BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance / Godong | Pascal Deloche
Bildrechte: picture alliance / Godong | Pascal Deloche

Übertragung eines Gottesdienstes in den Sozialen Medien auf dem Handy

Per Mail sharen

    Die Kirche und der Digitalisierungsschub - wie geht's weiter?

    Wenige Präsenzgottesdienste, keine Seniorennachmittage, keine Jugendfreizeiten: Corona hatte das kirchliche Leben teils zum Erliegen gebracht. Doch viele Gemeinden wurden kreativ - und digital. Doch wird dieser Digitalisierungsschub weiter anhalten?

    Per Mail sharen
    Von
    • Anna Giordano
    • Martin Jarde

    Seit Corona ist es im Netz eine kleine Berühmtheit: das Pfarrer-Ehepaar Höpfner der evangelischen Gemeinde in Offenhausen, im Landkreis Nürnberg. Dabei hatten sie vor der Pandemie mit dem Internet beruflich nur wenig zu tun. "Wir waren halt vorher mit Homepage und Facebook vertreten, was man halt so hat", sagt Pfarrer Martin Höpfner.

    Sofa-Gottesdienste auf Youtube

    Dann aber kam im Frühjahr 2020 das Verbot öffentlicher Gottesdienste und sie mussten umdenken. Dem Pfarrer-Ehepaar war vor allem wichtig: das kirchliche Leben im Lockdown nicht einschlafen zu lassen. "Und da waren wir schnell unterwegs und haben groß angekündigt, wir machen jetzt Sofa-Gottesdienste auf Youtube." Erst später hätten sie sich überlegt, wie das überhaupt funktionieren könne, erzählt Pfarrer Höpfner lachend.

    Mit einem Fotoapparat seien sie in die Kirche gegangen und hätten den Gottesdienst mehr schlecht als recht aufgezeichnet und danach mit einem völlig überalterten Laptop 13 Stunden lang das Video geschnitten, "weil er permanent abgestürzt ist. So war unser erster Sofa-Gottesdienst!"

    Corona-Therapie-Videos: Größter Hit mit fast 50.000 Klicks

    Technisch haben die beiden inzwischen aufgerüstet - auch wenn Martin Höpfner betont: viel Geld haben sie dafür nie in die Hand genommen: ein neuer Laptop, ein Schnittprogramm, ein Camcorder. Trotzdem sind sie inzwischen so etwas wie Youtube-Profis, produzieren nicht mehr nur Sofa-Gottesdienste, sondern auch Andachten, Impulse und, man könnte sagen, Spaß-Videos. Die Pfarrer nennen sie: "Corona-Therapie-Videos."

    Das Video "Das muss ein Pfarrer können" ist ihr größter Hit, es hat mittlerweile über 49.000 Aufrufe auf YouTube. Auch ihr Online-Gottesdienst zum 50. Geburtstag der Sendung mit der Maus war beliebt und wurde knapp 6.000 Mal geklickt. Zum Vergleich: Der Stream zum diesjährigen Pfingstgottesdienst aus dem Münchner Dom wurde rund 10.000 Mal aufgerufen.

    Trotz positiver Ressonanz - der persönliche Kontakt fehlt

    Den beiden Pfarrern geht es aber weniger um Klickzahlen, sondern um jeden einzelnen, den sie erreichen: Ab und zu bekommen sie Mails oder Postkarten, in denen sich die Menschen bedanken - oder Fotos davon, wo ihre Andachten geschaut werden. Kleine Gesten, die anspornen und die jungen Pfarrer zu immer neuen Ideen verleiten. Zum Beispiel: die Änderungen der Abstands- und Hygienevorschriften für Präsenzgottesdienste im Tagesschau-Format zu verkünden.

    Trotzdem bleibt bei all dem, was Anne-Sophie Höpfner und ihr Mann Martin im Corona-Jahr umgesetzt haben, ein kleiner Wermutstropfen: der fehlende direkte Kontakt zu den Menschen. "Wie reagiert derjenige auf das, was wir erzählen? Findet er es gut, toll, schlecht, berührt es ihn im Herzen oder schläft er gleich ein? Das ist tatsächlich was, was wirklich fehlt", bedauert das Pfarrer-Ehepaar.

    Keine TV-Qualität, aber Gottesdienste, die Menschen berühren

    Ortswechsel von Offenhausen nach München: Pfarrer David Theil steht in seiner Kirche St. Ursula in Schwabing. "Ich fand‘s am Anfang für mich selber sehr befremdlich, in dieser großen Kirche mit sechs, sieben Leuten zu feiern, und musste mir sehr bewusst herholen, dass viele mitfeiern zu Hause."

    Auch Theils Gemeinde hat in Corona-Zeiten damit begonnen, Gottesdienste zu streamen - meistens mit positiver Resonanz. Natürlich könnten sie nicht mithalten mit dem hochprofessionellen Fernsehgottesdiensten, aber die Zuschauer fanden es toll, einen Gottesdienst mitzufeiern "aus der eigenen Pfarrkirche, wo man den Raum kennt, den Musiker kennt, die Pastoralreferentin kennt", erklärt Pfarrer Theil.

    Blick über den Tellerrand digital viel leichter

    Die Pastoralreferentin in Sankt Ursula heißt Monika Roth. Sie ist zuständig für die Arbeit mit den Ministranten und den Firmlingen. Gerade die Jugendarbeit lebe eigentlich vom persönlichen Kontakt, vom Ratschen, vom Austausch, erzählt sie, und daher sei sie erstaunt gewesen, dass manche Dinge digital sogar sehr gut funktioniert hätten.

    So zum Beispiel ein Abend zur Firmvorbereitung, bei dem es um die "heißen Eisen" der Kirche ging und der via Zoom stattfand. "Wir konnten halt jetzt Referenten einladen aus ganz Deutschland, also waren auch welche aus Berlin zugeschaltet. Das wär jetzt im Analogen nicht gegangen. Digital war das kein Problem, da die Gesprächspartner Zeit hatten und teilnehmen konnten", sagt Monika Roth.

    Digitalisierung in der Kirche: Gekommen, um zu bleiben

    Sie kann sich vorstellen, einige der vielen digitalen Tools, die sie im letzten Jahr getestet hat, auch zukünftig in die Jugendarbeit einfließen zu lassen - selbst, wenn alles wieder ohne Corona-Beschränkungen läuft.

    Vom Digitalen trennen möchte sich auch das Pfarrer-Ehepaar aus Offenhausen nicht mehr. Ihr Youtube-Kanal mit inzwischen 830 Abonnent sei eine Herzensangelegenheit geworden, sagt Martin Höpfner. Andachten aus dem Wohnzimmer werde es daher weiterhin geben. Und ein paar besondere Projekte sind für diesen Sommer auch schon geplant: "Im September wird StarTreck 55 Jahre alt und dazu gibt‘s dann natürlich auch wieder einen Youtube-Gottesdienst." Da freue er sich als "Trekkie" schon ganz besonders drauf, sagt Martin Höpfner.

    Sie interessieren sich für Themen rund um Religion, Kirche, Spiritualität und ethische Fragestellungen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Jeden Freitag die wichtigsten Meldungen der Woche direkt in Ihr Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.