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Ganz von vorne anfangen. Diesen Wunsch will ein Ehepaar im oberbayerischen Schachach seinen Mitbewohnern erfüllen. Gerlinde und Heinz Wolf nehmen seit langer Zeit Menschen bei sich auf.

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Die Wohngemeinschaft für den Neuanfang

Ganz von vorne anfangen, die Vergangenheit zurücklassen. Diesen Wunsch will ein Ehepaar im oberbayerischen Schachach seinen Mitbewohnern erfüllen. Gerlinde und Heinz Wolf nehmen seit langer Zeit Menschen bei sich auf und sehen sich als große Familie.

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Von
  • Elisabeth Tyroller

Gerlinde und Heinz Wolf haben sich ein kleines Paradies geschaffen. "Wir leben hier mit zwei Eseln, Hühnern und fünf Leuten, die Not hatten und hier eine Heimat gefunden haben." Fünf Leute, die zum Teil schon seit Jahren mit dem Ehepaar zusammenleben und sich in ihrem gemeinsamen Zuhause wohlfühlen.

Chance auf ein neues Leben

Da ist zum Beispiel Olaf, der seit sechs Jahren auf dem Hof der Wolfs lebt. Bei ihnen konnte er seine Vergangenheit zurücklassen. "In Mühlheim an der Ruhr kannte man mich als den Psychiatriepatienten", erinnert sich Olaf. "Ich wollte mich weiter entwickeln und habe gemerkt, hier komme ich aus diesem Sumpf raus und kann ein ganz neues Leben anfangen."

Auch Jutta hat beim Ehepaar Wolf eine neue Heimat gefunden. "Ich dachte, man muss diese Welt so schnell wie möglich verlassen", erzählt sie. "Ich habe keinen Sinn gesehen." Auf dem Hof der Wolfs konnte sie ihr altes Leben vergessen. Hier wurde sie angenommen und auch gebraucht. "Wir haben Holz, im Sommer machen wir Heu für die Esel, wir haben viel Arbeit", sagt Heinz Wolf.

"Der Mensch sucht nach Liebe. Wenn er die Liebe nicht findet, ist sein Leben sinnlos. Wir wollen versuchen den Menschen die Liebe, die wir selber empfangen haben, weiterzugeben. Liebe, Gespräche, Zuneigung." Heinz Wolf

Es ist der Glaube, der das Ehepaar antreibt. "Hier fand ich Menschen, die Jesus als Retter im Herzen hatten und diese Rettung weitergaben", sagt Jutta. Menschen, die Zeit hatten, sich um sie zu kümmern. "Das hat mir so geholfen und mich stabil gemacht, dass ich jetzt berufstätig sein kann." Heute arbeitet Jutta als Altenpflegerin. "Ich glaube, wenn das hier nicht gewesen wäre, gäbe es mich schon gar nicht mehr."

Leben für die Anderen

Seit 50 Jahren nehmen die Wolfs Menschen auf. Aus Nächstenliebe. Anfangs leiteten sie ein Reha-Zentrum für Drogenabhängige, das in dem kleinen Dorf für Schlagzeilen sorgte. Seit den 1980er Jahren nehmen sie privat Menschen auf, die sich in einer Krise befinden. Für Erika ging alles ganz schnell. "Nachdem ich die Wolfs kennengelernt habe, wusste ich am gleichen Tag, das ist mein neues Zuhause. Hier fühle ich mich geborgen." Inzwischen lebt sie seit zwei Jahren auf dem Hof.

Gemeinsam arbeiten, gemeinsam essen, gemeinsam beten und füreinander da sein. Mit diesem einfachen Konzept haben Gerlinde und Heinz Wolf schon oft Menschen aus Krisen gerettet. "Seitdem wir das privat machen, wird alles selbst finanziert", sagt Heinz Wolf. Früher hatte er eine Farm mit 12.000 Hühnern. Damit hat er den Grundstock für das Projekt erwirtschaftet.

"Unser Ziel ist, Menschen zu helfen. 'Der hat sein Leben am besten vollbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht.' Ich wollte nie für mich leben. Wir hatten keine Kinder und haben unsere Wohngemeinschaft quasi als unsere Kinder gesehen." Heinz Wolf

Ein Leben ohne die Wohngemeinschaft kann sich Jutta nicht mehr vorstellen. "Ich bin Single, ich wäre eine arme Wurst: kein Mann, keine Kinder, alleine in dieser Welt." Immer wieder kämen Situationen, in denen sie andere Menschen braucht. "Das ist hier alles da. Wenn man Hilfe braucht, ist sofort jemand da. Und wenn der Andere Hilfe braucht, bin ich da."

"Ich fühle mich als Diener", sagt Heinz Wolf, "dass ich gebe, was ich habe." Mehr brauche er nicht für ein erfülltes Leben. Und Gerlinde Wolf sieht ihren Dienst einfach nur im "Dasein" für ihre "Familie".