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Die Landesausstellung 2024 in Landsberg wird eine schwere Geburt | BR24

© picture alliance / dpa Bildagentur-online

Sanierungsbedürftig: Das Stadtmuseum Landsberg, in dem die Landesausstellung geplant ist

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Die Landesausstellung 2024 in Landsberg wird eine schwere Geburt

"Räuber und Banditen" ist der Arbeitstitel für die Bayerische Landesausstellung 2024. Und Landsberg will sie haben, schließlich hat die Stadt am Lech ein sehr imposantes historisches Gefängnis. Doch es gibt starke Bedenken wegen der Finanzierung.

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Seit dieser Woche ist klar: Es geht auf jeden Fall weiter mit dem Bemühen, die Landesausstellung 2024 nach Landsberg am Lech zu holen. Nach einem Gespräch der Stadtspitze mit dem Haus der Bayerischen Geschichte steht aber auch fest, dass die Stadt noch Überzeugungsarbeit leisten muss, ehe der eigentlich ausgehandelte Vertrag unterschrieben werden kann. Oberbürgermeister Mathias Neuner von der CSU sieht beim Ausstellungsort, dem sanierungsbedürftigen Stadtmuseum, noch nicht alle praktischen Fragen geklärt: "Das ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, das heißt wir müssen noch den Brandschutz ertüchtigen, wir müssen uns um die Statik kümmern. Wir müssen uns aber auch um die Zuwegung, die Sicherheit der Menschen vor Ort kümmern. Das können wir, Stand heute, noch nicht garantieren, dass das funktioniert."

Sind die Kosten für die Sanierung des Stadtmuseums zu stemmen?

Bis Mai, spätestens Juni, sollen die entsprechenden Nachweise vorgelegt werden - ein knapper Zeitplan. OB Neuner hatte das Projekt Landesausstellung anfangs selbst stark angeschoben, dann aber Zweifel bekommen: Könne seine Stadt die Sanierung des Museums stemmen – finanziell, personell und bis 2024? Die Zweifel waren so groß, dass Neuner dem Stadtrat in der entscheidenden Sitzung im letzten November empfahl, den Vertrag abzulehnen. Die Räte aber votierten mit 18 zu 10 Stimmen dafür. Einzig seine CSU-Fraktion konnte Neuner dem Vernehmen nach geschlossen für seine neue Linie gewinnen. Die anderen Fraktionen wie Grüne, SPD und die lokalen Listen UBV und Landsberger Mitte waren mehrheitlich der Ansicht, so eine Chance dürfe sich Landsberg nicht entgehen lassen. "Wenn es klappen würde – ich wäre der größte Fan der Landesausstellung, das sage ich Ihnen ganz ehrlich. Aber es muss halt auch klappen. Kurzfristig abzusagen, wäre eine Katastrophe, die wollen wir alle nicht.", sagt Mathias Neuner.

Allein verantwortlich dafür wäre Mathias Neuner nicht mehr: Er übertrug seinem Kulturreferenten und 3. Bürgermeister Axel Flörke von der Landsberger Mitte das Projekt. Flörke, eigentlich großer Verfechter der Landesausstellung, erklärte damals, der OB sei dafür gewählt, Stadtratsbeschlüsse umzusetzen und, so wörtlich, "nicht ein derart wichtiges Projekt für die Stadt Landsberg aus den Händen" zu geben. 

Die Ausstellung wäre ein großer Gewinn für die Stadt

Inzwischen sieht Flörke das etwas anders. "Jetzt sage ich klar: Ich habe es akzeptiert, weil es auch mein Bereich ist. Also ich stehe zu 100 Prozent hinter dem Museum, auch der Landesausstellung und mache das sehr, sehr gerne." Der Wille bei dem Kulturreferenten ist also da – aber der Rückzieher des Oberbürgermeisters vor dem Stadtratsbeschluss habe die Erfolgsaussichten geschmälert, glaubt er mit Blick auf die Verantwortlichen beim Haus der Bayerischen Geschichte. "Das ganze war ein Affront gegenüber dem Haus der Bayerischen Geschichte, so dass sie jetzt skeptisch, ich sage sehr skeptisch geworden sind und von uns eine absolute Garantie verlangen, dass wir die Übergabe des Museums bis zum Jahr 2024 garantieren können", sagt Förke.

Die Sanierung des Museums im ehemaligen Jesuitengymnasium – an sich schon ein historisches Juwel der Stadt – und auch die Landesausstellung mit ihrer Strahlkraft wären ein großer Gewinn für das kulturelle Leben in Landsberg, ist sich auch Museumschefin Sonia Fischer sicher: "Der Zuschlag einer Landesausstellung ist wie ein Sechser im Lotto. Sie wissen, dass die Landesausstellungen eine so zugkräftige Marke sind mit einer überregionalen Strahlkraft, dass man pro Jahr ungefähr 150.000 bis 200.000 Besucher erreicht. Das bedeutet, dass dieses Museum mit einem Schlag bekannt würde. Wir könnten das mit keiner Werbekampagne kompensieren, das ist ganz klar."

Die vom Haus der Bayerischen Geschichte verlangten Garantien rechtzeitig beizubringen, wird aber nicht leicht. Gelingt es nicht, stünden, so heißt es, schon andere Städte als Bewerber bereit. Eines aber ist mit der neuen Frist bis in den Frühsommer sicher: Vor der Kommunalwahl muss niemand mehr erklären, dass es möglicherweise doch nichts wird mit der Landesausstellung in Landsberg - und vor dem Wahlsonntag dürfte auch kein Kandidat mehr von dem Vorhaben abrücken.

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