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Die zweite "Hindafing"-Staffel ist so bizarr wie die Realität | BR24

© BR/Neuesuper Produktions GmbH/Arvid Uhlig

Alfons Zischl (Maximilian Brückner) ist auf der Jagd.

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    Die zweite "Hindafing"-Staffel ist so bizarr wie die Realität

    Maximilian Brückner schlawinert sich als Alfons Zischl auch in der zweiten Staffel von "Hindafing" mit allerlei verdrehten Wahrheiten durch die bayerische Landespolitik. Die bizarre Serien-Handlung wurde dabei immer wieder von der Realität eingeholt.

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    Bürgermeister Alfons Zischl (Maximilian Brückner) hat die Schnauze voll: Fracking, ausgerechnet in Hindafing – dem Ort, den er mit Windenergie und einem ehrgeizigen Wirtschaftsprojekt zur Metropolregion befördern wollte. Das Umweltrisiko ist inakzeptabel, das muss selbst der durch und durch korrupten Zischl einsehen. Und so steht am Ende der ersten Staffel der bayerischen Polit-Satire "Hindafing" das Ende seiner Karriere als Bürgermeister.

    Doch wer so wendig ist wie Alfons Zischl, fällt meist nach oben: In der zweiten Staffel der BR-Serie "Hindafing" begegnen wir Zischl ausgerechnet im Bayerischen Landtag wieder, als frischgebackenem Abgeordneten. Und die Herausforderungen, die hier auf ihn warten, sind der Größe seines Egos dabei durchaus angemessen: Erst verheddert er sich in einen versehentlichen Mordanschlag auf die bayerische Ministerpräsidentin, dann gerät Zischl in eine fraktionsinterne Intrige. Das Attentat auf die Ministerpräsidentin spielt den sicherheitspolitischen Zielen seiner Kolleg*innen in die Karten – und der bayerischen Rüstungsindustrie. Mit einem "Polizeiaufrüstungsgesetz" soll die innere Sicherheit wieder hergestellt werden – und natürlich soll die Ausrüstung der Polizei von bayerischen Rüstungsunternehmen kommen.

    Persiflage auf deutsche Realitäten

    Innere Sicherheit, Geschlechterverhältnisse und Spezlwirtschaft sind die großen Themen der zweiten Staffel von "Hindafing". Sie werden in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit und mit unvorhersehbaren Wendungen miteinander verknüpft. So bizarr manche Zusammenhänge auf den ersten Blick erscheinen: Ihre Ideen sammeln die drei Serienschöpfer und Autoren Niklas Hoffmann, Rafael Parente und Boris Kunz in der Realität. Der Skandal um das fehlerhafte Sturmgewehr G36 wird in "Hindafing" ebenso persifliert wie der absurde Umgang mit der Rüstungsindustrie, die von Politikern wie jede andere große Branche behandelt wird – obwohl dort tödliche Waffen hergestellt werden. Für die Serienmacher eine komödiantische Steilvorlage, so Regisseur Boris Kunz: "Das fanden wir spannend. Wie gehen Menschen damit um, für die es Normalität ist, Waffen herzustellen?"

    Während des Drehs habe die Realität die drei Autoren auch immer wieder eingeholt. Ein Handlungsstrang über Reichsbürger in der Bundeswehr etwa stellte sich als fast prophetisch heraus: Während der Dreharbeiten wurde ein Elitesoldat von der Bundeswehr suspendiert, weil er als Extremist mit Nähe zur Reichsbürger-Bewegung aufgefallen war. Und auch Vorfälle rund um zwei den Reichsbürgern nahe stehende Beamte bei der Chiemgauer Polizei lieferten den Autoren Inspiration, so Boris Kunz: "Wir haben das irgendwie eine Stufe weiter getrieben und dann festgestellt: Okay, das scheint tatsächlich auch zu passieren!"

    © BR/Neuesuper Produktions GmbH/Arvid Uhlig

    Beim Versuch, in seinem Wahlkreis Arbeitsplätze einer maroden Firma zu retten, entpuppt sich diese ausgerechnet als Rüstungsbetrieb.

    Maximilian Brückner spielt einen Alfons Zischl am Abgrund

    Besonders Hauptdarsteller Maximilian Brückner ist als impulsiv-planloser Zischl eine Wucht. Wie schon in der ersten Staffel hat er die Figur Zischl während der Dreharbeiten mitgestaltet, ihr Kanten und Extreme verliehen, die das Drehbuch gar nicht vorgesehen hatte. Brückners Spaß an der Rolle überträgt sich in jeder Minute auf das Publikum. Als Landtagsabgeordneter schlafwandelt Alfons Zischl tollpatschig durch das politische Minenfeld und löst diverse Katastrophen aus, die er mit immer komplizierteren Lügen einzudämmen versucht. Seine politischen Ziele sind im Grunde ehrenwert, aber seine verführbare und bestechliche Persönlichkeit lassen ihn am Abgrund tanzen.

    Wirklich böse ist dieser Antiheld aber auch in der zweiten Staffel trotz aller Unzulänglichkeiten nicht, erzählt Boris Kunz. Die Autoren hätten angesichts der aktuellen politischen Lage überlegt, etwas mehr mit der Frage zu spielen: "Wie sehr würde sich Zischl zur Not auf die dunkle Seite begeben? Für die zweite Staffel haben wir da noch mal eine Antwort gefunden. Wer weiß, ob die in Zukunft vielleicht doch noch mal anders aussieht?"

    Bisher steht eine dritte Staffel noch in den Sternen. Aber nach zwei so unterhaltsamen und überraschenden Serien-Staffeln ist es für einen Abschied von Alfons Zischl und seinem Katastrophenstadl noch viel zu früh. Wer weiß, vielleicht sehen wir Zischl ja auf dem Weg ins Kanzleramt oder als Parlamentarier in Brüssel wieder?

    Die sechs Folgen der zweiten Staffel von "Hindafing" können Sie ab dem 19.11.2019 in der BR Mediathek sehen. Ab dem 26.11.2019 wird "Hindafing" auch dienstags um 20:15 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt.

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