus Norwegen

    Slapstick Comedy, Feel-Good, Action, Krimi und Verschwörungen, das alles gibt die Serie „Magnus – Trolljäger“ her. So ein Genre-Mix kann schnell als viel zu breit angelegte Idee scheitern. Diese Serie ist in sich aber absolut schlüssig. Das liegt auch an den liebevoll gestalteten Charakteren. Hauptfigur Magnus ist höchst motivierter Polizist.  Und sehr sonderbar. Für seine Kollegen auf der Wache ist er durch seine, naja, ganz eigene Logik lediglich eine Lachnummer. Dank Sätzen wie diesem hier: "Ein Mordfall ohne Leiche ist wie eine Parenthese ohne Information."  Aha.

    Als die Polizei bei einem Mordfall mit ihren normalen Methoden nicht weiterkommt – weil es eben kein normaler Fall ist - schlägt natürlich die Stunde des merkwürdigen Magnus. Der sich auch durch das Auftauchen von Trollen, Wesen der skandinavischen Mythologie, nicht weiter aufhalten lässt und im Bund mit einem lebensmüden Polizeikollegen und dem kleinen Nachbarsjungen auf eigene Faust ermittelt. Eine "Die Außenseiter retten alle"-Serie über Freundschaft und die Aufgabe, seinen Platz in der Welt zu finden.

    Alle sechs Folgen können Sie noch bis zum 12.03.2021 in der ARD Mediathek abrufen.

    "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo": Aus Welt-Bestseller wird Serie

    Als das Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" 1978 erschien, hat es schockiert – und die Bestsellerlisten erklommen. Nach dem Film aus den 80ern gibt es die wahren Erlebnisse von Christine F. und ihren Freunden nun als Serie, die sich keiner einfachen Kausalität für Drogensucht hingibt und mit mehreren Kniffs zu einem sinnvollen Bestandteil des Popkultur-Kosmos macht.

    Dafür sorgen surreale Szenen, so einige Abweichungen von der Vorlage, ein brillanter Cast und vor allem: Die Aushebelung von klaren zeitlichen Zuordnungen. Die Mode, die auch die Charakterentwicklung widerspiegelt, ist genauso wenig einem übergreifenden Jahrzehnt zuzuordnen wie die Musik. So ist die Serie keine Milieu-Studie und kein neuer Einblick in eine Szene, aber bekräftigt die vielleicht wichtigste Aussage, dass die Probleme von Jugendlichen sich über die Jahrzehnte im Grunde kaum geändert haben. Auch wenn die Flucht, der Eskapismus, eventuell andere Formen angenommen hat.

    "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" ist über amazon streambar.

    "Tribes of Europa": Deutsche Netflix-Dystopie

    Die neue Fantasy-Serie "Tribes of Europa" spielt im Jahr 2074. Nach einem mysteriösen Vorfall sind alle Staaten in Europa zusammengebrochen und die Menschen leben verstreut in Gruppen zusammen, die sie Tribes nennen. Die Hauptfiguren dieser Serie sind drei Geschwister vom "Origines Tribe" – Hippies, die im Einklang mit der Natur im Wald leben und Technologie ablehnen. Als die Origines von einem anderen Stamm, den brutalen Crows, angegriffen werden, sind die Geschwister auf sich allein gestellt.

    "Tribes of Europa" will eine große Welt erzählen, wie etwa die Serie "Game of Thrones" ein komplexes Geflecht zeigen. Das geht aber leider nicht auf. Die Figuren wirken wie Kopien bekannter Vorbilder. Wir lernen zwar auch bald die anderen Stämme kennen, die sich noch so in Europa gebildet haben. Aber obwohl es drei Erzählstränge gibt, scheint die Handlung zu stagnieren. Nach sechs Folgen endet die Staffel auch schon wieder. Dank der internationalen Streaming-Plattform Netflix könnte "Tribes of Europa" aber trotzdem richtig gut ankommen.

    Bei Netflix sind die Folgen von "Tribes of Europa" streambar.

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