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Die Außenseiterkunst Frank Walters: ein Statement in Frankfurt | BR24

© Audio: BR/ Bild: Frank Walter, Foto Axel Schneider

Das Museum Moderne Kunst in Frankfurt stellt das sehr abwechslungsreiche Werk des karibischen Malers Frank Walter vor: Es überrascht - und lohnt das Kennenlernen.

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Die Außenseiterkunst Frank Walters: ein Statement in Frankfurt

Mal abstrakt, mal kosmisch, mal figürlich: Das Museum Moderne Kunst in Frankfurt stellt das sehr abwechslungsreiche Werk des karibischen Malers Frank Walter vor: Es überrascht - und lohnt das Kennenlernen.

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Frank Walter bekommt ein verblüffendes Entrée: eine Palmenallee von Marcel Broodthaers. Eine Anspielung des belgischen Künstlers auf den kolonialen Dekorbaum des bürgerlichen 19. Jahrhunderts, der vor allem die Museen schmückte. "Marcel Broodthaers ist ein Künstler, der in seinem kompletten Oeuvre thematisiert hat: Was ist ein Museum, was ist die Deutungshoheit, was zeigt ein Museum und was verschweigt ein Museum?", erklärt Susanne Pfeffer, Direktorin.

Außenseiterkünstler aus der Karibik

Und das führt auch gleich ins Thema: Direktorin Susanne Pfeffer will etwas zeigen, das im Museum sonst nicht vorkommt. Nämlich einen Außenseiterkünstler aus der Karibik, dessen Leben und Werk ohne den Kontext der Kolonialisierung kaum zu verstehen ist. Doch zunächst einmal trifft man auf kleine Holztafeln, in ekstatischen Farben und oft strikter Geometrie bemalt. Himmelskörper, Planeten, Sterne, mit Feuerschweif versehene Phänomene. Abstrakte Formen, durchglüht von einer inneren Vision. Erinnert an die schwedische Mystikerin Hilma af Klimt. "Ich glaube, das Interessante ist, dass es eigentlich nicht im klassischen Sinn einen typischen Frank Walter gibt," so Pfeffer, die sich an die Schwedin erinnert fühlt: "Wenn man die Ausstellung betritt, sieht man zunächst die kosmologischen Arbeiten, dann gibt es abstrakte Formationen, die wirklich aussehen wie Hilma af Klimt, spätestens bei seinen Naturdarstellungen, bei seinen figurativen Werken, merkt man, wie eigenständig und auch wie unterschiedlich sein Werk ist".

Das gesamte Museum ist freigeräumt für Frank Walter. Eine gewagte Aktion, denn oftmals sind diese Malereien nicht größer als eine Handfläche. Aber sie fliegen nicht weg. Dafür sorgt ihr Farbgefühl, ihre Innigkeit. Und die ständige Suche nach künstlerischer und persönlicher Identität.

Auf der Suche nach künstlerischer Identität

"Es gibt sehr viele Selbstporträts, von ihm selbst in der Landschaft, aber es gibt auch die Selbstporträts, wo er sich selbst als Weißer malt und zeichnet", sagt Susanne Pfeffer. "Was davon zeugt, wie schwierig es ist, als letztendlich gebürtiger kolonialisierter Mensch überhaupt in der Welt des 20. Jahrhunderts eine eigene Identität, eine eigene Kultur zu behaupten und sie auch selbst zu bestimmen und zu definieren. Und ich glaube, dieser Kampf um Identitätsbildung ist ganz wichtig bei Frank Walter und schlägt sich vornehmlich in seinen Selbstporträts nieder."

© Axel Schneider/ MMK

Frank Walter, Selbstporträts, Ausstellungsansicht Frankfurt MMK

© Axel Schneider

Frank Walter: Selbstporträt

© Axel Schneider

Frank Walter: Ohne Titel

© Axel Schneider

Ausstellungsansicht Frank Walter im MMK Frankfurt

© Foto Axel Schneider

Frank Walter: Ohne Titel

© Axel Schneider

Frank Walter Milky Way Galaxy

© Axel Schneider

Frank Walter: Ohne Titel

© Axel Schneider

Frank Walter: Ohne Titel

© Axel Schneider

Frank Walter King Size Soul ohne Jahr

© Axel Schneider

Walter Frank: Ohne Titel

© Axel Schneider

Frank Walter: Ohne Titel

© Axel Schneider

Frank Walter: Ohne Titel

Es gibt eindeutig politische Kommentare anderer Künstler, die Walters Malerei in den Kontext der Kolonialisierung stellen. Filme von Isaac Julien über den algerischen Psychiater, Theoretiker, Befreiungskämpfer Frantz Fanon. Über den karibischen Karneval in West London, der regelmäßig in Straßenkämpfe ausartete.

Eine Ausstellung als Statement

Das mag man wie eine Überfrachtung der Malerei von Frank Walter empfinden, der rassistische und politische Auseinandersetzung in seinen Werken an keiner Stelle thematisierte. Aber zugleich erinnert man sich an eine Formulierung des Kurators Harald Szeemann, der bestimmte Formen der Außenseiterkunst einmal so charakterisierte: "Keine Idylle ohne Katastrophe, keine Katastrophe ohne Idylle". Die katastrophische Idylle des Frank Walter jedenfalls geht einem nahe. Sie überrascht. Sie lohnt das Kennenlernen.

Wie bei Susanne Pfeffer nicht anders zu erwarten, ist diese Ausstellung eben auch als Statement zu verstehen. Zum oftmals eingeschränkten Blick der Museen und ihrer Sammlungen. "Aber ich finde schon wichtig, dass sich der Blick öffnet und man sich bewusst ist, dass in der Sammlung des MMK sehr stark westliche männliche Positionen vertreten sind, die auch wunderbar sind. Aber ich glaube, die Welt ist noch viel reicher und bunter. Und das sollte ein Museum auch repräsentieren und damit auch sichtbar und zugänglich für die Besucher machen."

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