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Das sind die besten Serien im September | BR24

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Rosa Salazar als Alma in der Amazon-Serie "Undone"

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    Das sind die besten Serien im September

    Polit-Affären aus Großbritannien und Amerika, Geschichts- und Bio-Nachhilfe, außerdem Kunst: Die besten Serien im September füllen den gesamten Lehrplan. Warum Sie "Undone", "A Very English Scandal" und weitere Serien nicht verpassen sollten.

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    Wer sich in den letzten Wochen womöglich noch über zu wenig Auswahl geärgert hat, steht jetzt vor dem umgekehrten Problem: Kaum ein Monat hat 2019 so viele tolle Neustarts im Angebot gehabt wie jetzt der September. Das sind die besten neuen Serien zum Herbstbeginn.

    "Undone" – Einfach Wow!

    Für Freunde von: dem unbezwingbaren Willen der Sci-Fi-Serie "The OA" uns herauszufordern. Für Fans von animierten Filmen mit echten Schauspielern wie "A Scanner Darkly" und dem wundervollen Computerspiel "Life is Strange" über ein Mädchen, dass die Zeit zurückdrehen kann.

    Das Leben der jungen, depressiven Alma (Rosa Salazar) gerät aus den Fugen: Nur knapp überlebt sie nach einem Familienstreit einen Autounfall. Als sie im Krankenhaus aus dem Koma erwacht, ist Alma plötzlich in der Lage durch Zeit und Raum zu reisen. Oder ist es doch nur das Trauma vom Tod ihres Vaters (Bob Odenkirk), der vor 20 Jahren bei einem Autounfall starb und sie nun – so scheint es – durchs Leben leitet?

    Mit den Untiefen der menschlichen Psyche kennen sich die Serienschöpfer Raphael Bob-Waksberg and Kate Purdy aus. Bob-Waksberg hat die vielfach ausgezeichnete Animationsserie "Bojack Horseman" erfunden, für die Purdy als Autorin tätig ist. In "Undone" haben sie nun nicht mehr mit Trickfiguren gearbeitet, sondern ließen Filmaufnahmen von echten Schauspielern rotoskopisch animieren, so dass ihre Gestik und Regungen sichtbar blieben. Die Welt, in der Alma sich bewegt, stellt unsere Vorstellung der Realität visuell auf eine echte Probe – wie, ist unmöglich zu beschreiben.

    In den knapp halbstündigen Folgen begeistert "Undone" damit, wie tiefsinnig die Serie mit künstlerischen Mitteln psychische Grenzbereiche erkundet. Sie beweist, dass Serienkunst längst noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Eine der schönsten, berührendsten und experimentellsten Serien des Jahres. Einfach Wow.

    "Undone" ist seit dem 13.09. komplett bei Amazon Prime Video abrufbar.

    "Unbelievable" – So gut können Krimiserien sein

    Für Freunde von: der No-Bullshit-Attitüde der Ermittlerin aus "The Fall", "When They See Us" und wie die Serie die Schwächen eines Systems offenbart und den komplexen Frauenfiguren aus "Quicksand" .

    Die Story ist haarsträubend und leider wahr: 2008 wird ein Mädchen in ihrer Wohnung überfallen und vergewaltigt. Schnell kündigen ihre Pflegemütter, aber auch die Polizei Zweifel an ihrer Aussage an. Unter Druck zieht das Mädchen die Anzeige zurück und wird schließlich wegen Falschanzeige verurteilt.

    Drei Jahre später wird der Vergewaltiger im Nachbarstaat gefasst, bis dahin hatte er – ohne Spuren zu hinterlassen – fünf weitere Frauen überfallen und vergewaltigt. Wie diese komplizierten Fälle aufgeklärt wurden, was das Trauma der Vergewaltigung mit den Opfern anrichtet und wie unterschiedlich es sich äußern kann, all das zeigt "Unbelievable" ungewohnt sensibel und eindringlich.

