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"Die Koffer darf nicht sterben": Fürther bangen um Kulturzentrum | BR24

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Die "Kofferfabrik" in Fürth ist ein ziemlich einmaliges Kulturzentrum. Der Eigentümer hatte ihr gekündigt.

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"Die Koffer darf nicht sterben": Fürther bangen um Kulturzentrum

Die Nachricht ist ein Schock für die Fürther Kulturszene: Das Subkultur-Zentrum "Kofferfabrik" hat vom Eigentümer die Kündigung erhalten. Inzwischen wurde sie zwar zurückgenommen, aber das Bangen um "die Koffer" geht weiter.

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Von
  • Karin Goeckel

Bröckelnder Putz, bemalte Wände, undichtes Dach, wackelige Fenster: Die Kofferfabrik in der Langen Straße 81 in Fürth ist sichtbar in die Jahre gekommen. Doch gerade diesen morbiden Charme lieben die Koffer-Fans. "Ich hab immer das Gefühl, wenn ich in die Koffer geh, ich bin in Berlin", meint die Fürther Kulturreferentin Elisabeth Reichert (SPD). Der marode Eindruck wird aber mehr als wett gemacht von den hochkarätigen Angeboten im Inneren: Konzerte nationaler und internationaler Künstler, Kunstausstellungen, Theatervorführungen und Lesungen, aber auch Gastronomie, Kneipenquiz, Flohmärkte und Stammtische – das alles hat Platz in der "Koffer". Sie sei einmalig in Nordbayern und neben Stadttheater, Stadthalle und Comödie eine der großen Kultureinrichtungen in Fürth, sagt die Kulturreferentin.

Eigentümer schickte Kündigung der Kofferfabrik

Doch nun steht diese einmalige Kultureinrichtung vor dem Aus. Der Eigentümer der Kofferfabrik, die Firma Lauer Immobilien, hat ihr gekündigt – zunächst bis Ende September, nach Gesprächen erklärte sich Lauer zu einer Schonfrist bereit. Und dann? Ein Umzug kommt für Koffer-Chef Udo Martin nicht in Frage. "Die Koffer kann man nicht einfach umtopfen, die Koffer ist in der Langen Straße 81 und nur dort", sagt er. Wenn er umziehen muss, will er aufhören. "Das mache ich nicht mit", so Martin.

Lauer Immobilien nimmt Kündigung zurück

Inzwischen hat Lauer Immobilien mitgeteilt, die Kündigung sei vom Tisch. In den Fürther Nachrichten sprach ein Vertreter der Firma von einem "katastrophalen Kommunikationsfehler von unserer Seite". Verkaufspläne gebe es nicht. Allerdings soll es in der kommenden Woche eine Videokonferenz mit Framnu Lauer, Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD), Kulturreferentin Elisabeth Reichert, Baureferentin Christine Lippert und Koffer-Chef Udo Martin geben. Unter anderem soll es um Haftungsfragen in der maroden Kofferfabrik gehen.

Koffer-Fans und Künstler sind entsetzt von der Kündigung

Viele Kulturfreunde und Künstler in der Region hoffen, dass die Fürther Kofferfabrik gerettet werden kann, und zwar genau dort, wo sie jetzt steht. "Alternativer Standort? Kann ich mir nix denken, was dem Charme der Koffer auch nur ansatzweise ähnelt", schreibt etwa Edda B. Lang auf der Facebook-Seite der Kofferfabrik. "Meine geliebte Koffer, das darf nicht passieren", "Das ist eine Katastrophe" oder "Mir blutet das Herz" lauten andere Kommentare. Eigentümer Lauer Immobilien erntet viel Kritik. "Billig sanierte Luxusimmobilien sind halt lukrativer", meint ein User ernüchtert.

Improtheater 6 auf Kraut: Uns wird der Boden unter den Füßen weggezogen

Für das Improvisationstheater "6 auf Kraut" ist das Subkulturzentrum in der Langen Straße 81 quasi ihr Wohnzimmer. Einmal im Monat tritt die Truppe üblicherweise dort auf.

"Ohne die Koffer würde uns als Theatergruppe der Boden unter den Füßen weggezogen. Wir müssten uns sehr anstrengen, einen Ort zu finden, wo wir so nach eigenen Vorstellungen spielen können, so mit unserem Publikum in Kontakt sein können, und wo der Ort auch so gut etabliert ist und funktioniert und man mit allen Leuten so gut zusammenarbeiten kann und auch gern zusammenarbeitet. Ohne die Koffer wäre das sehr schwer zu ersetzen oder sehr schwer zu finden." Florian Sußner, Impro-Theater "6 auf Kraut"

Wie es mit der Kofferfabrik weitergehen soll, darüber debattiert auch der Kulturausschuss des Fürther Stadtrats am Donnerstag (04.03.21). Linke, Grüne und SPD haben Dringlichkeitsanträge eingebracht.

Koffer-Chef Udo Martin: Stiftung soll Kofferfabrik übernehmen

Und was wäre, wenn eine gute Fee käme und Koffer-Chef Udo Martin sich was wünschen dürfte? Die Fürther Kofferfabrik soll endlich in ein ruhigeres Fahrwasser kommen, sagt er. Seit 25 Jahren rede der Investor alle zwei bis drei Jahre davon, dass er das Gelände entwickeln wolle und dass die Kulturschaffenden ausziehen sollen. "Die gute Fee möchte doch dafür sorgen, dass dieses Gelände in die Hände von Menschen kommt oder einer Stiftung, die sagt: Macht, entwickelt euch, und ja, ihr habt die Sicherheit, dass es die nächsten Jahre und Jahrzehnte so bleibt", überlegt Martin.

Doch das sind im Moment nur Träume.

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Die Nachricht ist ein Schock für die Fürther Kulturszene: Das Subkultur-Zentrum "Kofferfabrik" hat vom Eigentümer die Kündigung erhalten. Für die Kultur in Franken wäre das ein großer Verlust, denn "die Koffer" ist ziemlich einmalig.

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