BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/dpa
Bildrechte: dpa

Eigenes Museum, große private Sammlung, eine der größten privaten Videokunst-Sammlungen: Ingvild Goetz ist Kunstenthusiastin. Ihr besonderes Interesse gilt der Kunst von Frauen. Die Münchner Sammlerin wird heute 80.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Starke Frauenkunst – Die Sammlerin Ingvild Goetz wird 80

Eigenes Museum, große private Sammlung, eine der größten privaten Videokunst-Sammlungen: Ingvild Goetz ist Kunstenthusiastin. Ihr besonderes Interesse gilt der Kunst von Frauen. Die Münchner Sammlerin wird heute 80.

Per Mail sharen
Von
  • Christine Hamel

Es fing schon damit an, dass das Metier oder besser: die Besessenheit des Kunstsammelns bis auf wenige Ausnahmen in Männerhand war – bestenfalls gab es sammelnde Ehepaare. Und dann betrat Ingvild Goetz die Ateliers. Da hatte sie schon – zusammen mit ihrer Freundin – die ganze Welt bereist, war bei den Indigenen am Amazonas, in Afghanistan, in Afrika oder Papua Neuguinea. Immer elegant in Kleid, Sonnenbrille, das Haar hochgesteckt. Sie macht sich doch schließlich schön, wenn sie zu Besuch kommt – eine Ehrerweisung. Ähnlich einfühlend und elegant geht Ingvild Goetz auch bei der Kunst vor. Keine programmatischen Überlegungen bestimmen ihre Sammeltätigkeit, sondern der auf Herz und Geist überspringende ästhetisch-intellektuelle Funke: "Ich habe mir nie Gedanken gemacht, warum ich jetzt gerade diese Arbeit kaufe. Aber ich weiß, dass ich sehr emotional sammle. Dass ich zwar, wenn mich etwas beschäftigt, noch einmal hinterfrage, aber ich merke, dass mich die weiblichen Künstlerinnen viel stärker ansprechen und viel stärker herausfordern. Es gibt auch Künstler, die diese weiblichen Elemente haben, nehmen wir einfach mal Mike Kelly, auch Matthew Barney und Gonzales Torres. Das sind so Künstler, die sehr stark in ihre eigene Welt eintauchen und Erfahrungen über sich nach außen bringen, aber sonst ist es eher den Frauen vorbehalten."

Große Werkgruppen von Künstlerinnen

Ingvild Goetz ist denn auch die erste deutsche Sammlerin, die vor allem von Künstlerinnen größere Werkgruppen zusammenträgt: Cindy Sherman, Rosemarie Trockel, Tracy Emin, Nan Goldin, Mona Hatoum, Yayoi Kusama, Kiki Smith oder Louise Bourgeois gehören zu denen, die, so sagt es die Sammlerin, "wie Stachel im Fleisch" sind. "Louise Bourgeois geht ja sehr direkt mit ihrem Leben um, bringt auch ihre Ängste, die sie als Kind gehabt hat, ein. Sie setzt das natürlich sehr interessant in einer abstrakten Weise um, man spürt dahinter eine unglaubliche Intensität."

© dpa
Bildrechte: dpa

Sammlung Goetz in München

Ingvild Goetz geht es vor allem um die formal-ästhetische Umsetzung von gesellschaftspolitischen Themen, um emotionale Komplexität, Selbstreflexion und Reichtum an Mythen und Symbolen. Den Kern ihrer Sammlung machen Videoarbeiten aus, viele erzählen vom Krieg. Ein Aspekt, der Ingvild Goetz erst in der Rückschau klar wurde: "Ich war selbst erstaunt, wie viel Arbeiten dieser Art ich erworben hatte. Vielleicht deswegen, weil ich irgendwie begreifen möchte, warum wir Menschen so sind wie wir sind. Und auf welche Art diese Killerinstinkte geweckt werden."

Kunst ist kein "cultural asset"

Das erste Kunstwerk, das Ingvild Goetz erwarb, – es war im Jahr 1969 – war eine Grafikmappe des Pop-Art-Künstlers Eduardo Paolozzi. Mehr als 5.000 Werke quer durch alle Genres sollten folgen: Gegenwartskunst aus den USA, die Young British Artists, Arte Povera oder deutsche, indische und japanische Kunst. Über dem Sofa der Sammlerin hängt ein dreidimensionales Bild-Objekt von Minoru Obada, der vom Konzept der Wiederholung beeindruckt war und reliefartige Verschmelzungen graduell größer werdender Punkte betrieb. In ihrem Badezimmer, verriet Ingvild Goetz gegenüber Art-Net News, hänge hingegen kein Kunstwerk – aus konservatorischen Gründen. Kunst ist kein "cultural asset" für Ingvild Goetz, kein Distinktionsvorteil und auch keine Aktie an der Wand. Die Sammlerin meint es ernst mit der Kunst. 1993 beschert sie München am Stadtrand denn auch ein Museumswunder: In einem streng-schlichten, edlen Bau von Herzog & de Meuron eröffnet sie ihr Privatmuseum. Das Portrait, das Andy Warhol von ihr malte, sieht man dort nicht. Ingvild Goetz lässt mit großzügig-lässiger Geste immer ihrer Sammlung den Vortritt. Ein Glücksfall für die Kunst.

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen ... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!