    Die Serie basiert auf der mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Recherche der Journalisten T. Christian Miller und Ken Armstrong und genau wie ihr Artikel verzichtet auch die Serie auf einfache Erklärungen und Schuldzuweisungen. Überhaupt: Die Serie umgeht vieles, was wir von Krimiserien gewohnt sind. Es gibt keine expliziten Gewaltdarstellungen und Schwarz-Weiß-Malerei. Sie stellt dagegen die Erfahrungen der Opfer in den Fokus und viele übliche Vorstellungen von Vergewaltigungsfällen mit Fakten und Kontext auf den Kopf.

    Die Serie ist nicht leicht auszuhalten, aber sie ist so fesselnd und mitfühlend erzählt, dass es schwer fällt auszuschalten. Einen großen Verdienst daran tragen die drei fantastischen Hauptdarstellerinnen Kaitlyn Dever, Toni Collette und Merritt Wever, aber auch die Drehbuchautorin Susannah Grant ("Erin Brockovich").

    Die acht Folgen von "Unbelievable" sind ab dem 13.09. bei Netflix verfügbar.

    "Die Neue Zeit" – Die Wohlstandsrebellen vom Bauhaus

    © ZDF und Mathias Bothor

    Anna Maria Mühe als Dörte Helm und August Diehl als Walter Gropius in der Serie "Die Neue Zeit" von ZDF und Arte.

    Für Freunde von: epischen Geschichtsblockbustern wie "Unsere Mütter, Unsere Väter", der aufwändigen Ausstattung aus "Babylon Berlin" und Geschichtsunterricht in Serienform wie "Charité".

    "Die Neue Zeit" wirkt zwar so, aber eine streng faktentreue, historische Serie ist sie nicht. Die Protagonisten gab es wirklich, aber das, was sich in den Studentenstuben, im privaten Raum abgespielt hat – zum Beispiel zwischen Bauhaus-Gründer Walter Gropius (August Diehl) und der Studentin Dörte Helm (Anna Maria Mühe) – ist fiktionalisiert. Helm war wirklich eine der ersten Studentinnen am Bauhaus und stammte aus einer wohlhabenden konservativen Professoren-Familie aus Rostock. Die Widerstände, die sich ihr und anderen ehrgeizigen Frauen dort boten, will "Die Neue Zeit" aufzeigen – und zwar über ein konfrontatives Interview, das eine feministische Journalistin mit dem inzwischen fast 80-jährigen Gropius über die Anfangszeit des Bauhaus in Weimar führt.

    Großes Serien-Kino ist "Die Neue Zeit" nicht – eher eine klassisch öffentlich-rechtliche Geschichtsstunde. Regisseur und Mitautor Lars Kraume hat sich zwar alle Mühe gegeben, den revolutionären Geist der Bauhäusler mit einigen visuellen Experimenten einzufangen. Die Handkamera ist wacklig-dokumentarisch, Farb- und Schwarzweiß-Bilder wechseln sich ab und immer wieder werden fotografische Momentaufnahmen auf den reduzierten Jazz-Soundtrack gelegt. Die Serie versucht auch den Geniekult um Walter Gropius und seine Bauhaus-Meister zu brechen. Nur gelingt das selten. Denn Gropius ist ja derjenige, der die Geschichte aus seiner Sicht erzählen darf – und nicht die mittlerweile vergessene, rebellierende junge Künstlerin Dörte Helm.

    "Die Neue Zeit" wird in drei Doppelfolgen ab dem 15.09.2019 im ZDF ausgestrahlt und ist schon jetzt sowohl in der ARTE-Mediathek, als auch in der ZDF-Mediathek kostenlos und komplett streambar.

    "The Hot Zone" – Wie Ebola den Weg gen Westen fand

    Für Freunde von: Serien, die Lektionen übers Leben unterhaltsam erteilen, wie "Chernobyl", der toughen Julianna Margulies aus "The Good Wife", und Weltuntergangsfantasien wie aus "The Rain" .

    Über 2.000 Menschen starben in der Demokratischen Republik Kongo allein im vergangenen Jahr an Ebola. Es ist der schwerste Ausbruch der Krankheit seit 2014, als in ganz Westafrika mehr als 11.000 Menschen an Ebola gestorben sind. 24 Mal ist das Ebolafieber ausgebrochen, seit es 1976 erstmals in den tropischen Regenwäldern der Demokratischen Republik Kongo beobachtet wurde.

