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Die vier Jahre lang zurückgehaltene Quentin Tarantino-Doku | BR24

© Koch Films/ Jordan Strauss Invision AP Photo.
Bildrechte: Koch Films/ Jordan Strauss Invision AP Photo.

Regisseur Quentin Tarantino

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Die vier Jahre lang zurückgehaltene Quentin Tarantino-Doku

Der Sexskandal um Medienmogul Harvey Weinstein verhinderte erst die Veröffentlichung von "The First Eight". 2019 erhielt dann die Regisseurin die Rechte zurück. Was die Doku über Quentin Tarantino, seine Filme und seine Beziehung zu Weinstein verrät.

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Von
  • Bettina Dunkel

Man könnte diesen Text beginnen wie die Dokumentation, um die es hier geht: mit der ultimativen Lobhudelei auf Quentin Tarantino. Dass er die Stimme seiner Generation ist, der Rockstar unter den Regisseuren, der sich Dinge traut, die kein anderer wagt, der Dialoge schreibt, die scheinbar sinnbefreit, im Endeffekt aber so abgedreht und authentisch sind wie im echten Leben.

Man könnte auch allerlei prominente Stimmen zu Wort kommen lassen: Schauspieler, die im Laufe der Jahre in Tarantinos stetig erweiterte Filmfamilie hineingewachsen sind und allerlei Anekdoten parat haben. Etwa Michael Madsen, der erzählt, wie schwer er sich getan hat, in "Reservoir Dogs" seinen später legendär gewordenen Psycho-Tanz aufs Parkett zu legen. Oder wie schlimm er es fand, dass ausgerechnet der schmächtige Tim Roth ihn erschießt.

© Koch Films
Bildrechte: Koch Films

Aus QT8: Die Dokumentation arbeitet mit animierten Szenen, um Szenen aus Terentinos Leben nachzustellen: in der Mitte übergroß Harvey Weinstein.

Viel über Tarantinos Werke, kaum was zur Person

Die Dokumentation "Quentin Tarantino – The First Eight" ist voll von solchen oft überaus amüsanten Einblicken. Was aufgrund des hohen Entertainmentfaktors erst recht spät auffällt: Die Stories drehen sich primär um Tarantinos Filme, deren Inhalt und Enstehungsgeschichte, sowie die Herangehensweise und Entwicklung von Quentin Tarantino als Regisseur. Der Mensch Tarantino allerdings ist nach den über 100 Minuten Laufzeit weiterhin ein großes Rätsel. Erklärungsversuche wie die seiner langjährigen Produzentin Stacey Sher sind in dieser Hinsicht nicht unbedingt erhellend: "Quentin ist der geborene Filmemacher. Das ist seine Leidenschaft. Dadurch drückt er seine wahren Gefühle, seine Menschlichkeit aus. Und ich glaube, er findet dadurch auch die Verbindung zu anderen Menschen und zu allem, was ihm wichtig ist."

Dass Sher und Tarantino Anfang der 90er-Jahre eine Beziehung hatten, die während der Produktion von "Pulp Fiction" endete, wird mit keinem Wort erwähnt. Dass Sher also auch persönlichere Einblicke hätte liefern können – auf diese Idee kommt man gar nicht erst. Wobei es an und für sich nichts Verwerfliches ist, das Privatleben unter Verschluss zu halten, ganz im Gegenteil. Auch der Umstand, dass Tarantino selbst nicht für Interviews zur Verfügung stand, ist nicht weiter irritierend. Viele Dokumentationen kommen ohne aktuelle Statements ihrer Protagonisten aus.

© Koch Film
Bildrechte: Koch Film

Der US-amerikanische Schauspieler Michael Madsen – oft in Tarantino-Filmen

Filmstart wegen Weinstein-Skandal vier Jahre später

Mit Blick auf die sehr spezielle Entstehungsgeschichte von "The First Eight" vermisst man die fehlenden Aussagen dann aber doch. Wäre die Dokumentation wie geplant 2016 erschienen, hätte sie die ersten acht Filme Tarantinos feiern können, und alle wären zufrieden gewesen. Aber es kam anders. Der Sexskandal um Medienmogul Harvey Weinstein verhinderte den Release, der Film drohte in den Archiven der Weinstein Company zu verstauben. Erst 2019 erhielt Regisseurin Tara Wood die Rechte an ihrer Dokumentation per Gerichtsentscheid zurück. In der Zwischenzeit war so viel vorgefallen, dass sie um eine Aktualisierung ihres ursprünglichen Films nicht umhin kam. Schließlich hat Weinstein jeden einzelnen von Tarantinos ersten acht Filmen produziert.

Kaum eine Beziehung zwischen Regisseur und Produzent in Hollywood war enger, knapp 30 Jahre haben sie zusammengearbeitet. "Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Das hat mir das Herz gebrochen zu erfahren, was mein langjähriger Freund Harvey Weinstein getan hat." Dieses Zitat von Quentin Tarantino stammt aus der Zeitung – und steht im Widerspruch zu einer Aussage, die Tarantino gegenüber Michael Madsen getätigt haben soll. "Quentin meinte zu mir: Ich wusste seit langem davon, ich hätte was sagen sollen. Hab ich aber nicht." Beide Aussagen sind Teil einer aus Berichten zum Weinstein-Skandal montierten Passage, die ans Ende der Dokumentation gepackt wurde. Sie wirft viele Fragen auf. Antworten liefern kann sie nicht.

"QT8: Quentin Tarantino – The First Eight" von US-Filmemacherin Tara Wood läuft am 5. Juni 22:10 Uhr auf Arte

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