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"Die Gretchenfrage": Ein Musical warnt vor Sekten | BR24

© BR/Julia Müller

Die Mechanismen von Sekten sind immer gleich: Ihre Anhänger werden verführt, manipuliert und mit Machtspielchen unter Druck gesetzt.

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    "Die Gretchenfrage": Ein Musical warnt vor Sekten

    Mit sieben Jahren realisiert Luisa Bogenberger, dass etwas mit ihrer Mutter nicht stimmt: Sie ist Anhängerin der Kirschblütengemeinschaft, einer Schweizer Sekte, die mit Gruppensex experimentiert. Ihre Erfahrungen verarbeitet Luisa in einem Musical.

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    "Ich bin aufgewachsen mit dem Gedanken, dass man sich selbst zurückstellt, hinter die Gemeinschaft. Ich habe die grundsätzliche Einstellung gelernt, dass man nichts für sich behält. Auch sich selbst nicht", erzählt Luisa Bogenberger. Ihre Mutter zog sie zwar nicht in die Sekte mit hinein, doch die Überzeugungen und Glaubenssätze der Mutter beschäftigten sie.

    Die Kirschblütengemeinschaft

    Luisa verbringt ihre Kindheit am Chiemsee. Eine Kindheit, in der ihre Mutter immer wieder für einige Tage verschwindet – zur Kirschblütensekte. Dort gibt sie sich der Philosophie der Schweizer Sekte hin, inklusive lebensbedrohlicher Drogenexzesse und sexuellen Massenorgien.

    Als Luisa sieben Jahre alt ist, zeigt ihr die Mutter einen lichtdurchfluteten Raum: Zwei Throne stehen im Zimmer, Matten liegen auf dem Boden. Als Luisa erfährt, dass die beiden Throne für den Guru und eine seiner Frauen sind, die Matten für die Anhänger, ist sie davon überzeugt, dass das nicht richtig sein kann.

    Bis heute erinnert sich Luisas Mutter an diesen Moment. Trotzdem dauert es noch viele Jahre bis Ariela Bogenberger den Ausstieg aus der Kirschblütengemeinschaft schafft.

    Verarbeitung als Bühnenstück

    Bogenberger hat ein humorvolles Musiktheaterstück geschrieben, um das alles zu verarbeiten. Und um aufzurütteln. Ihre Mutter hat sie bei der Verwirklichung unterstützt. Für beide ist es Rebellion und Warnung zugleich. "Die Gretchenfrage" beschreibt keine bestimmte Sekte, sondern vor allem die Mechanismen von Verführung, Manipulation und Macht. Wie einst ihre Mutter, liefert sich auch hier die junge Greta einem charismatischen Guru aus. Luisa Bogenberger spielt die Hauptfigur Greta selbst, den Guru spielt ihr Partner David Wenzl.

    Die Machtspielchen der Gurus

    Heute sind der Theatermacherin Glaubensgemeinschaften grundsätzlich suspekt. Sie versprechen für sie oft das gleiche: Liebe, Hoffnung, Licht und Antworten. "Wenn ein Anführer verspricht, er hätte einen Kontakt nach oben oder er hätte mehr Wissen als andere – vor allem ein nicht überprüfbares Wissen – dann sollte man immer misstrauisch werden", davon ist Luisa Bogenberger überzeugt. Sie hofft, dass sie ihr Stück noch an ganz vielen unterschiedlichen Orten präsentieren kann, um Menschen für die Mechanismen von Gurus und Sekten zu sensibilisieren.