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Die Orgel - das Instrument des Jahres 2021 | BR24

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2021 ist das "Jahr der Orgel" - die Zukunft des Kircheninstruments aber sieht düster aus.

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    Die Orgel - das Instrument des Jahres 2021

    Geliebt und gehasst: 2021 ist offizielles "Jahr der Orgel". Seit Ostersonntag erklingt sie wieder, das Kircheninstrument schlechthin. In Bayern sind seinerzeit die ersten Instrumente gebaut worden. Doch welche Zukunft hat die Orgel?

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    Von
    • Barbara Weiß

    Größtes, tiefstes, lautestes, aber auch leisestes und wohl vielfältigstes Musikinstrument: die Orgel, die "Königin der Instrumente". So nannte Mozart sie. Und sie ist das Kirchenmusikinstrument Nummer Eins. Jetzt wurde sie auch noch von den deutschen Landesmusikräten zum Instrument des Jahres gekürt. Um sie wieder mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und um junge Menschen zu motivieren, Orgel zu lernen. Denn nicht nur die Kirchen werden immer leerer, auch die Organisten werden immer rarer.

    Organisten sind rar, Nachwuchsorganisten geradezu exotisch

    Thomas Pöschl aus Jandelsbrunn im Bayerischen Wald ist Organist. 17 Jahre ist er alt, ist Regensburger Domspatz und spielt Orgel, seit er ein 13-jähriger Bub war. Gerade hat er beim Wettbewerb "Jugend musiziert" brilliert und zudem den Sonderpreis der Stadt Regensburg bekommen. "Mein Vater war Organist in einem nahegelegenen Ort und der hat mich immer mitgenommen. Seitdem ist die Faszination, die Liebe zur Orgel da", erklärt er seine Leidenschaft. Vor allem die verschiedenen Klangfarben zu kombinieren, das fasziniert ihn. Das habe man bei keinem anderen Instrument, sagt er.

    Bayern hat eine lange Orgelbautradition

    Thomas Pöschl ist sozusagen unter Orgelpfeifen aufgewachsen. Die Orgel hat den Jugendlichen schon früh in ihren Bann gezogen. Thomas Pöschl ist nicht nur ein Ausnahmetalent, sondern auch eher eine Ausnahmeerscheinung in Bayern: Selbst bei den Regensburger Domspatzen spielen außer ihm nur ein paar andere Orgel. Schade, sagt Marcel Huber, Präsident des Bayerischen Musikrats. Denn Bayern sei ein echtes Orgelland. "Bayern hat eine ganz besondere Beziehung zu dem Instrument", so Marcel Huber. Es gebe viele Kirchen mit berühmten Orgeln im Freistaat und eine lange Orgelbautradition.

    Bayern: Größte Domorgel und weltberühmte Orgelsammlung

    Nicht nur jede Menge Orgelbauer gibt es hier. Auch die größte Domorgel der Welt steht in Bayern. Und zwar in Passau. Mit 18.000 Pfeifen. Und im oberbayerischen Valley befindet sich eine weltweit beachtete Orgelsammlung. Seit etwa dem 13. / 14. Jahrhundert sind Orgeln in Kirchen verbreitet, weiß Andreas Handke vom Landesverband der evangelischen Kirchenmusiker in Bayern: "Die Orgeln hatten immer die Funktion, den Gesang zu begleiten: erst die Gregorianik, dann Kirchenlieder und Choräle. Und diese Hauptfunktion hat die Orgel auch heute noch."

    Kirchenmusiker und Landeskirche werben um Nachwuchs

    Wer nicht gut orgeln konnte, der brauchte früher gar nicht erst Kirchenmusiker zu werden, so wie der berühmteste Kirchenmusiker und Orgelkomponist, Johann Sebastian Bach. Aber heute fehlt der Nachwuchs. Darum hat die evangelische Landeskirche gemeinsam mit der Hochschule für Evangelische Kirchenmusik in Bayreuth und dem Landesverband der evangelischen Kirchenmusiker eine Initiative gestartet. Unter dem Motto "Mach Kirchenmusik" wird verstärkt um Nachwuchsmusiker geworben.

    Nachwuchsorganisten zweifeln an Zukunft des Berufs

    Thomas Pöschl, der Nachwuchs-Organist aus dem Bayerischen Wald, der so ausgezeichnet Orgel spielt und auch als Domspatz in Regensburg viel in der Kirche singt, ist sich allerdings noch nicht sicher, ob er Kirchenmusiker werden will: "Es ist ja aktuell so, dass die Kirche zurückgeht in der Gesellschaft. Da muss man abwägen, ob das noch ein Beruf ist, mit dem man seinen Lebensunterhalt verdienen kann."

    Orgel - Instrument für Ohr und Seele

    Angelika Tasler ist diesen Weg gegangen. Sie ist Kirchenmusikerin in der katholischen Gemeinde St. Anna in München. Die Orgel ist ihr Lieblingsinstrument und Bach ihr Lieblingskomponist. Gerade jetzt während der Pandemie schöpft sie Kraft aus dem Orgelspiel und aus Bachs Musik, erzählt sie: "Es ist eine nachdenkliche Musik, nicht überschäumend, aber bei Bach ist es so, dass die Musik Zuversicht ausstrahlt, ein Gottvertrauen, dass am Ende alles gut wird."

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