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Die Heilige Familie von Banksy - mit Kriegsspuren in Bethlehem | BR24

© BR/Julio Segador

Ein sternenförmiges Detonationsloch in einer kalten Beton-Mauer, darunter Maria und Josef mit dem Jesuskind: Pünktlich zum Fest macht der berühmte Streetart -Künstler Banksy wieder mit einem Werk von sich reden: "Scar of Bethlehem" .

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Die Heilige Familie von Banksy - mit Kriegsspuren in Bethlehem

Ein sternenförmiges Detonationsloch in einer kalten Beton-Mauer, darunter Maria und Josef mit dem Jesuskind: Pünktlich zum Fest macht der berühmte Streetart -Künstler Banksy wieder mit einem Werk von sich reden: "Scar of Bethlehem".

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"Die Narbe von Bethlehem", "Scar of Bethlehem" heißt die Installation des britischen Street-Art Künstlers Banksy, die gestern in einem Hotel im Westjordanland präsentiert wurde, und zwar dort, wo die Weihnachtsgeschichte ihren Anfang nimmt: in Bethlehem. Maria und Josef, Ochs und Esel und das Jesuskind sitzen im Stroh vor einer Betonwand mit einem sternförmigen Detonationsloch.

Die Mauer, vor der die Heilige Familie hockt, gleicht dem israelischen Sperrwall draußen, nach dem das Hotel benannt ist: das "Walled-Off Hotel" in Bethlehem. "Es ist eine großartige Möglichkeit, die Geschichte von Bethlehem, die Weihnachtsgeschichte, auf eine andere Art und Weise zu erzählen", sagte Hotelmanager Wissam Salsaa der Nachrichtenagentur AFP. Das Kunstwerk solle die Menschen dazu bringen, mehr über das Leben der Palästinenser in Bethlehem nachzudenken. Banksy versuche "eine Stimme für diejenigen zu sein, die nicht sprechen können" und schaffe "eine neue Art des Widerstands durch Kunst".

Das Hotel mit der "schlechtesten Aussicht der Welt"

Das "Walled-Off Hotel" liegt in unmittelbarer Nähe des israelischen Sperrwalls und warb in der Vergangenheit mit der "schlechtesten Aussicht der Welt", weil der Blick von den Zimmern direkt auf die Betonmauer, den sogenannten israelischen Sperrwall, geht, der die Stadt Bethlehem von Israel trennt. Salsaa bezeichnete die Mauer als eine "Narbe", die bei allen Scham hervorrufen solle, die ihren Bau unterstützt hatten. Auf der Krippen-Kunstinstallation sind zudem die Inschriften "Liebe" und "Frieden" in Graffitiform auf Englisch und Französisch zu sehen.

© dpa/ picture alliance

"Scar of Bethlehem" - die Narbe von Bethlehem, heißt das Banksy-Werk in Bethlehem

Israel hatte 2002 auf dem Höhepunkt des zweiten Palästinenseraufstands mit dem Bau der Sperranlagen begonnen und damit die Anzahl der Terroranschläge im Land drastisch reduziert. Die Sperrmauer verläuft allerdings weitgehend nicht auf der international anerkannten Grenze Israels von 1949, sondern auf dem Gebiet des 1967 besetzten palästinensischen Westjordanlands. Deshalb wurden die Barrieren 2004 vom Internationalen Gerichtshof und danach auch von der UNO als völkerrechtswidrig eingestuft.

Banksy und der Hype der Kunstwelt

Banksy hat in den Palästinensergebieten schon viele Spuren hinterlassen. Aber der Künstler hat Mauern in aller Welt mit seinen berühmten Schablonen-Graffiti verziert und der Welt damit zugleich ein großes Rätsel beschert: Er hält seine Identität seit Jahren geheim, was dem Hype um ihn und seinen Werken keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. Wenn wieder Werke auftauchen, die ihm zugeordnet werden, geht das große Rätselraten los.

Zuletzt in Venedig, während der Biennale: ein Wandgemälde an einem Kanal von einem Kind mit einer Rettungsweste. Der mysteriöse britische Künstler gilt als einer der größten Meister der Street Art, seine oft politischen Graffiti können hunderttausende Euro wert werden. Sein berühmteste Werk ist das "Girl with Balloon". Dieses Werk wurde im Herbst bei einer Kunstaktion live vor aller Augen geschreddert, - nachdem es für umgerechnet 1,2 Millionen Euro versteigert worden ist. Das sollte wohl Kritik am Kunstmarkt sein, sehr profitabel allerdings. Die Zerstörung trieb die Preise für Banksy-Werke bei Sotherby's in die Höhe.

© picture alliance/Capital Pictures

"Girl With Balloon" von Banksy

Mit Material der Nachrichtenagentur AFP

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