    Der Titel und auch die Handlung stammen vom umstrittenen Sachbuchbestseller von Richard Preston. In : "Hot Zone. Tödliche Viren aus dem Regenwald" schildert er, wie Forscher der US-Armee Ende der 1980er Jahre bei importierten, erkrankten Laboraffen ein mit dem Ebola-Erreger verwandtes Virus fanden und versuchten, eine mögliche Epidemie in den USA zu verhindern.

    Zwar übernimmt die Serie einige wissenschaftlich nicht ganz so exakte und effekthascherische Szenen aus dem Buch. Trotzdem ist "The Hot Zone" super spannend und macht mit Schockmomenten und den Mitteln eines Katastrophenfilms darauf aufmerksam, dass die Gefahr von Ebola gerade wieder besonders akut ist, auch wenn wir in den Nachrichten nicht viel darüber hören.

    Neben Julianna Margulies ("The Good Wife") sind übrigens noch viele weitere bekannte Seriengesichter zu sehen, wie Liam Cunningham ("Game of Thrones"), Robert Sean Leonard ("Dr. House") und Topher Grace ("Die Wilden 70er").

    “The Hot Zone” ist ab dem 16.09. bei National Geographic z.B. über Sky on Demand und Magenta TV abrufbar.

    “A Very English Scandal” – ein übergeschnappter Polit-Skandal

    Für Freunde von: der unbeschreiblichen, exzentrischen British-ness eines "Patrick Melrose", dem schrägen Humor von “Killing Eve”, den politischen Machtspielchen aus “House of Cards”.

    Mit Hugh Grant und Ben Whishaw ist "A Very English Scandal" sehr prominent besetzt. Die beiden sind in einer oft absurd-komischen Dramatisierung des unfassbaren Skandals um den britischen Politiker Jeremy Thorpe (Grant) und seine homosexuelle Affäre mit dem Stallburschen Norman Scott (Whishaw) zu sehen. Die drei Teile der Serie decken die Zeit von den Anfängen der Affäre 1965 bis zum gescheiterten Mordversuch an Norman Scott Ende der 70er – der dazu führte, dass dieser die Affäre öffentlich machte. Bis dahin hatten Labour-Politiker den Skandal nämlich unter Verschluss gehalten.

    Hugh Grant ist herrlich als moralisch völlig verkommener, eiskalter Spieler Thorpe. Ben Whishaw steht ihm in der Rolle des etwas naiven, erratischen Chaoten Scott in nichts nach. Die Geschichte, die Russel T Davies ("Queer As Folk") und Stephen Frears ("High Fidelity") in "A Very English Scandal" um die beiden herumstricken, ist so bizarr, dass man kaum glauben kann, dass das wirklich passiert ist. Wobei man das wohl auch über die Nachrichten aus dem Großbritannien der Gegenwart sagen könnte.

    Der Dreiteiler “A Very English Scandal” kann ab dem 19.09. im Amazon Prime Sony-Channel gestreamt werden.

    Und sonst?

    Für Krimi-Liebhaber empfiehlt sich außerdem noch "Criminal" (20.09., Netflix) – eine internationale Serie, prominent besetzt mit unter anderem David Tennant und Nina Hoss. "Criminal" nimmt die Zuschauer mit in Polizei-Verhörzimmer in Spanien, Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

    Fans von “Stromberg” und "Das Institut" könnten es mal mit "Frau Jordan stellt gleich" (ab 23.09. bei Joyn) versuchen. Darin spielt Katrin Bauerfeind die Gleichstellungsbeauftragte einer Kleinstadt, die ihre Abteilung durch einen Orkan von sexistischer Werbung, Belästigung am Arbeitsplatz und unterschiedlichen Auffassungen von Sexismus navigieren muss. Idee und Buch stammen von Stromberg-Erfinder Ralf Husmann.

    Ende des Monats geht es dann bei Netflix weiter mit “The Politician” vom hyperaktiven Serienschöpfer-Duo Ryan Murphy und Brad Falchuk ("American Horror Story", "Glee") und der neuen deutschen Serie "Skylines" über die Frankfurter HipHop-Szene.