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Anhänger des indischen Gurus Bhagwan Shree Rajneesh, im Bhagwan-Zentrum in Margarethenried in der Hallertau im August 1981.

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    Die Bayern und der Guru: 50 Jahre Bhagwan-Bewegung

    Manch einer hat sie vielleicht persönlich angetroffen: die Sannyasins, Anhänger des indischen Philosophen Bhagwan. Vor 50 Jahren kam die Bewegung in Deutschland auf. Ihre spirituellen Zentren in Bayern waren für die Anwohner oft eine Provokation.

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    Von
    • Markus Kaiser
    • Martin Jarde
    "Wenn man das als Kind sieht, wie es da draußen in Margarethenried zugegangen ist, das war schon interessant. Es hat sich bei uns ja keiner mehr getraut, dass er etwas Rotes raushängt, dass keiner sagen kann, der ist da dabei." Michael Hobmeier

    Rote oder orange Kleidung war verdächtig in den 1970er-Jahren in Hörgertshausen im Landkreis Freising, erinnert sich Michael Hobmeier, heute erster Bürgermeister der Gemeinde. Denn diese Farben trugen die Anhänger der Bhagwan-Bewegung, von denen sich im kleinen Nachbarort Margarethenried auf dem Grundstück eines Künstlers ein paar hundert niedergelassen hatten.

    Sannyasins: Freie Liebe in der Öffentlichkeit

    Für Aufregung sorgte der Lebensstil der Sannyasins. Während die Landbevölkerung arbeitete, waren bei ihnen Meditation, laute Tänze und spirituelle Erfahrungen angesagt. Und freie Liebe – auch in der Öffentlichkeit.

    "Für die war ja das kein Problem, wenn sie im Garten nackert umeinander gesprungen sind", erzählt Hobmeier. "Oder wenn wir mit dem Moped umeinander gefahren sind, die waren schon viel umeinander gelegen im Vollzug der freien Liebe."

    Die Verbindung von Sexualität und dem Religiösen, wie sie der indische Philosoph Bhagwan, später Osho, vertrat, war für die Dorfbevölkerung ein Tabubruch. Man warf der Bewegung Verführung von jungen Leuten vor, hatte Angst vor sogenannter Gehirnwäsche oder, dass die Teilnahme an den Meditationsritualen zu einer Abhängigkeit führen könnte.

    Bhagwan-Bewegung als "Jugendsekte" deklariert

    So wurde die Bhagwan-Bewegung auch als "Jugendsekte" bezeichnet. Ein irreführender Begriff, meint der Religionswissenschaftler Christoph Bochinger von der Universität Bayreuth. Die Teilnehmer an den nicht gerade günstigen Meditationskursen waren meist volljährig und kamen gar nicht aus dem Ort.

    "Der Bhagwan und Osho war ja Philosophie-Professor, er kannte zum Beispiel den Nietzsche mit seiner Religionskritik. Und damit hat er westliche Intellektuelle besonders angesprochen." Christoph Bochinger

    Dieser Mix, einerseits religiöse Interessen zu bedienen, sich andererseits aber von der christlichen Tradition stark abzusetzen, war Bhagwans Markenzeichen, erklärt der Religionswissenschaftler. "Plus der Mix von alternativer Spiritualität und Therapiebewegung. Das gibt es heutzutage überall, aber damals war es was Neues."

    Hat die Lehre von Osho heute an Reiz verloren?

    Bis Mitte der 1980er-Jahre blieben die Sannyasins in Margarethenried. Heute sind Meditationskurse oder Achtsamkeitsübungen nichts ungewöhnliches und Sex außerhalb der Ehe kein Tabu mehr. Hat damit die Bhagwan- oder Osho-Bewegung ihren Reiz verloren?

    Der Psychologe Eckart Wunderle war damals dabei und ist auch heute noch mit Osho verbunden, wie er sagt. Für ihn geht es im Kern um "Liebe, Bewusstheit und Mitgefühl". Deshalb sei er auch Vegetarier, "weil die Liebe nicht aufhört bei Menschen". Die Bewegung habe aus seiner Sicht daher auch nicht an Attraktivität verloren: "Die Menschen, die ich kenne, gehen weiter diesen Weg. Also die Lehre von Osho lebt."

    Und für Eckart Wunderle ist sie gerade in der jetzigen Zeit der Pandemie von großer Bedeutung: "Schauen Sie, ich hab keine Angst. Ich hab Vertrauen, dass wir diese Corona-Geschichte meistern. Dieses tiefe Vertrauen und dieses angstfreie Dasein – das ist ein Raum von innerem Frieden und das ist sehr wertvoll."

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