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© Kai Wido Meyer / Theater Augsburg
Bildrechte: Kai Wido Meyer / Theater Augsburg

Ensemble der Augsburger Brecht-Revue

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    "Die Welt ist: Schlecht! Und ich bin: Brecht!" in Augsburg

    In Augsburg nähert sich das Brecht-Festival dem Ende. Gestern gab es dort noch Mal eine Premiere: eine Revue unter dem Titel "Die Welt ist: Schlecht! Und ich bin: Brecht!" – von und mit Festival-Leiter Patrick Wegenroth. Kritik von Christoph Leibold.

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    Zwischen drei quer über die Augsburger Brechtbühne gespannten Vorhängen, klassischen Brecht-Gardinen, wurschteln sich Clowns-Gestalten mit Groucho-Marx-Schnauzern hervor. Auch wenn sie später die Schnurrbärte ablegen, so bleibt der Abend ein Nummer-Zirkus-Revue mit Patrick Wegenroth als Direktor und Conférencier, auf dem Kopf statt eines Zylinders die Brecht-Schiebermütze.

    Best-of-Brecht-Sampling

    Herzstück des Abends ist Brechts kaum bekanntes "Badener Lehrstück vom Einverständnis", das Fragen nach Mitmenschlichkeit stellt, und um das Wegenroth Gedichte sowie Text-Splitter aus dem dramatischen Werk anlagert. Diese Sampling-Technik betont den belehrenden Duktus der Sätze, die hier wie ausgestanzt wirken aus einer Best-of-Brecht-Bibel. Gelegentlich stellen sich auch komplexere Zusammenhäng ein, die aber meist von Geplärr und Alberei gekillt werden.

    Eher gepfuscht als genial-dilettantisch

    Wegenroth kokettiert mit dem Gestus des Improvisierten, vermeintlich Genialisch-Dilettantischen. Tatsächlich stellt sich aber nur der Eindruck des schlampig Zusammengeschusterten ein, zu dem auch die mal ordentlich, mal mittelprächtig dargebotenen Gesangsnummer von PeterLichts „Lied vom Ende des Kapitalismus“ bis Madonnas „Material Girl“ beitragen. Am Ende sind alle drei Vorhänge offen, doch eher als betroffen ist man befremdet.

    Nach dem Ende des Brecht-Festivals wird "Die Welt ist: Schlecht! Und ich bin: Brecht!" regulär in den Spielplan des Theaters Augsburg übernommen.