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Bildrechte: BR/Thomas Muggenthaler

Die Wittelsbacher leisteten während der Nazi-Diktatur Widerstand. Und das brachte sie auch in Lebensgefahr - nämlich in das frühere KZ Flossenbürg in der Oberpfalz. Dorthin kehren heute zwei Wittelsbacher zurück und erinnern an den Über-Lebenskampf.

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Die Wittelsbacher im Konzentrationslager - Geiseln Adolf Hitlers

Herzog Franz von Bayern war als kleines Kind mit seiner Familie im KZ Flossenbürg in der Oberpfalz inhaftiert. Wie die Familie Wittelsbach von den Nazis verfolgt wurde, zeichnet der Dokumentarfilm "Die Wittelsbacher - Geiseln Adolf Hitlers" nach.

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Von
  • Thomas Muggenthaler
  • BR24 Redaktion

"Die Leichen waren hier so aufgestapelt, dass es in unserer Baracke dunkel war", sagt Herzog Franz von Bayern. Er steht mit seinem Bruder Max in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg vor der früheren Bordellbaracke des Konzentrationslagers, in der seine Familie einquartiert war - mitten im KZ, in der Nähe des Krematoriums. Franz war damals elf Jahre alt, sein Bruder Max sieben. Der Herzog erinnert sich auch noch an die eigenartigen fettigen Flocken, die es hier regnete – sie stammten von den Leichen, die unter freiem Himmel verbrannt wurden, weil das Krematorium zu klein war.

Die Wittelsbacher hatten sich dem NS-Regime verweigert. Nach dem Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 wurden die Familienmitglieder, derer das Regime habhaft werden konnte, als "Sippenhäftlinge" in Konzentrationslager verschleppt. Die Familie der ehemaligen bayerischen Könige hatte sich zu dieser Zeit bereits nach Italien und Ungarn abgesetzt.

Flucht nach Italien

Kronprinz Rupprecht von Bayern verweigerte Adolf Hitler seine Unterstützung und lebte seit der Jahreswende 1939/40 in Italien, ebenso seine Frau Antonia von Luxemburg und die sechs gemeinsamen Kinder. Rupprecht gelang es, sich der Beobachtung durch die Gestapo zu entziehen und sich in Florenz zu verstecken, bis die Alliierten die Stadt befreit hatten. Sein Sohn Heinrich schlug sich vorher schon zu den Amerikanern durch. Seine Frau Antonia, die sich in die Dolomiten zurückgezogen hatte, wurde verhaftet, genauso ihre fünf Töchter.

Eine Krippe als Erinnerung

So wie das NS-Regime Kronprinzessin Antonia und ihre Töchter in Italien verhaftete, wurde in Ungarn Herzog Albrecht, der Sohn von Kronprinz Rupprecht, mit seiner Frau und den vier gemeinsamen Kindern festgenommen, darunter Herzog Franz und Herzog Max. Für sie hieß das Ziel: Sachsenhausen. Die Eltern versuchten die Kinder abzulenken, gaben ihnen Französisch-Unterricht oder bastelten eine Krippe, die Herzog Franz immer noch jedes Jahr in Schloss Nymphenburg aufbaut, vor allem in Erinnerung an seine Mutter.

Als "Sonderhäftlinge" hatten sie einen privilegierten Status, mussten im Chaos aber dennoch um ihr Leben fürchten. Die Situation war bedrückend. "Ich dachte, hier komme ich nicht mehr lebend raus!", sagt Herzog Franz, der Chef des Hauses Wittelsbach, heute.

Nachdem die Rote Armee immer näher kam, transportierten die Nazis ihre Geiseln im Februar 1945 in Richtung Süden. Die nächste Station: Das KZ Flossenbürg. Der Kommandant brachte die 12-köpfige Gruppe in der früheren Bordellbaracke mitten im KZ unter. Es war Winter, eiskalt. Hier wurden auch die Kinder, die ab und zu ins Freie durften, unmittelbar Augenzeugen des Grauens.

Königliche Familie im Flossenbürger Forsthaus

Nachdem Herzog Albrecht, der Vater von Herzog Franz, schwer erkrankte und die Nazis um ihre Geisel fürchteten, wurde die Familie im Forsthaus mitten im Dorf untergebracht. Dort half Förster Ernst Weber, so gut er konnte. Der Förster hatte sogar noch ein Porträt des bayerischen Prinzregenten Luitpold in seinen Räumen hängen. "Da wusste man, man ist in guten Händen", erinnert sich Fürstin Marie-Gabrielle von Waldburg-Zeil, eine Schwester von Herzog Franz.

Nachdem sich auch hier die US-Armee näherte, wurden die "Sippenhäftlinge" im April 1945 nach Dachau transportiert. Später dann wurden die Wittelsbacher nach Ammerwald bei Reutte in Tirol gebracht, nicht wissend, was mit ihnen geschehen wird und dort schließlich am 30. April 1945 befreit.

Herzog Max traf sich mit Überlebenden

Vergessen war diese Geschichte nie. Prinzessin Irmingard, die 1955 in Schloss Nymphenburg ihre Hochzeit feiertet, hat später diese existenziellen Erfahrungen in eindringlichen Gemälden verarbeitet und ein Buch über ihre "Jugend-Erinnerungen" geschrieben. Herzog Max kam, bis sie wegen der Corona-Krise ausgesetzt worden sind, in den letzten Jahren stets zu den Treffen der überlebenden Häftlinge im KZ Flossenbürg.

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