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Yvonne Renner ist Pfarrerin, lesbisch und verheiratet - mit Christiane, die als Vikarin arbeitet. Die evangelische Kirche sich dazu entschieden, auch homosexuelle Paare zu segnen. Das Credo: Die Liebe zählt.

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Die Liebe zählt: Ein Pfarrhaus, zwei Pfarrerinnen

Yvonne Renner ist Pfarrerin, lesbisch und verheiratet – mit Christiane, die als Vikarin arbeitet. Anders als in der katholischen Kirche, hat die evangelische Kirche sich dazu entschieden, auch homosexuelle Paare zu segnen. Das Credo: Die Liebe zählt.

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Von
  • Birgit Rätsch

Yvonne Renner ist seit etwa einem Jahr Pfarrerin in der Friedenskirche München-Trudering. Auch wenn Homosexualität bis heute nicht nur in der katholischen Kirche, sondern auch in der evangelischen Kirche für Konflikte sorgt, sieht die Pfarrerin kein Problem.

"Ich finde, Homosexualität lässt sich wunderbar mit dem Christentum vereinbaren. Es geht ja nicht darum, wie man jemanden liebt, sondern es geht darum, dass man jemanden liebt. Und es geht darum, dass Gott uns alle als seine Söhne, Töchter und alles dazwischen geschaffen hat und dass wir diese Liebe, die Gott uns schenkt, weitergeben." Yvonne Renner

"Verliebt in eine Frau? Ja, dann ist es eben so."

Irgendwann während ihres Studiums hatte Yvonne Renner es gemerkt: Sie ist lesbisch. Das war damals, als sie an der theologischen Augustana-Hochschule in Ansbach studierte und Christiane kennen lernte. Diese ahnte schon sehr früh, dass sie lesbisch ist.

"In der Rückschau würde ich sagen, dass ich eine queere Pubertät hatte. Ich sag mal: Vielleicht waren alle Mädels in meiner Klasse damals in den Englischlehrer verliebt, aber ich in die Latein-Referendarin. Im Nachhinein würde ich sagen, da hat sich das so ein bisschen angebahnt, zu wissen: Vielleicht könnte ich ja Frauen attraktiv finden." Christiane Renner

Während Christiane ihren Weg als lesbische Frau schon gefunden hatte, musste Yvonne sich erst an den Gedanken gewöhnen, eine Frau zu lieben.

"Wir waren eine ganze Zeit lang befreundet und haben uns immer besser kennengelernt. Und irgendwann habe ich gemerkt: Okay, wenn sie kommt, dann habe ich Schmetterlinge im Bauch oder ich kriege weiche Knie. Eigentlich würde man da wahrscheinlich sagen: Ich bin verliebt. Aber: Sie ist ja auch eine Frau. Und dann dachte ich mir: Ja, dann bin ich halt jetzt in eine Frau verliebt. Dann ist es eben so." Yvonne Renner

Vorbehalte von allen Seiten

In ihrem kleinen oberfränkischen Dorf kannte Yvonne Renner niemanden, der gleichgeschlechtlich liebte. Deshalb spielte das Thema für sie keine Rolle als Jugendliche.

Erst im Studium befasste sie sich mit Homosexualität und Kirche. Und war auf einmal selbst mittendrin – und verwirrt. Sie musste feststellen, dass Vorbehalte nicht nur von Heterosexuellen kamen, sondern auch von dort, wo sie es nicht erwartet hätte.

"Wenn man in der queeren Community sagt, man ist christlich oder gar, man ist Pfarrerin, dann ist die Reaktion eher ablehnend bis hin zum Kontaktabbruch. Und gleichzeitig ist es auf der Kirchenseite so, wenn man sagt 'Ich bin queer', dann kann einem das durchaus auch passieren, dass es zum Kontaktabbruch kommt. Es gibt eine große Unsicherheit auf beiden Seiten. Und gerade in der queeren Community hängt es natürlich mit der Geschichte zusammen, und mit Verletzungen." Yvonne Renner

Zwei Pfarrerinnen, ein Pfarrhaus

In ihrer Friedenskirche in Trudering kennt Yvonne Renner das Problem nicht. Die Gemeinde hat ihre lesbisch lebende Pfarrerin offen aufgenommen. Sie hat auch kein Geheimnis aus ihrer Liebe gemacht.

"Ich fand es ganz wunderbar, dass die Pfarrerin Renner gleich im ersten Gemeindebrief ganz offen und fast sogar offensiv mit dieser Nachricht umgegangen ist und gesagt hat: 'So bin ich. Hallo, guten Tag, ich bin die neue Pfarrerin, ich lebe mit einer Frau zusammen.' Ich finde, so normal sollte das in der Zukunft auch sein. Ein ganz normaler Vorgang und nichts Besonderes. Und wir freuen uns für sie, und sie ist eine wunderbare Pfarrerin." Gemeindemitglied

Auch Christiane Renner ist promovierte Theologin und hat bald ihre Ausbildung beendet. Ab September werden sich die beiden Frauen, die seit acht Jahren verheiratet sind, eine Stelle teilen. Ein lesbisches Ehepaar im Pfarrhaus, vielleicht irgendwann sogar mit Kindern – das hat immer noch Seltenheitswert.

Theologische Begründung: Nur die Liebe zählt.

In der Evangelischen Kirche gibt es keine einheitliche Regelung, wie Trauungen oder Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aussehen können. Jede Landeskirche hat dazu eigene Vorgaben. Eine Trauung ist bisher nur in den Landeskirchen in Hessen und Nassau, im Rheinland, in Baden und in Berlin-Brandenburg möglich.

Es gibt jedoch fast überall grundsätzlich die Möglichkeit für homosexuelle Paare sich segnen zu lassen, sofern der jeweilige Pfarrer dies auch machen möchte.

Auch Yvonne und Christiane Renner haben den kirchlichen Segen für ihre Ehe bekommen. Yvonne Renner ist bewusst, dass es um das Thema ein großes Ringen gab, da es für viele Menschen noch immer schwierig ist. Aber, erzählt die Pfarrerin, "die evangelische Kirche hat da inzwischen die Politik gefunden, für sich auch und das auch theologisch begründet." Und zwar: Nur die Liebe zählt.

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