Gerhard Polt und die Well-Brüder posieren mit Instrumenten am See, Polt lupft seinen Hut
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Gerhard Polt und die Well-Brüder

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Die Toten Hosen touren mit Polt und den Well-Brüdern

Auf Protest-Konzerten gegen die WAA Wackersdorf lernten sich die Toten Hosen und die Well-Brüder einst kennen. Es folgten gemeinsame Programme, bei denen auch Gerhard Polt dabei war. Unter dem Motto "Forever" geht’s jetzt nochmal zusammen auf Tour.

Über dieses Thema berichtet: Die Kultur am .

Punk meets Volksmusik. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Als "Begegnung der dritten Art" hat Hans Well das erste Zusammentreffen der Toten Hosen und der Biermösln Blosn 1986 in Burglengenfeld gegen die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf einmal beschrieben. Hier die Punkrocker aus Düsseldorf mit ihrem krachigen Krawallsound, dort die satirischen Stubenmusi-Guerillas aus dem oberbayerischen Nest Günzlhofen, die alle krachledernen Klischees unterwanderten. Eine Kollision der Klangwelten. Und doch: Der Beginn eines harmonischen Miteinanders. Denn so sehr sich Hosen und Blosn in Sound und Anmutung unterschieden, so vertraut waren sie sich schnell in ihrer anarchischen Grundüberzeugung. Und so waren schon bald die Toten Hosen als Gastmusiker auf Biermösl-Tontägern zu hören (und verwandelten zum Beispiel den Volksliedklassiker "Da boarisch Hiasl" in eine Gitarrenrocknummer), während die Biermösl Blosn die Alben ihrer Brüder im anarchischen Geiste mit musikkabarettistischen Intermezzi aufmischten.

"Forever": Aufbruch in die Unendlichkeit am Schliersee

Auch Gerhard Polt stieß regelmäßig dazu. Legendär das gemeinsame Weihnachtskonzert der anderen Art von Polt, Wells und Hosen: "Abvent!" Die Biermösl Blosn ist seit dem Ausscheiden von Hans Well Geschichte. Michael und Stofferl machen seither mit Bruder Karli unter dem Namen Wellbrüder aus’m Biermoos weiter. Der Draht zu den Toten Hosen aber ist unverändert erhalten geblieben. "Wir sind Freunde, und zwar forever!" erklärt Stofferl Well und hält fest: "Was die Musik verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen."

"Forever" – so lautet daher nun auch der Titel der Tour, der Gerhard Polt, die Well-Brüdern und die Toten Hosen noch einmal gemeinsam auf der Bühne versammelt. Der Aufbruch in die Unendlichkeit startet am 14.7. im Bauerntheater in Polts Wohnort Schliersee, wo vorab auch geprobt wird.

Die Tour zusammen durchziehen

Vierzehn weitere Auftritte folgen, die meisten davon Open-Air. In Bayern stehen Konzerte in Altusried (19.7.), Spalt (21.7.) und Oberschleißheim (29./30.7.) auf dem Tour-Kalender. Der Plan, so heißt es in der offiziellen Ankündigung der Tour, sei "ein gänzlich neues gemeinsames Bühnenprogramm zu entwickeln", und zwar eines, in dem alle Beteiligten versprechen, sich stärker auf einander einzulassen als je zuvor. Frühere gemeinsame Unternehmungen hätten vor allem von den vermeintlichen Gegensätzen gelebt. Jetzt wolle man "das Ding" wirklich "zusammen durchziehen". Heißt konkret: "Polt und die Well-Brüder öffnen sich der Rockmusik, dafür beschränken die Hosen sich auf akustische Instrumente und machen jeden bayerischen Mundart-Wahnsinn mit. Man respektiert sich, auch wenn man sich nicht immer versteht."

Kulturelle Aneignung?

Intern habe man daher diskutiert, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Künstler, ob es sich bei alldem womöglich um kulturelle Aneignung handele. Man sei dann aber zu dem Schluss gekommen, dass das Programm vor allem eine Zumutung sei. Ob für die Macher oder das Publikum, bleibt in dem stark (selbst-)ironisch gefärbten Statement freilich offen. Und was die wechselseitige Aneignung bei diesem rheinisch-bayerischen Culture Clash betrifft, so versichert Stofferl Well, werde sie mit "Begeisterung und Respekt" vonstattengehen. Er freut sich aber nicht nur auf die gemeinsamen Auftritte auf der Bühne: "Was das höchste ist: Wir fahren wieder alle miteinander im Nightliner!"

Gerhard Polt, die Well-Brüder & Die Toten Hosen: "Forever. Eine kulturelle Zumutung". Der Vorverkauf beginnt am 21. Juni exklusiv über www.dth.de, dort finden sich auch alle Tour-Termine.

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