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Die Historikerin Carola Dietze über Osama Bin Ladens Vorläufer

Fast 150 Jahre vor 9/11 haben Felice Orsini und John Brown den Terrorismus als Taktik politischen Handelns erfunden. Orsini mit dem Attentat auf Napoleon III., John Brown mit dem Überfall auf Harpers Ferry. Eine Studie über bin Ladens Vorläufer.

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Felice Orsini (1819-1859) kämpft schon früh für ein freies, demokratisches und vor allem einheitliches Italien. Vergebens. Schließlich organisiert er in Paris ein spektakuläres Bombenattentat auf Napoleon III, das scheitert. Orsini bekommt vor Gericht die Chance, sein Anliegen öffentlich zu machen und stellt seine Motive für die Gewalttat - auch in Briefen an Napoleon III. - so beeindruckend dar, dass alle trauern, als er schließlich hingerichtet wird.

John Brown greift zur Gewalt - und gibt ein Interview

Die Nachricht von Orsinis Attentat auf Napoleon III. macht auch in den USA die Runde - vor allem unter den Abolitionisten. Einer von ihnen ist John Brown, auch er kein geborener Terrorist: Lebenslang kämpft der tief religiöse Mensch auf politischem Weg für die Abschaffung der Sklaverei. Irgendwann resigniert er und organisiert mit seinen Verbündeten den spektakulären Überfall auf das Arsenal und die Waffenfabriken in Harpers Ferry, um den offenen Krieg gegen die Sklaverei zu erzwingen. Der Überfall misslingt, aber durch seine geschickte Begründung der Tat in den Medien und vor Gericht erreicht er sein politisches Ziel.

Terrorismus ist eine Kommunikationsstrategie

Medien sind der "Sauerstoff" des Terrorismus, sagte Margaret Thatcher einmal. Carola Dietze erklärt Browns und Orsinis Anschläge zur Invention des Terrorismus, weil der primär als Kommunikationsstrategie seine Macht entfaltet - und zwar über Ländergrenzen und Kontinente hinweg.

Carola Dietze: "Die Erfindung des Terrorismus in Europa, Russland und den USA 1858 bis 1866", 700 Seiten, Hamburger Edition, 42 Euro

Im Gespräch mit Ulrich Chaussy Sonntag, 18.05 Uhr im Kulturjournal auf Bayern 2