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Papst Johannes Paul II küsst den Boden.

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Immer im Fokus: Die Päpste und die Macht der Bilder

Wenn ein Papst sich in der Öffentlichkeit zeigt, entstehen oft Bilder, die um die Welt gehen. Nicht nur bei dessen Ernennung. Jeder Papst weiß das. Und schreibt damit an seiner eigenen Ikonographie.

Andreas Batlogg ist Jesuit und hat sich viel mit der Bildsprache bei Päpsten auseinandergesetzt. "Wir reden ja nicht nur durch unser Wort, sondern auch durch unsere Körper", sagt er. Körpersprache bedeutet viel, sagt Batlogg. Zeichen und Symbole spielen eine große Rolle.

Bildstarke Gesten

Da ist etwa die prächtige Papstkrone, die Tiara. Johannes XXIII. (im Amt von 1958–1963) setzt sie zum Beginn des von ihm einberufenen Zweiten Vatikanischen Konzils demonstrativ nicht auf. Der Bischof von Rom unter anderen Bischöfen – ein Bruder im Amt, das ist die Botschaft. Aber damit nicht genug. Im Petersdom steigt er vor 60 Jahren von dem Tragsessel, der "Sedia gestatoria", und geht zu Fuß weiter.

"Es hätte ja kein Konzil mehr gebraucht nach dem ersten Vatikanischen Konzil, wo der Papst durch die Unfehlbarkeit und durch den Jurisdiktionsprimat alles im Alleingang machen konnte. Da ist er aufgestanden, zum Fenster gegangen, hat es geöffnet und hat gesagt: Frische Luft braucht's." Andreas Batlogg, Jesuit und Papst-Experte

Machtvolle Bilder werden überlagert

Mit der Moderne ins Gespräch kommen – das ist das Anliegen von Johannes XXIII. Doch vollenden wird sein Werk Paul VI. (im Amt von 1963–1978). Dieser Papst gibt sich auch nach dem Konzil modern. Er telefoniert mit den Männern auf dem Mond. Er besucht als erster Papst seit dem 8. Jahrhundert die Türkei. Er reist als erster Papst nach Israel. Meilensteine. Aber die Macht dieser Bilder wird von einem anderen Thema komplett überlagert, der Enzyklika Humanae Vitae. Darin untersagt Paul VI. die künstliche Empfängnisverhütung.

"Ich halte ihn wirklich für den Intellektuellsten und auch mit prophetischen Gaben", sagt der Jesuit Andras Batlogg. Aber es liege ein Schleier der Tragik über den 15 Jahren Pontifikat. "Und der hat natürlich zu tun mit Humanae Vitae, und Paul VI. hat sich von diesem Trauma nie mehr erholt."

Papst Johannes Paul II.: berühmter Bodenkuss

Johannes Paul II. (im Amt von 1978–2005) entwickelt bei seinen Reisen eine eigene Symbolik. 127 Länder besucht er als Papst, beginnend immer mit dem berühmt gewordenen Bodenkuss. Als er nicht mehr reisen kann, ist sein Pontifikat von Bildern des Leids geprägt. Unvergessen der Moment, als Johannes Paul II. drei Tage vor seinem Tod am Fenster des Apostolischen Palastes erscheint.

"Er machte damit deutlich: Alter, Gebrechlichkeit, Krankheit - auch da gibt es Würde. Die andere Seite ist natürlich, dass ihm manche vorgeworfen haben, er inszeniert sein Sterben. Und wenn ein Papst nicht mehr sprechen kann, dann ist natürlich, dann ist es aus." Andreas Batlogg, Jesuit und Papst-Experte

Wenn sich Benedikt XVI. (im Amt von 2005-2013) unter Menschen begibt, wirkt er aufmerksam, aber distanziert. Ein Intellektueller, der selbst während seines Pontifikats noch drei Bücher schreibt. Ein Mann des Wortes, weniger der Gesten.

Zwei Männer in weißen Gewändern

Als Benedikt 2013 zurücktritt, gelobt er seinem Nachfolger Franziskus Gehorsam. Aber das weiße Papst-Gewand trägt Benedikt weiter. Andreas Batlogg hält das für einen Fehler: "Wir sehen zwei weiße Männer, zwei Päpste, und es gab ja sehr wohl Situationen, wo Bischöfe und Kardinäle meinten, sie müssten zu Benedikt laufen, weil sie mit Franziskus unzufrieden waren, und das ist einfach nicht gut für die Kirche."

Franziskus sucht die Nähe zu Armen, Kranken und Menschen mit Behinderung. Die Nähe zu Präsidentinnen und Honoratioren nimmt der Lateinamerikaner hin. Für Andreas Batlogg ist der Stil von Franziskus jesuanischer als das, was er bei anderen Päpsten beobachten konnte: "Ich denke, es ist schon eine Vorgabe für die künftigen Päpste." Die passende Überschrift für Franziskus' Ikonographie könnte also "Fürsorge" lauten.

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